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Das Herzogsgut Ein Kriminalfall aus dem frühmittelalterlichen Altenerding von Jaaga, Josefa vom (eBook)

  • Verlag: Books on Demand
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Das Herzogsgut

Im Jahr 788 AD wird der letzte bairische Agilolfingerherzog Tassilo III auf dem Reichstag zu Ingelsheim durch Karl den Großen abgesetzt. Zeitgleich machen sich von verschiedenen Orten kleine Trupps fränkischer Soldaten auf den Weg, um die Besitzungen des Herzogs für ihren König zu sichern. Bei einem dieser Trupps befindet sich der achtzehnjährige Fulcko, zusammen mit seiner Schwester und seinem Onkel. Doch ihre Ankunft in dem kleinen Ort Ardeoingas, in den es sie verschlagen hat, gestaltet sich anders als geplant: Ein untreuer Beamter hat sich mit der Kasse abgesetzt. Ein vornehmer fränkischer Herr scheint spurlos verschwunden. Die Einheimischen sind störrisch und plagen sich mit ihren eigenen Sorgen und Kümmernissen. Und wer ist dieser zwielichtige Richter, der als einziger herzoglicher Beamter noch in der Gegend geblieben ist - und der das Pferd des verschwundenen Franken reitet? Josefa, Jahrgang 1972, lebt im bayerischen Erding nahe München und kombiniert ihr Interesse an Büchern mit dem an historischen Ereignissen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 340
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783752887587
    Verlag: Books on Demand
    Größe: 4701 kBytes
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Das Herzogsgut

Kapitel 1

Es war so eine Sache, wenn man vom bairischen Bischofssitz Frigisinga nach Ardeoingas reisen wollte, zumal in diesem Frühjahr, im Jahre des Herrn 788.

Nicht, dass viele Leute gewusst hätten, dass man das Jahr 788 schrieb. Im Gegenteil. Den allermeisten, sofern sie nicht gerade vorhatten, Bischof zu werden, war die Frage, welches Jahr der Kalender der heiligen Stadt Rom vorgab, vermutlich herzlich gleichgültig. Man zählte die Herrschaftsjahre von Königen und Herzögen, wenn man schon unbedingt zählen wollte, aber selbst dafür gab es selten Anlass. Letztlich war ja doch ein Jahr soviel wert wie das andere, solange es nur genügend Regen, genügend Sonne und vor allem genügend Korn in die Speicher bringen würde. Und von der hochtrabenden Jahreszählung " Anno Domini Nostri Iesu Christi ", die am Stuhl Petri neueste Mode in offiziellen Dokumenten war, hatten vermutlich noch nicht einmal alle Bischöfe gehört.

Ardeoingas jedenfalls lag nur wenige Meilen südöstlich von Frigisinga, und ein Reisender hatte mehrere Möglichkeiten, um dorthin zu gelangen. Er konnte, wenn er es ganz bequem haben wollte, dem Lauf der Isara flussabwärts nach Nordosten bis zur Klostersiedlung von Mosabyrga folgen, von wo ihn eine alte, noch nicht ganz verfallene Römerstraße nach Süden bis nach Ardeoingas bringen würde. Oder er konnte ebenso gut die entgegengesetzte Richtung einschlagen, denselben Fluss ein Stück aufwärts reiten und irgendwann, wenn der Boden ihm fest und das Gelände günstig erschien, nach Osten einbiegen, um sich entlang eines Weges, der über Einödhöfe, kleine Siedlungen und herzogliche Hofgüter durch die Wälder führte, zur selben Römerstraße durchzuschlagen, der er dann nur noch nach Norden zu folgen brauchte.

Natürlich konnte er auch auf geradem Weg durch die sumpfige Ebene reiten, die die beiden Nachbarsiedlungen voneinander trennte. Vor allem, wenn er ein Ortsfremder war, der unbedingt seinen Willen haben und um keinen Preis auf die Ratschläge der Einheimischen hören wollte, die es doch schließlich nur gut meinten und am besten wissen mussten.

So wie es die kleine Gruppe von Reitern vorhatte, die sich an diesem Morgen im Hof der bischöflichen Behausung versammelte. Das Unternehmen stand schon jetzt unter keinem guten Stern, denn der erwachende Tag blinzelte ziemlich unwirsch auf die allzu frühe Geschäftigkeit hinunter. Trübes Zwielicht kämpfte einen aussichtslosen Kampf gegen die grauen Wolkenschleier, die ein feuchter Westwind vor sich her über den Himmel trieb, und außer den Hühnern, die den ohnehin schon nervösen Pferden zwischen den Hufen herum trippelten, und der Schar aufgeregter Nonnen, die noch vor Laudes und Prim aus dem benachbarten Kloster herübergekommen waren, um sich von Hiltrud zu verabschieden, schien noch kaum jemand wirklich munter. Die Knechte, die die letzten Tiere aus dem Stall zogen und aufsattelten, gähnten jedenfalls so herzhaft, dass man es in ihren Kiefern knacken hören konnte.

Immerhin, der Anführer des kleinen Trupps, ein graubärtiger fränkischer Recke, der auf den Namen Rodoin von Worms hörte, saß bereits im Sattel und blickte mit einer Miene, die an eine aufziehende Gewitterfront gemahnte, auf die Tonsur des dicken, rundgesichtigen Mönchs hinunter, der das Zaumzeug seines Pferdes gepackt hatte und unter heftigem Schnaufen in seinem gutturalen bajuwarischen Dialekt auf ihn einredete.

"Also dann macht doch, was Ihr wollt. Aber wehe, Ihr sagt hinterher, man hätte Euch nicht gewarnt. Eine gewaltige Dummheit ist es, eine gewaltige, dass der Herr mir vergebe, und dann noch bei diesem Wetter! Durchweichen wird es Euch bis auf die Knochen, wenn Euch der Wind nicht vorher aus dem Sattel bläst!" Die Backen des Mönchs blähten sich vor Empörung derart, als wolle er persönlich an dem Versuch mitwirken. "Und das alles noch mit dem Kind dabei!"

Eine Hand mit runden Stummelfingern deutete auf die zweite Person, die bereits im Sattel

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