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Das Lichtenstein Modehaus der Träume, Roman von Averbeck, Marlene (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 21.08.2020
  • Verlag: dtv Deutscher Taschenbuch Verlag
eBook (ePUB)
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Das Lichtenstein

Wo Träume zu Hause sind 1913 im Herzen Berlins: Hier lässt >Das Lichtenstein< kaum einen Wunsch offen und bietet seinen Kunden ein breites Sortiment ? vor allem aber Damenkleidung mit besonderem Chic. Das Warenhaus ist ein vielfältiger Mikrokosmos, in dem unterschiedlichste Menschen und Schicksale aufeinandertreffen. Das Ladenmädchen Hedi taucht fasziniert in die Welt der Mode ein, während die Näherin Thea nur Augen für Ludwig hat. Er, der jüngere Sohn des Hauses, will mit aller Macht den Status Quo wahren. Sein Bruder Jacob wiederum hat ehrgeizige Pläne für die Zukunft des >Lichtenstein<. Gegen alle Widerstände beginnt er, seine Ideen umzusetzen. Doch dann geht das Haus in Flammen auf - und damit die Existenz der Angestellten wie auch der Inhaber.

Marlene Averbeck studierte Germanistik, Theater-, Film- und Fernsehwissenschaft. Sie arbeitet als freie Autorin und Rechercheurin für Film und Fernsehen und lebt mit ihrer Familie in Berlin.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 480
    Erscheinungsdatum: 21.08.2020
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783423437639
    Verlag: dtv Deutscher Taschenbuch Verlag
    Größe: 2726 kBytes
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Das Lichtenstein

Hedi

Aber sag's um Himmels willen den Nachbarn nicht.«

Erstaunt betrachtete Hedi ihre Mutter, deren miteinander ringende Hände und den umherspringenden Blick. »Ja, das haben wir doch schon besprochen. Wenn dir das wichtig ist, werde ich es mit keiner Silbe erwähnen.«

Die Mutter verzog das Gesicht. »Ich werde die Unruhe nicht los! Ich hätte mich nicht darauf einlassen sollen. Ich habe gleich gesagt, es wäre besser, wenn du in einem Kontor arbeiten würdest.«

Ja, in einem dunklen Kabuff, fernab irgendwelcher Menschen den lieben langen Tag auf der Schreibmaschine herumhacken, damit mich nur niemand sieht. Das fändest du gut, dachte Hedi und zog das Messer konzentriert über die Butter, darum bemüht, sich ihren Unwillen nicht anmerken zu lassen. »Du hast selbst dafür gesorgt«, fuhr sie fort, »dass ich die Arbeit aufnehmen kann. Du hast mit deiner Freundin gesprochen, die dann wiederum ...« Ein wenig Salz auf die Butter, dann biss Hedi lustlos ins Brot. Nur Hilde nicht anschauen, dachte sie, sonst schreie ich sie an.

»Es war ja auch dein Wunsch. Vielleicht wäre mir noch irgendwer anders eingefallen. Und so eine richtige Freundin ist Marianne Lichtenstein nicht. Nur weil wir beide uns im Sozialverein betätigen, kann ich mich nicht zwangsläufig auf ihre Verschwiegenheit verlassen.« Die eben noch ringenden Hände flogen nun durch die Luft, als wollten sie jedes Argument zerpflücken.

Wer ist diese Frau?, fragte Hedi sich. Ja, Hilde hatte ihren Mann verloren, aber sah sie auch den viel zu früh entrissenen Vater? Weit über ein Jahr lag der Verlust zurück. Niemand konnte Hilde vorschreiben, wie sie mit ihrer Trauer umging, wie lange sie für ihren Abschied brauchte, ob er überhaupt gelang. Ein seltsamer Pragmatismus hatte sie erfasst, es war, als versuchte sie, der Tochter den Vater zu ersetzen und ein ebenso strenges Regiment zu führen. Eines, das sich unerbittlich auch gegen sie selbst richtete. Genau wie der Vater es getan hatte, sprach auch Hilde nicht über Geld, aber die finanzielle Situation schien schwierig zu sein.

»Maman«, sagte Hedi in versöhnlichem Ton und hoffte, Hilde mit der französischen Anrede, die sie so liebte, zu besänftigen. »Das Fräulein aus dem Hinterhaus, im zweiten Stock rechts, ist Stenotypistin. Die mit den drei Kindern aus dem Erdgeschoss näht regelmäßig, und Frau Szymanek unter uns hilft ihrem Mann immer wieder in der Apotheke. Den Nachbarn ist es egal, was ich mache. Es interessiert niemanden.«

»Doch, meine Freundinnen. Ich habe ihnen erzählt, du würdest mir seit dem Abschluss des Lyzeums im Haushalt zur Hand gehen, vermutlich aber bald heiraten.«

Eins, zwei, drei, vier - einatmen, ausatmen. Zum Fenster schauen, befahl Hedi sich. »Wir haben die Wahl«, sagte sie nach einer Weile, »entweder wir vermieten eines der Zimmer unter, oder wir ziehen in eine kleinere Wohnung um. Wenn beides nicht in Betracht kommt, bessere ich einfach unsere Haushaltskasse auf.«

»Ein Zimmer vermieten? Umziehen? Auf was für Ideen kommst du denn? Gott bewahre!«

»Das sage ich doch: Es kann nicht schaden, wenn ich etwas Geld hinzuverdiene.«

»Aber nur so lange, bis ich wieder unter der Haube bin.« Energisch zog Hilde den seidenen Morgenmantel über ihre Schultern. »Oder du. Aber ich befürchte, dich will kein Mann, wenn du ... du weißt schon ...«

»Arbeitest? Ein ganz einfaches Wort, Maman.«

»Da siehst du es: Du bist ein Querkopf durch und durch.«

»Nein, das bin ich nicht, ich arbeite nur. Das machen viele Frauen.«

»Ja, aber auch nur bis zur Hochzeit. Weil ihre Eltern nicht in der Lage sind, für sie zu sorgen. Und ich möchte nicht, irgendwer könnte denken, dein Vater hätte uns nicht genug Geld hinterlassen. Er hat sein Leben lang gearbeitet ...«

Hedi schob den Teller beiseite. »Du weißt, wie sehr ich Vater vermisse, und du hast recht, er wäre nicht begeistert. Aber

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