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Das Lied der Nebelinsel Historischer Roman von Kröhn, Julia (eBook)

  • Verlag: beHEARTBEAT
eBook (ePUB)
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Das Lied der Nebelinsel

Eine fesselnde Geschichte von Liebe, Freundschaft und Verrat Schottisches Hochland, im Jahr 1306: Am Vorabend ihrer Hochzeit wird die junge Adlige Flora Zeugin, wie ihr Bräutigam David einen Barden niedersticht. Offenbar hat sein Lied über ein Liebespaar auf der Insel Skye die Attacke heraufbeschworen. Welches dunkle Geheimnis verbirgt sich hinter dieser alten Geschichte? Nur auf Skye kann Flora mehr über das unheilvolle Lied und somit Davids Bluttat erfahren. Zusammen mit dem jungen Ailean macht sie sich auf die Reise durch ein zerrissenes Schottland voll tödlicher Gefahren ... Ebenfalls von Julia Kröhn bei beHEARTBEAT lieferbar: Die Normannentrilogie (Band 1: 'Tochter des Nordens'). eBooks von beHEARTBEAT - Herzklopfen garantiert. Julia Kröhn wurde 1975 in Linz an der Donau geboren. Heute lebt die Fernsehjournalistin und Autorin in Frankfurt am Main. Sie veröffentlicht unter verschiedenen Pseudonymen sehr erfolgreich Kinder-, Fantasy- und Historische Romane. Unter dem Pseudonym Carla Federico erhielt die Bestsellerautorin im Jahr 2010 den internationalen Buchpreis CORINE für ihren Roman 'Im Land der Feuerblume'. Besuchen Sie die Autorin unter im Internet.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 655
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783732586912
    Verlag: beHEARTBEAT
    Größe: 1625 kBytes
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Das Lied der Nebelinsel

I.

A PPLECROSS
1306

Der junge Barde war betrunken, daran bestand kein Zweifel.

Eine Weile umkreiste Flora ihn, stapfte heftig auf den Boden, um ihn zu wecken, und als das nichts fruchtete, beugte sie sich über ihn, zog erst zögerlich an seinen rötlich blonden Locken und stupste dann mit den Zehenspitzen seine Schultern an. Die einzige Antwort, die sie bekam, war ein röchelnder Laut, der eher von einem wilden Tier zu stammen schien als von einem stattlichen jungen Mann, gefolgt von einer Woge säuerlichen Gestanks und einem Tropfen Speichel, der über sein erschlafftes Kinn floss. Er musste Aqua vitae zu sich genommen haben. Das Gebräu wurde aus hiesigen Kräutern gebrannt und belebte den müden Geist - vorausgesetzt, man nahm es nur in kleinen Mengen zu sich.

Floras Verzweiflung wuchs. "Wach auf!", schrie sie ungeduldig. "So wach doch endlich auf!"

"Müh dich nicht", spottete einer der Wachmänner, die am Hof um ein Feuer saßen, "bis morgen früh gibt der keinen Laut von sich."

"Aber er soll doch heute Abend singen!"

"Na, wenn das so ist ..."

Der Mann trat näher, weniger von Hilfsbereitschaft getrieben als von dem Wunsch, die junge Frau ausgiebig zu betrachten - die rotbraunen Zöpfe, die sich an den Enden lockten, ebenso das Gesicht, das fein genug war, um als schön zu gelten.

Flora ignorierte den aufdringlichen Blick. "Wir könnten ihm einen Eimer kalten Wassers ins Gesicht schütten", schlug sie vor.

"Bin ich etwa ein Weib, das Wasser schleppt?"

Trotz der rüden Worte beugte sich nun auch der Wachmann über den Betrunkenen. "Mir würde da schon etwas einfallen, das den wieder munter macht", erklärte er spöttisch.

Ehe Flora sichs versah, schob er sein ledernes Wams über die Hüften und machte sich an seinen Beinkleidern zu schaffen.

"Du willst doch nicht ...", setzte Flora entsetzt an.

"Ein Schwall stinkender Pisse, und der hier ist wieder wie neu! Und außerdem hat er dann für den Rest des Lebens gelernt, dass man nicht zu viel saufen soll."

Dem Wachmann selbst schien noch niemand eine ähnliche Lektion erteilt zu haben, sonst wären seine Augen nicht so blutunterlaufen und seine Nase wäre nicht von so vielen Äderchen übersät. Allein sein absonderlicher Vorschlag war ein Beweis dafür, dass sein Geist nicht minder benebelt war als der des jungen Barden.

"Nicht!", rief Flora.

"Ach, Lämmchen! Wenn du den Anblick eines Mannes nicht erträgst, dann dreh dich um und sieh weg."

"Hör sofort auf!"

Der Mann ließ seine Hände sinken, ehe er sein Geschlecht hervorgezerrt hatte. "Dann piss eben selbst auf ihn, Lämmchen. Wenn du dich über ihn hockst, hat er gewiss Freude dran."

Er lachte dreckig und trabte wieder davon.

Flora blickte ihm entsetzt nach. In den letzten Wochen war sie oft gekränkt oder verärgert gewesen, wenn die Mädchen von Perth über die wilden Hochländer getuschelt und sie mit falschem Mitleid überschüttet hatten, weil sie einen von ihnen heiraten musste, doch nun gestand sie sich ein, dass nicht all ihre Schauergeschichten Übertreibungen waren. Die Männer waren zwar nicht so stark, um allein mit Daumen und Zeigefinger Bäume auszureißen, die Frauen mähten nicht wie Schafe und, was noch wichtiger war, rochen auch nicht wie sie, doch dass die Burg von Applecross im äußersten Westen der Grafschaft Ross auch Barbaren ohne jedwede Lebenskultur beherbergte, konnte sie nun nicht länger leugnen.

Der Anblick des betrunkenen Barden stimmte sie zunehmend verzagter. Flora sah sich vergebens nach Moira um, ihrer treuen Dienerin, die für sie sorgte, seit sie denken konnte, und die sie auf der beschwerlichen Reise von Perth im südlichen Flachland Schottlands hierher begleitet hatte. Sie kam zu dem Schluss, dass Moira immer noch unter ihren wehen Knochen litt und sich ausruhte. Vertrauenerweckender als die Wachtposten im Hof waren die Damen,

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