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Das Herz hat viele Zimmer Roman von Stalmann, Franziska (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 08.07.2013
  • Verlag: Diana Verlag
eBook (ePUB)
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Das Herz hat viele Zimmer

Eine Geschichte über die große Liebe, kleine Wunder und die Kraft der Freundschaft
Alla Junge ist Übersetzerin und mit Ende vierzig glückliche Ehefrau und Mutter zweier fast erwachsener Söhne. Bis sie sich verliebt. Hals über Kopf und gegen ihren Willen - in den zehn Jahre jüngeren Matthias, für den sie sogar ihren Mann verlässt. Gemeinsame Freunde meiden sie nun, ihre Söhne gehen auf Distanz. Und Alla muss um ihre neue Liebe kämpfen. Als sie ihre demenzkranke Mutter zu sich holt, wachsen ihr die Probleme über den Kopf. Zum Glück gibt es noch die besten Freundinnen Anne und Elisabeth, die erst alles besser wissen und dann mithelfen, dass Alla wieder ihren Platz im Leben findet.

Franziska Stalmann eroberte mit ihrem Roman 'Champagner und Kamillentee', verfilmt mit Andrea Sawatzki, ein Millionenpublikum. Es folgten weitere erfolgreiche Bücher zuletzt 'Das Herz hat viele Zimmer' und 'Helenas Männer'. Die Autorin und Psychologin lebt in München.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 320
    Erscheinungsdatum: 08.07.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641103064
    Verlag: Diana Verlag
    Größe: 662 kBytes
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Das Herz hat viele Zimmer

1

I ch heiße Alla.

Als der Krieg zu Ende war, war meine Mutter zwanzig und hatte das Gefühl, dass Hitler sie um ihre Jugend gebracht hatte. Ihre Jugend konnte sie nicht zurückholen, aber sie nahm sich vor, wenigstens alle Filme zu sehen, die sie durch seine Diktatur versäumt hatte. Sie fing nicht sofort damit an, es gab Wichtigeres, erst als die Zeiten besser wurden, ging sie ins Kino, sooft sie konnte. Dabei verliebte sie sich in die Schauspielerin Alla Nazimova, und als ich viel später zur Welt kam, nannte sie mich Alla. Mein Vater fand es furchtbar, dass sein Kind den fremdartigen Namen einer toten Hollywoodschauspielerin haben sollte, aber gegen meine Mutter kam er nicht an. Er ging seinen eigenen Weg und nannte mich immer nur "Liebes". Als ich anfing, über die Dinge nachzudenken, fragte ich ihn, warum. "Liebes heißt, dass ich dich liebe. Es ist dein wahrer Name. Verstehst du?", sagte er. Ich verstand es nicht, aber ich war stolz auf ihn, weil er so klug war und meinen wahren Namen wusste. Und niemand merkte, dass er mich nie Alla nannte, nicht einmal meine Mutter.

"Alla", sagte meine Mutter. "Was ist das hier?"

"Ein Coffeeshop, Mama", sagte ich.

"Und wie heißt das hier?"

"Amore, Mama."

"Interessant", sagte sie. "Originell!"

Das fragt sie jedes Mal, und jedes Mal sagt sie: "Interessant, originell", streckt die dünnen Arme auf den Lehnen der braunen Plastikledersessel aus und spreizt die Hände mit den blauen Adern.

Ich rührte Zucker in ihren Cappuccino und zerteilte den Schokoladenmuffin in kleine Stücke, die sie mit zierlichen Bewegungen aufnahm und langsam kaute. Dann schob sie den Teller von sich und richtete ihren Blick auf den Mann gegenüber.

"Hallo", sagte sie.

Er hob den Blick von seinem Laptop: "Hallo."

"Sie gefallen mir."

Er lächelte.

"Sie sind ein richtiger Mann."

"Hoffentlich", sagte er.

"Da bin ich sicher", sagte sie. "Das sehe ich gleich. Alla könnte einen Mann brauchen ..."

"Ich habe einen Mann, Mama."

"Ja, aber keinen richtigen. Du wirst ältlich und zickig."

Er grinste.

"Ich habe einen richtigen Mann."

"Warum wirst du dann ältlich und zickig?"

"Ich werde nicht - hör auf, Mama!"

"Jetzt knirscht sie mit den Zähnen", sagte meine Mutter. "Das tut sie immer, wenn sie wütend ist. Daran müssen Sie sich gewöhnen. Aber sonst ist sie eine großartige Frau."

"Keine Frage", sagte der Mann.

Ich packte sie am Handgelenk und zog sie aus dem Sessel und hinter mir her zur Tür.

"Wie heißen Sie?", rief sie zurück.

"Matthias."

"Was für ein schöner Name!", rief sie, während ich die Tür aufriss und sie hinausschob.

Ich brachte sie zurück ins Heim und auf ihr Zimmer, sie legte sich auf die Couch, um die Augen ein bisschen zuzumachen, und war sofort eingeschlafen. Auf dem Rückweg überlegte ich mir, wie peinlich es wäre, den Mann dort wiederzutreffen - außer ich ging jetzt sofort zu ihm und erklärte ihm, dass meine Mutter fünfundachtzig und dement sei und nichts dafür könne, was sie tue, und dass es mit mir überhaupt nichts zu tun habe.

Im Amore war er nicht mehr, und ich fragte die Frau hinter der Theke, ob sie ihn kannte.

"Er ist ziemlich kräftig und hat rote Haare und einen Bart und einen dreckigen Pullover an. Und er heißt Matthias."

"Das ist der Herr Rosenfelder", sagte sie. "Dem ist die Kaffeemaschine kaputtgegangen."

"Und wo ..."

"Der hat seine Schreinerei um die Ecke in der Eismeerstraße."

Ich ging um die Ecke in die Eismeerstraße, und da war die Schreinerei, eine Ansammlung von Bauten, Bäumen und Sträuchern um einen Hof auf einem großen Grundstück zwischen Mietshäusern. Das Schild, auf dem "Matthias Rosenfelder jun. Schreinerei" stand, war alt, nur das "jun." war irgendwann frisch aufgemalt worden.

Das Tor zur Werkstatt war offen. Dr

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