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Das Lied der Pferde Historischer Roman von Jordan, Ricarda (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 30.09.2019
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)
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Das Lied der Pferde

Cöln, 1072: Die Kaufmannstochter Aenlin kennt nur eine Leidenschaft: Pferde. Sie besitzt die besondere Gabe, jedes Pferd mit einem Lied besänftigen zu können. Ihr Herz gehört der Stute Meletay, die ihrem Zwillingsbruder zum Geschenk gemacht wurde. Als dieser mit Meletay seine erste große Handelskarawane gen Süden führen soll, tauscht Aenlin kurzentschlossen mit ihrem Bruder die Rollen und tritt in Männerkleidung die abenteuerliche Reise an. Doch im Königreich León werden sie überfallen und ausgeraubt. Aenlin droht das Leben einer Haremssklavin. Wird der spanische Ritter Rodrigo Diaz de Vivar, bekannt als El Cid, sie vor diesem Schicksal bewahren? Ist es der Beginn einer großen Liebe? Oder hat das Schicksal andere Pläne? Ricarda Jordan verbindet auf wunderbare Weise ihre Begeisterung für Pferde mit einem mitreißenden Mittelalterroman. Ricarda Jordan ist das Pseudonym einer erfolgreichen deutschen Schriftstellerin. Sie wurde 1958 in Bochum geboren, studierte Geschichte und Literaturwissenschaft und promovierte. Sie lebt als freie Autorin in Andalusien, wo sie einen Schutzhof für Pferde führt. Als Sarah Lark schreibt sie mitreißende Neuseeland- und Karibikschmöker, die allesamt Bestseller sind.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 638
    Erscheinungsdatum: 30.09.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783732572601
    Verlag: Bastei Lübbe AG
    Größe: 4485 kBytes
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Das Lied der Pferde

KAPITEL 1

"Seid gegrüßt, Don Alvaro! Ich freue mich, Euch erneut in meinem Hause begrüßen zu dürfen! Ihr seid nur etwas früh, mein Sohn ist noch nicht vom Reiten zurück. Darf ich Euch die Wartezeit mit einem Becher Wein verkürzen? Ihr könnt mir dann auch gleich von Endres' Fortschritten im Umgang mit dem Schwert berichten."

Meister Linhard, ein fülliger Mann mit schon leicht ergrautem Haar, der seine Figur unter einer locker sitzenden Tunika aus leichtem Brokatstoff verbarg, nahm den Waffenmeister seines Sohnes am Eingang seines Hauses in Empfang. Er war erst am Tag zuvor von einer langen Geschäftsreise aus Kiew nach Cöln zurückgekehrt und schien wirklich erfreut, den Kastilier zu sehen.

Aenlin, die dem Gespräch versteckt hinter einem Fellstapel lauschte, atmete auf, als Don Alvaro, ein großer sehniger Mann mit stechendem Blick, üppigem schwarzem Haar und gewaltigem Schnurrbart, den Gruß ihres Vaters höflich erwiderte und dessen Angebot annahm. Sie hatte ihren Ausritt mit Endres' Pferd zwar längst beendet, es war abgesattelt und gefüttert. Ihr Zwillingsbruder hatte sich jedoch nicht wie verabredet in dem Gelass hinter den Ställen eingefunden, das die Geschwister für ihre Heimlichkeiten nutzten. Aenlin würde in den Garten laufen, ihn aufspüren und zum schnellen Wechsel von Wams und Beinkleid bewegen müssen. Wobei das Wort "schnell" in Endres' Sprachschatz eine eher untergeordnete Bedeutung hatte. Er war bedächtig und gelassen, pflegte die Dinge nicht zu überstürzen.

Äußerst wachsam schob sich Aenlin hinter dem Fellstapel vor. Bei aller Eile wollte sie ihre Deckung auf keinen Fall verlassen, bevor die Männer im Haus verschwunden waren. Don Alvaro verdankte sein Überleben in zahllosen Schlachten und Zweikämpfen zweifellos dem Umstand, dass er seine Umgebung stets genau im Blick behielt, und auch ihr Vater hatte ein aufmerksames Auge auf alles, was in seinem Haus vor sich ging. Wenn Aenlin von einem von ihnen entdeckt würde, gäbe es peinliche Fragen - schließlich gab es keinerlei Grund für Endres, sich vor seinem Vater und seinem Waffenmeister zu verstecken.

Aenlin seufzte. Es war nicht immer leicht, das Spiel zu spielen, mit dem ihr Bruder und sie selbst die Erwachsenen seit Jahren narrten. Andererseits war es so reizvoll, dass sie es auf keinen Fall ohne Not aufgeben würde, und Endres wollte erst recht nicht auf die Freiheiten verzichten, die es ihm bot. Aenlin blieb also vorsichtig.

Mit wenigen raschen Schritten durchquerte sie den Innenhof des Handelshauses und schlüpfte durch eine kleine Pforte in den Garten, den ihre Mutter Gudrun hinter dem Küchenbereich angelegt hatte. Er war nicht groß, sie zog hier hauptsächlich Nutzpflanzen: Heilkräuter, Gewürze und Gemüse. Ordentlich in Reih und Glied gesetzt reckten sich die Pflanzen der Sommersonne entgegen. Unkraut hatte dabei keine Chance, der Garten war äußerst gepflegt. Ganz hinten, nahe der begrenzenden Mauer, wucherten allerdings Brombeerranken, die der Herrin des Hauses seit Jahren ein Dorn im Auge waren. Aenlins Mutter hasste Wildwuchs und hätte sie gern entfernen lassen - aber sie trugen in jedem Herbst reichlich Früchte, die zu ernten sich lohnte und über die sich besonders die Kinder freuten. So hatte sie Aenlins und Endres' stürmischen Bitten, das Dornengestrüpp stehen zu lassen, bislang nachgegeben, ohne zu ahnen, dass die beiden dabei weniger an die Früchte dachten als an die schattige Höhle, die sich auftat, wenn man zwischen den mannshohen Büschen hindurchschlüpfte.

Irgendwann, bevor ihr Vater das Haus hatte errichten lassen, musste hier ein älteres Gebäude oder eine Mauer gestanden haben. Der Boden lag voller Trümmer, um die herum die Brombeeren gewuchert waren. Von außen wirkte das Gestrüpp wie eine dichte Hecke, aber wenn man den Einstieg kannte, gelangte man rasch in Aenlins und Endres' geheimes Refugium. Die Kinder konnten sich hier verstecken, wenn sie etwas angestellt h

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