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Das Jahr der Verschwörer Historischer Kriminalroman von Schweikert, Ulrike (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 05.10.2017
  • Verlag: Edel Elements
eBook (ePUB)
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Das Jahr der Verschwörer

Schwäbisch Hall im Frühjahr des Jahres 1450. Durch ihre Salzquelle ist die freie Reichsstadt zu beeindruckendem Wohlstand und Ansehen gekommen - und doch häufen sich in letzter Zeit beunruhigende Vorfälle: Ein Junker wird ermordet, ein junger Flößer ertrinkt und die Bettelkinder der Stadt scheinen spurlos zu verschwinden. Quasi über Nacht wird auch Jos, der junge Knecht eines angesehenen Salzsieders, in die rätselhaften Verbrechen verwickelt. Die Spuren führen ihn ins nahe gelegene Kloster Gnadental, dem wesentliche Anteile an der Salzquelle gehören ...

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 384
    Erscheinungsdatum: 05.10.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783962150167
    Verlag: Edel Elements
    Größe: 2147 kBytes
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Das Jahr der Verschwörer

Kapitel 1

Stefan, pass auf!«, rief Jos und deutete auf den hohen Holzstapel, der sich langsam zur Seite neigte. Der hünenhafte, bärtige Flößer sprang zur Seite und schon prasselten die eben erst aufgeschichteten Holzstämme herab. Polternd rollten sie übereinander und blieben dann im Morast des aufgeweichten Bodens liegen.

»Danke Jos!« Stefan nickte seinem jungen Freund zu, doch dann verfinsterte sich seine Miene. »Du nichtsnutziger Gauner von einem Fuhrknecht! Hat der Herr dir keine Augen gegeben, um zu sehen, wohin du deinen Karren lenkst?«

Der Fuhrmann, der den Holzstapel gerammt hatte, grinste nur und zuckte entschuldigend mit den Schultern.

»Nichts für ungut, Stefan, wollte dir nicht ans Leder«, rief er und winkte zum Abschied. »Muss den Kecken eilig ihren Wein liefern, doch heute Abend können wir einen heben.«

»Wenn du die Zeche übernimmst«, rief Stefan zurück und packte sich dann den ersten Balken.

Der Fuhrmann trieb die beiden Ochsen in das braun schäumende Wasser der Sulfurt und dann durch das Tor zur Stadt hinein.

Jos Zeuner, der eigentlich auf den Namen Jodokus Andreas getauft worden war, ergriff das zweite Ende des Stammes, um Stefan zu helfen. Andere Flößer kamen herbei und so hatten die Männer den Holzstapel bald wieder aufgerichtet.

»Puh«, stöhnte Jos und strich sich eine Haarsträhne aus der schweißnassen Stirn. Man schrieb den 15. März im Jahr des Herrn 1450 und doch brannte die Sonne schon sommerlich heiß vom blauen Himmel herab. Stefan bot ihm einen Schluck Wasser aus seinem Lederschlauch an. Es schmeckte ein wenig bitter, aber es war erfrischend kühl. Als Jos ihm den Schlauch zurückgab, griff Stefan nach den schwieligen Händen des jungen Freundes, auf deren Flächen sich einige blutige Blasen gebildet hatten.

»Hast du während des Winters nur am warmen Ofen gesessen?«, spottete er gutmütig. Jos zog seine Hände zurück und errötete bis zu den Ohren. »Wenn nächsten Monat das Kaltliegen vorbei ist, dann wird die Haalarbeit dich schon wieder abhärten.«

Lachend ging er davon, um dem Auszieher zu helfen einen besonders großen Stamm aus dem Wasser zu zerren. Ein wenig neidisch sah ihm Jos nach. Wie schmächtig wirkte er gegen diesen bärtigen Riesen! Zwar war auch Jos nicht gerade klein zu nennen, doch obwohl er zu Maria Himmelfahrt schon sechzehn wurde, war alles an ihm eher schlaksig und dünn als männlich und muskulös. Und auch der Bartwuchs ließ - sehr zu Jos' Ärger - auf sich warten.

Der junge Mann versuchte das Brennen seiner Handflächen zu ignorieren und packte sich den nächsten Scheit. Natürlich hatte er den Winter über nicht müßig daheim gesessen, doch die Arbeit der Flößer war dann doch noch etwas anderes. Sobald im Februar oder März das Schmelzwasser aus dem Bergland den Kocher anschwellen ließ, herrschte bei den Flößern Hochbetrieb. Nun wurden die Stämme, die im Herbst gefällt worden waren, aus den Wäldern der Schenken von Limpurg zum Kocher gebracht, ins Wasser geworfen und nach Hall hinabgeflöst. Hier, an der Unterwöhrdinsel und an den Ufern des Haals mussten sie dann herausgezogen, zerkleinert und aufgestapelt werden.

Jos war eigentlich kein Flößer, doch zur Zeit des Frühlingshochwassers wurden alle Hände gebraucht. Während der Siedenswochen im Frühling, Sommer und Herbst arbeitete Jos als Siedersknecht auf dem Haal. Hier, um die Solquelle, aus der das salzhaltige Wasser geschöpft wurde, standen die Sudhäuser. In fünf Meter langen Eisenpfannen kochte man das Salzwasser über lodernden Flammen, bis nur noch das wertvolle weiße Salz übrig blieb.

Das Wasser der Quelle war in einhundertelf Siedensrechte oder Pfannen aufgeteilt. Diese gehörten den Stadtadeligen, den umliegenden Klöstern, einigen reich gewordenen Siederfamilien und manche auch der Stadt selbst. Die schwere Arbeit jedoch verrichteten die Sieder, Feurer und Knechte. Jos arbeitete für den Sieder Hans Blinzig, der für die Gnadentaler

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