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Das Mädchen Orchidee Roman von Buck, Pearl S. (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.05.2019
  • Verlag: Unionsverlag
eBook (ePUB)
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Das Mädchen Orchidee

Sie ist die einzige Frau in der Verbotenen Stadt, die es wagt, dem Kaiser direkt in die Augen zu schauen. Und sie ist es, die ihm schließlich den ersehnten Thronfolger schenkt. Mit Klugheit und Tatkraft gelingt es dem einfachen Bürgermädchen Tsu Hsi, von der kaiserlichen Konkubine zur Herrscherin über ein Weltreich emporzusteigen. Um den Preis ihrer einzigen und ersten Liebe, der Liebe zu ihrem Vetter Jung Lu ... Die Nobelpreisträgerin Pearl S. Buck hat aus dem Leben der Kaiserin Tsu Hsi ein atemberaubendes Panorama des alten China geschaffen.

Pearl S. Buck, geboren 1892 in West-Virginia, stammte von holländischen und deutschen Vorfahren ab. Ihre Eltern, die in der Mission tätig waren, zogen mit ihr nach China, wo sie vierzig Jahre ihres Lebens verbrachte. Von 1922 bis 1932 arbeitete sie als Professorin für englische Literatur an der Universität Nanking. 1938 wurde ihr der Nobelpreis für Literatur verliehen. Pearl S. Buck starb 1973 in Vermont.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 448
    Erscheinungsdatum: 01.05.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783293306240
    Verlag: Unionsverlag
    Serie: UT 537
    Originaltitel: Imperial Woman
    Größe: 4323 kBytes
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Das Mädchen Orchidee


Yehonala

Es war der vierte Monat des Sonnenjahres 1852, der dritte Monat des Mondjahres, das zweihundertachte Jahr der Mandschu-, der großen Tsching-Dynastie, und April in der Stadt Peking. Der Frühling ließ auf sich warten. Die Nordwinde, die aus der Wüste Gobi Wolken feinen gelben Sandes nach Süden führten, bliesen so kalt wie im Winter über die Hausdächer. Der Sand trieb wie Staubwirbel durch die Straßen und sickerte durch Türen und Fenster, häufte sich in Ecken, lag auf Tischen, Stühlen und in den Falten der Kleider, er verkrustete die Gesichter der Kinder, wenn sie weinten, und setzte sich in den Runzeln alter Leute fest.

Im Hause des Mandschu-Bannermanns Muyanga in der Zinngasse war der Sand noch lästiger als gewöhnlich, denn die Fenster schlossen nicht dicht, und die Türen hingen lose in ihren hölzernen Angeln. An diesem besonderen Morgen erwachte Orchidee, seine Nichte, das älteste Kind seines verstorbenen Bruders, durch das Geräusch des Windes und des knarrenden Holzes. Sie setzte sich auf in dem großen chinesischen Bett, das sie mit ihrer jüngeren Schwester teilte, und verzog das Gesicht, als sie den Sand wie gefärbten Schnee auf der roten Bettdecke liegen sah. Gleich darauf kroch sie vorsichtig aus dem Bett, um die noch schlafende Schwester nicht zu wecken. Unter den bloßen Füßen fühlte sie den Sand auf dem Boden und seufzte. Erst gestern hatte sie das Haus rein gefegt, und die ganze Arbeit musste nun von Neuem getan werden, sobald der Wind sich gelegt hatte.

Sie war ein hübsches Mädchen, diese Orchidee. Durch ihre Schlankheit und aufrechte Haltung erschien sie größer, als sie war. Sie hatte stark ausgeprägte, aber keine groben Gesichtszüge, eine gerade Nase, schön abgesetzte Augenbrauen, einen wohlgeformten und nicht zu kleinen Mund. Ihre große Schönheit lag in ihren Augen. Sie waren lang, groß und außergewöhnlich klar, das Weiße und das Schwarze war fein säuberlich getrennt. Doch diese Schönheit hätte bedeutungslos sein können, wenn ihre Natürlichkeit und Intelligenz nicht ihr ganzes Wesen belebt hätten. Obschon sie noch sehr jung war, hatte sie sich fest in der Gewalt. Ihre Kraft zeigte sich in der Geschmeidigkeit ihrer Bewegungen und in der ruhigen Gesetztheit ihres Auftretens.

In dem sandgrauen Licht des Morgens zog sie sich schnell und geräuschlos an. Sie schob die blauen Baumwollvorhänge, die als Tür dienten, beiseite, ging in das große Zimmer und von dort in die anstoßende kleine Küche. Aus dem großen Eisenkessel, der in den irdenen Ofen eingelassen war, stieg Dampf auf.

»Lu Ma«, grüßte sie die Dienstfrau, »du bist heute schon früh an der Arbeit.« Sie sprach absichtlich leise. Ihre schöne Stimme hatte etwas äußerst Reizvolles an sich, auch in ihr kam ihre Selbstbeherrschung zum Ausdruck.

Hinter dem Ofen erwiderte eine rasselnde Stimme: »Ich konnte nicht schlafen, junge Herrin. Was sollen wir tun, wenn du von uns gehst?«

Orchidee lächelte. »Du weißt ja noch gar nicht, ob mich die Kaiserinwitwe erwählt. Meine Kusine Sakota ist weit hübscher als ich.«

Sie blickte hinter den Ofen. Lu Ma hockte dort und stopfte trockene Grasbüschel in das Feuer, und zwar so, dass möglichst jeder Halm des knappen Brennmaterials voll ausgenützt wurde.

»Dich wird man erwählen.« Die alte Frau sagte das in einem bestimmten, aber traurigen Ton. Als sie sich jetzt aufrichtete, sah sie sehr elend aus, eine kleine bucklige Chinesin in einem verblichenen und geflickten Baumwollkleid; die gebundenen Füße waren nur noch Stummel, die braunen Runzeln ihres eingesunkenen Gesichts waren durch den eingedrungenen Sand deutlich abgezeichnet. Sand lag auch auf ihrem grauen Haar, überzog ihre Augenbrauen und den Rand ihrer Oberlippe wie mit Reif.

»Dieses Haus kann ohne dich nicht bestehen«, ächzte sie. »Zweite Schwester kann nicht einmal einen Saum nähen, weil du immer alles für sie getan hast. Und die

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