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Das Leben scheidet, nicht der Tod von Schiller, Holda (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 07.04.2013
  • Verlag: EDITION digital
eBook (PDF)
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Das Leben scheidet, nicht der Tod

Auf einem Neulehrerkurs lernen sie sich kennen, 1947 - Liebe, Heirat und dann die Anstellung in einer märkischen Kleinstadt. Sie, Ermina, Tochter eines Wasserschöpfers aus Bessarabien, sehr naturverbunden, als 'Umsiedlerin' mit bitterer Lebenserfahrung, ist eine begeisterte Lehrerin. Sie fühlt sich mit den Schulkindern und allen Menschen guten Willens im Ort eng verbunden, will sesshaft werden - und möchte selbst ein Kind haben. Ihr Mann nicht. Er, Arno, Arztsohn, philosophisch interessiert, ihn langweilen der Unterricht, Weiterbildung und die außerschulischen Aufgaben der Neulehrer. Ganz gegen den Wunsch seiner Frau setzt er es durch, nach Berlin zu wechseln. Als Verlagslektor, als Redner in Versammlungen, in Einsätzen gegen das Schieberunwesen findet er hier eine ihn mehr befriedigende neue Betätigung. Ermina, warum liebt sie Arno weiterhin? Nach Überwindung vieler Vorbehalte folgt sie ihm sogar nach Berlin, sieht sich aber sehr bald zwischen den Ruinen verkümmern und flieht zurück in die ihr vertraute Arbeits- und Erlebniswelt der Kleinstadt. So wird beider Ehe mit der unterschiedlichen beruflichen Zielstellung einer fortdauernden Belastung unterzogen. Auf zwei Handlungsebenen holt der Roman weit aus: Zum einen der sich trotz tiefer gegenseitiger Zuneigung aufbauende und als unüberbrückbar ausweitende, für Ermina und Arno schmerzhafte Ehekonflikt und zum anderen das Zusammenleben der kleinstädtischen Alteingesessenen mit den 'Flüchtlingen' unter den Nachkriegsbedingungen der neuen Ordnung in der sowjetischen Besatzungszone; Schul- und Bodenreform, beginnende demokratische Selbstverwaltung, Währungsreform und nicht zuletzt die Querelen der Unverbesserlichen, Verhaftungen. Aber stärker als alles zunächst Unvorstellbare doch der Optimismus der Aufbauwilligen. In den Romantext floss ein gut Teil Autobiografisches der bessarabien-deutschen Autorin mit ein; sie beschönigt und verklärt nichts. Das zeittypische Leben damals gleicht einem Geschichtsbild, wie es vom Thema her bislang kaum so überzeugend gestaltet wurde. 1923 in Pavlovka, Kreis Akkerman (Bessarabien) geboren. Grundschulbildung dort in Rumänisch. 1940 durch Hitlers Umsiedlungsaktion (Deutsche heim ins Reich) nach Deutschland umgesiedelt. Zwei Jahre Umsiedlungslager. In der Zeit Ausbildung zur Schwesternhelferin im Krankenhaus in Langenbielau. 1942 angesiedelt in Polen (im Kreis Posen). Januar 1945 Flucht aus Polen in die Mark Brandenburg (Deetz/Havel). Nach Kriegsende Lehrerausbildung. 1947-1958 im Schuldienst (Grundschule Lehnin, Radebeul und Leipzig). Heirat, zwei Kinder. Ab 1962 freiberufliche Dolmetscherin und Übersetzerin (Zulassung als Verhandlungs- und Kongressdolmetscherin). Literarische Übersetzungen. Eigenständige literarische Publikationen. Bibliografie (Auswahl): Die Kinder im Tobteufelshaus, Kinderbuchverlag, Berlin 1966 (Die kleinen Trompeterbücher) Pechvogel Glückspilz, Scheffler-Verlag, Herdecke 2003 Das Leben scheidet, nicht der Tod. Roman, 1990 Das Wunderpferdchen aus Kornhagen, Kinderbuchverlag, Berlin 1968 (Die kleinen Trompeterbücher) Wir beide und Pipo. Erzählungen aus Rumänien, Kinderbuchverlag, Berlin 1987 Deines Nächsten Haus, Scheffler Verlag, Herdecke 2000

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 379
    Erscheinungsdatum: 07.04.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783863949846
    Verlag: EDITION digital
    Größe: 1411 kBytes
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Das Leben scheidet, nicht der Tod

Als sie erwachte, brannte helles Licht. Sie dachte an den Traum und sagte nur: 'Du liebe Güte!" Dann rüttelte sie Arno wach und teilte ihm leicht verunsichert mit, sie habe ihn mit Zeus betrogen, auf einer weißen Wolke. Arno brummte etwas wie: 'Ich reiß ihm die Ohren ab", und schlief weiter. Sie hatte Hunger und zog ihm das Deckbett weg: 'Genug geschlafen, wir wollen endlich essen. Ich hab etwas, was du nicht hast, rate, was!" Er ging schweigend in den Flur, holte die Tasche, die er vorhin hatte fallen lassen, und sagte: 'Ich hab auch etwas, was du nicht hast, rate, was!" Keiner wollte zuerst mit seinem Schatz herausrücken, bis es Arno zu dumm wurde und er ein Zweipfundbrot aus der Tasche holte. 'Oh, nun können wir aber schwelgen. Wie viel kostet das?" 'Fünfundzwanzig Mark, Freundschaftspreis, weil Volker den Bäcker kennt." Ermina sah ihn spitzbübisch an, nahm die Schüssel mit Quark, in den sie noch Zwiebeln getan hatte, und hielt sie Arno unter die Nase. Er schloss die Augen, sog den Geruch ein und drohte umzufallen. 'Fünfundsiebzig Pfennig, legaler Preis", sagte sie. Zuerst kauten sie wortlos, hingebungsvoll. Nachdem sie ihre vor Hunger wild gewordenen Mägen besänftigt hatten, berichtete Arno von Berlin. 'Du, wir müssen dorthin! Bibliotheken, Verlage, Hochschulen, Verwaltung, alles sucht, alles braucht fähige Leute. Und unsereins sitzt in einem Spießernest und erzählt jeden Tag dasselbe." Ermina hörte im wohligen Gefühl des Sattseins nur die Hälfte. Arno zog ein Buch aus der Tasche. 'Für dich." Sie las: Friedrich Wolf, Empörung. Vier Dramen. Auf der Titelseite ganz unten: AUFBAU-VERLAG GMBH Berlin W 8. Das Impressum am Schluss des Bandes kam ihr wie eine Zauberformel vor. Zum ersten Mal bewunderte sie Volker Birnbaum. Dass er in solch einer Institution einen Freund hatte, hob sein Ansehen in ihren Augen. Arno klopfte sich mit der flachen Hand an die Stirn. 'Ich bin ein Ross! Wie war es im Sägewerk? Das hatte ich völlig vergessen." Sie verzog das Gesicht. Aus der inneren Weiträumigkeit zurück in die Klemme, das behagte ihr nicht. Doch sie erzählte alles. 'Du, ich glaube, Weidmann fliegt noch vor Schuljahresende", meinte Arno. 'Zum Schaden der Schule wäre es nicht, wo er doch überhaupt keinen Charakter hat ..." 'Für Volker bestünden Aussichten in diesem Fall." 'Volker?", sagte Ermina überrascht. 'Ich weiß ja nicht ... Wer solche Streiche fertigbringt." Etwa drei Wochen lag der Streich, auf den Ermina anspielte, zurück. Birnbaum gab Geschichte und Gegenwartskunde, Fächer, denen man von oben her besondere Aufmerksamkeit schenkte: Deshalb galt auch jeder höhere Besuch zuerst ihm. An dem Tag kamen der Schulrat und ein Inspektor, als er, Birnbaum, schon unterrichtete, in seine Klasse, sie machten es sich in der letzten Reihe bequem, ohne ihm vorher etwas gesagt oder ihn gefragt zu haben. Aufs Höchste erbost, überlegte er, wie auch er ihnen beikommen konnte. Als dann der Name Stalin fiel, wie in jeder Gegenwartskundestunde, forderte Birnbaum die Schüler auf, sich zu erheben. Sie sahen einander verwundert an, kamen aber der Aufforderung nach. 'Es lebe Stalin!", rief Volker. Ein paar Jungen taten es ihm gleich, es kam jedoch nur ein müdes Gebrabbel heraus, in das er wie ein Windstoß fuhr: 'Was denn, was denn! Keine Puste für ein Hoch auf Stalin?" Die Schüler brüllten: 'Es lebe Stalin!" Volker ließ sie sich setzen und unterrichtete weiter.

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