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Das Mädchen auf den Klippen Roman von Riley, Lucinda (eBook)

  • Verlag: Random House E-Books
eBook (ePUB)
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Das Mädchen auf den Klippen

Ein Haus an den Klippen. Eine schicksalhafte Liebe. Ein Mädchen auf der Suche nach seiner Mutter
Mit gebrochenem Herzen sucht die Bildhauerin Grania Ryan zuflucht in ihrer irischen Heimat. Bei einem Spaziergang an der Steilküste von Dunworley Bay wird Grania jäh aus ihren trüben Gedanken gerissen: Am Rande der Klippen steht ein Mädchen, barfuß und nur mit einem Nachthemd bekleidet. Der Wind zerrt an der zerbrechlichen Gestalt, und von plötzlicher Sorge ergriffen spricht sie das Kind an. - Ohne es zu ahnen, stößt Grania durch diese Begegnung die Tür zu einer über Generationen reichenden, tragischen Familiengeschichte auf - ihrer Geschichte.

Lucinda Riley wurde in Irland geboren und verbrachte als Kind mehrere Jahre in Fernost. Sie liebt es zu reisen und ist nach wie vor den Orten ihrer Kindheit sehr verbunden. Nach einer Karriere als Theater- und Fernsehschauspielerin konzentriert sich Lucinda Riley heute ganz auf das Schreiben - und das mit sensationellem Erfolg: Seit ihrem gefeierten Roman "Das Orchideenhaus" stürmte jedes ihrer Bücher die internationalen Bestsellerlisten. Lucinda Riley lebt mit ihrem Mann und ihren vier Kindern an der englischen Küste in North Norfolk und in West Cork, Irland.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 464
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641075194
    Verlag: Random House E-Books
    Originaltitel: The Girl on the Cliff
    Größe: 2022 kBytes
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Das Mädchen auf den Klippen

1

Dunworley Bay, West Cork, Irland

Die Gestalt stand gefährlich nahe am Rand der Klippe. Der Wind blies ihr üppig langes rotes Haar hoch. Das dünne weiße Baumwollkleid reichte bis zu den Knöcheln; darunter kamen nackte Füße zum Vorschein. Sie hielt die Arme, die Handflächen nach oben, über den sich brechenden Wellen der grauen See ausgestreckt, als wollte sie sich den Elementen als Opfergabe darbieten.

Grania Ryan beobachtete sie fasziniert und unsicher, ob sie real war. Sie schloss die Augen kurz, machte sie wieder auf und sah, dass sie nach wie vor dort stand. Grania ging einige Schritte auf sie zu.

Als sie näher kam, merkte Grania, dass es sich bei der Gestalt um ein Kind und bei dem weißen Baumwollkleid um ein Nachthemd handelte. Über dem Meer ballten sich schwarze Sturmwolken zusammen, die ersten Regentropfen landeten auf ihren Wangen, und der Wind heulte ihr um die Ohren. Aus etwa zehn Metern Entfernung erkannte Grania, wie sich die blau gefrorenen Zehen der Kleinen am Fels festkrallten und Böen den schmalen Körper ins Wanken brachten. Wenn sie sie packte und erschreckte, konnte ein falscher Schritt zu einer Tragödie, zum sicheren Tod des Mädchens auf den gischtbedeckten Felsen dreißig Meter unter ihnen führen.

Grania überlegte verzweifelt, was zu tun sei. Bevor sie zu einer Entscheidung gelangen konnte, drehte sich die Kleine um und sah sie mit leerem Blick an.

Grania streckte instinktiv die Arme aus. "Ich tu dir nichts. Komm zu mir."

Das Mädchen starrte sie weiter unverwandt an.

"Wenn du mir sagst, wo du wohnst, bringe ich dich nach Hause. Hier draußen holst du dir den Tod. Bitte lass dir helfen", flehte Grania sie an.

Als sie einen Schritt auf das Kind zumachte, trat ein Ausdruck der Angst auf das Gesicht der Kleinen, als wäre sie aus einem Traum erwacht, und sie rannte von Grania weg, immer die Klippen entlang, bis sie außer Sichtweite war.

"Ich wollte grade eine Suchmannschaft losschicken. Übler Sturm da draußen."

"Mam, ich bin einunddreißig Jahre alt und habe die letzten zehn in Manhattan gelebt", erwiderte Grania, als sie die Küche betrat und ihre nasse Jacke vor den Rayburn-Herd hängte. "Um mich brauchst du dir keine Sorgen zu machen. Ich bin ein großes Mädchen." Sie gab ihrer Mutter, die den Tisch fürs Abendessen deckte, einen Kuss auf die Wange. " Wirklich. "

"Mag sein, aber solche Stürme haben schon starke Männer von den Klippen geweht." Kathleen Ryan deutete zum Küchenfenster hinaus, gegen das die Äste des blütenlosen Glyzinienbuschs peitschten. "Ich hab grade Tee gekocht." Kathleen wischte sich die Hände an der Schürze ab und ging zum Herd. "Möchtest du eine Tasse?"

"Gern, Mam. Setz dich hin und lass mich das machen, ja?" Grania drückte ihre Mutter sanft auf einen Küchenstuhl.

"Bloß fünf Minuten. Um sechs kommen die Jungs heim und wollen ihren Tee."

Als Grania das starke Gebräu in zwei Tassen goss, runzelte sie die Stirn. In den zehn Jahren ihrer Abwesenheit hatte sich nichts verändert - Kathleen verwöhnte ihre Männer wie eh und je und ordnete ihre eigenen Bedürfnisse den ihren unter. Der Kontrast zwischen dem Leben ihrer Mutter und dem Granias, in dem Emanzipation und Gleichberechtigung selbstverständlich waren, verunsicherte Grania.

Sie fragte sich, wer von ihnen beiden, Mutter oder Tochter, im Augenblick glücklicher war. Seufzend gab Grania Milch in Kathleens Tee. Die Antwort kannte sie.

"Möchtest du einen Keks?", erkundigte sich Grania, stellte die Dose vor Kathleen und öffnete sie. Wie üblich war sie bis zum Rand voll. Granias figurbewusste New Yorker Zeitgenossinnen hätten diese Kekse, die Grania an ihre Kindheit erinnerten, sicher entsetzt beäugt.

Kathleen nahm zwei und sagte: "Gönn dir doch auch einen, damit ich nicht allein bin. Du isst wie ein Spatz."

Grania nahm ebenfalls einen Keks und knabberte daran. Sie hatte das Gefühl, seit ihrer

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