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Das Kind, das nachts die Sonne fand Roman von Di Fulvio, Luca (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 12.03.2015
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)

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Das Kind, das nachts die Sonne fand

DER NEUE ROMAN VON BESTSELLERAUTOR LUCA DI FULVIO. Raühnval, ein opulentes Herrschaftsgebiet in den Ostalpen. Der junge Marcus lebt ein privilegiertes Leben als Sohn des Landesfürsten. Elisa ist die Tochter der Dorfhebamme und weiß, was Entbehrung heißt. Bei einem Massaker werden Marcus' Familie und alle übrigen Burgbewohner ermordet. Dank Elisas Hilfe bleibt Marcus unentdeckt und findet mit einer neuen Identität Aufnahme bei den Dorfbewohnern. Doch er spürt schon bald, dass ihm ein anderes Schicksal vorherbestimmt ist: Sein Herz brennt für Freiheit und Gerechtigkeit ...

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 830
    Erscheinungsdatum: 12.03.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783838759364
    Verlag: Bastei Lübbe AG
    Größe: 3095 kBytes
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Das Kind, das nachts die Sonne fand

1

I n dem abgelegenen Landstrich, den man unter dem althergebrachten Namen Raühnval kannte, wurde wohl niemals mehr so viel unschuldiges Blut vergossen wie an jenem Morgen des 21. September im Jahr des Herrn 1407.

Die Sonne hatte sich erst vor Kurzem über dem schmalen, eisigen Tal erhoben, das von abweisenden, über zehntausend Fuß hoch aufragenden Gipfeln umgeben war, die es nicht nur schützten, sondern auch vor der Außenwelt abschirmten. Diese Gebirgskette im Osten des Alpenbogens bildete die Grenze der italienischen Halbinsel und trennte so das Tal deutlich vom übrigen Reich und dem Rest von Europa.

Herr über dieses Lehen war Fürst Marcus I. von Saxia, der Vater des Erbprinzen Marcus II. von Saxia.

Der kleine Marcus II. von Saxia saß an diesem Morgen verschlafen, fröstelnd und nackt auf der mit warmen, weichen Gänsedaunen gefüllten Matratze seines riesigen Bettes und baumelte mit den Beinen in der Luft, obwohl er für seine neun Jahre recht groß gewachsen war. Seine Augen waren grün und blickten träge wie die einer Katze, die langen blonden Haare fielen ihm in glänzenden Locken auf die Schultern, und seine Haut war so weiß, dass man ihn für ein Mädchen hätte halten können.

Eilika, seine Kinderfrau, die sich Tag und Nacht um ihn kümmerte, ja sogar wie ein treuer Hund auf einem Strohlager am Fußende des Bettes ihres kleinen Herrn schlief, legte dem Jungen ein Leintuch um die Schultern, das sie zunächst in kochendes Wasser getaucht und dann ausgedrückt hatte.

Der kleine Erbprinz stöhnte vor Behagen bei der Berührung mit dem warmen Tuch und schloss die Augen.

"Versuch ja nicht, wieder einzuschlafen, Marcus", ermahnte ihn Eilika, "oder die Krähe hackt dir dein Piephähnchen ab."

Der Junge lachte und legte schützend eine Hand zwischen seine Beine.

Eilika tauchte noch ein Tuch in den Zuber, drückte es aus und verteilte ein wenig Lauge darauf. "Komm schon, kleiner Faulpelz, ich will dich einseifen."

"Muss ich mich wirklich jeden Tag waschen?", jammerte Marcus II.

"Die Befehle deiner verehrten Mutter müssen genau befolgt werden", erwiderte Eilika. "Man soll doch sehen, dass du ein Prinz bist und über dem gemeinen Volk stehst, selbst ohne deine kostbaren Kleider. Deine Haut muss glänzen und duften, als wärst du ein kleiner Gott."

"Waschen mag ich aber nicht ...", maulte das Kind.

"Das wissen wir sehr gut, Prinz Schweinchen", sagte Eilika und hob ihn vom Bett herunter.

Der Junge lachte, und als seine Füße den feuchten Steinboden berührten, fröstelte er wieder. "Mir ist kalt!"

"Kannst du nicht mal selbst aufpassen, wo du deine adligen Füße hinsetzt?", sagte Eilika mit einem nachsichtigen Seufzen. Sie lenkte seinen Schritt auf ein dichtes Bärenfell, das als Teppich diente. Dann drehte sie ihn um und rubbelte mit dem lauwarmen Tuch seine Pobacken ab.

Der Junge spitzte die Ohren. Die Geräusche von außen drangen nur gedämpft herein.

"Warum ist es draußen so still ...?" Fragend sah er seine Kinderfrau an, dann strahlten seine Augen plötzlich vor Freude auf. Die Kälte war schlagartig vergessen, als er sich Eilikas Bemühungen entwand und nackt, wie er war, zum Fenster rannte. Er zog sich an den Steinen des Mauervorsprungs hoch und sah nach, ob sein Eindruck ihn auch nicht getrogen hatte. "Es hat geschneit!", rief er aufgeregt, während Eilika ihn packte und zurück auf das Bärenfell schleppte.

"Um Gottes willen, lass dich anziehen, ehe du dir noch den Tod holst!"

"Schnee! Schnee! Es hat geschneit!", wiederholte der kleine Marcus und hüpfte aufgeregt auf und ab.

"Heute Nacht ist der erste Schnee gefallen, oh, großartig, so eine Freude!", schnaubte Eilika. "Du hast es gut, dass du dich über etwas freuen kannst, worüber die anderen sich beklagen."

"Aber der Schnee ist doch wunderschön!"

"Du hast warme Kleider, kleiner Prinz. Und Handschuhe für deine zarten Händchen. Und Pe

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