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Das Meer, Das Meer Roman von Murdoch, Iris (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 02.11.2017
  • Verlag: Piper
eBook (ePUB)
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Das Meer, Das Meer

"Das Meer, das Meer" ist der Roman einer zerstörerischen Besessenheit. Booker-Preisträgerin "Iris Murdoch war eine Meisterin der erzählerischen Magie" FAZ Als sich Charles Arrowby, ein gefeierter Theaterregisseur, von der Bühne zurückzieht, kauft er sich ein einsames Haus an der Küste. Er versucht seinen anstrengenden Liebesaffären zu entkommen, trifft aber in dem abgelegenen Ort auf seine Jugendliebe Hartley. Mit allen Mitteln versucht er Hartleys Ehe zu zerstören, um sie für sich zu gewinnen. Sein Seelenheil gerät endgültig ins Wanken, als seine Theaterfreunde bei ihm auftauchen, um ihm Gesellschaft zu leisten ... Iris Murdoch, 1919 in Dublin geboren und 1999 in Oxford gestorben, ist eine der profiliertesten britischen Schriftstellerinnen und Philosophinnen des 20. Jahrhunderts und eine frühe Pionierin der Gender Studies. Sie erhielt zahlreiche Auszeichnungen, unter anderem 1978 den Man Booker Prize.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 687
    Erscheinungsdatum: 02.11.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783492977784
    Verlag: Piper
    Größe: 2118 kBytes
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Das Meer, Das Meer

Vorgeschichte

Das Meer, das in der milden Maisonne eher leuchtet als glitzert, liegt vor mir, während ich hier schreibe. Es ist Gezeitenwechsel, und so lehnt es sich sanft gegen das Land, von kaum einer Welle gekräuselt, kaum einer Schaumkrone getupft. Weit draußen ist es satt purpurn, mit regelmäßigen smaragdgrünen Linien gemasert. Am Horizont ist es indigofarben. In der Nähe des Strandes, wo mein Ausblick von höckrigem, aufeinandergetürmtem gelbem Felsgestein eingefaßt wird, ist ein hellgrüner Streifen von eisiger Makellosigkeit, milchig fast, nicht transparent. Wir sind im Norden, und das helle Sonnenlicht kann die See nicht durchdringen. Auch wo das Wasser weich gegen die Felsen schwappt, ist an der Oberfläche noch ein Hauch Farbe. Der wolkenlose Himmel ist am indigofarbenen Horizont, den er mit zarten Silberfäden durchzieht, sehr blaß. Zum Zenit hin geht er allmählich in ein intensiveres, flimmerndes Blau über. Aber er wirkt kalt, sogar die Sonne wirkt kalt.

Ich hatte diesen Absatz, der meine Memoiren einleiten sollte, gerade niedergeschrieben, als sich etwas ereignete, was so außergewöhnlich und so entsetzlich war, daß ich mich selbst jetzt, eine ganze Weile später, noch nicht überwinden kann, es zu beschreiben, obwohl mir inzwischen eine mögliche, wenn auch nicht vollauf befriedigende Erklärung eingefallen ist. Vielleicht beruhige ich mich und sehe die Dinge klarer, wenn ich noch etwas Zeit verstreichen lasse.

Ich sprach von Memoiren. Ist dies hier ein Versuch, meine Lebenserinnerungen festzuhalten? Es wird sich zeigen. Vorerst - eine Seite alt - scheint mir das Ganze mehr einem Tagebuch zu ähneln. Nun, ich kann es ja dabei belassen. Ich bedaure nur, daß ich früher nie ein Tagebuch geführt habe - es wären sicherlich interessante Aufzeichnungen geworden. Jetzt liegen die wesentlichen Ereignisse meines Lebens hinter mir, und es bleibt nur der gelassene Blick zurück. Und Reue über ein von Egoismus geprägtes Leben? Nicht genau das, aber etwas in dieser Richtung. Natürlich habe ich das in Theaterkreisen nie ausgesprochen. Die Leute wären aus dem Lachen nicht herausgekommen.

Das Theater ist zweifellos ein Ort, der einem die Vergänglichkeit menschlichen Ruhms vor Augen führt: Oh, wie flüchtig waren all diese wunderbaren, glanzvollen Momente mimischen Spiels! Jetzt werde ich "dem Zaubern abschwören" und mich wie ein Eremit einer Situation aussetzen, in der ich lernen kann, gut zu sein. Das Ende des Lebens gilt zu Recht als eine Zeit der Meditation. Wird es mir leid tun, daß ich nicht früher damit begonnen habe?

Eines steht fest: Ich muß schreiben, und auf eine andere Art als je zuvor. Was ich früher schrieb, war ganz bewußt in Wasser geschrieben. Jetzt habe ich etwas Bleibendes im Sinn, etwas, was unbedingt auf Fortbestand hofft. Ja, ich personifiziere bereits das Objekt, das kleine Buch, den libellus , dieses Geschöpf, dem ich Leben gebe und das sogleich einen eigenen Willen zu haben scheint. Es möchte leben, es möchte überleben.

Ich habe erwogen, in tagebuchähnlicher Form nicht etwa irgendwelche Ereignisse zu notieren - denn es wird keine geben -, sondern Gedanken und tägliche Beobachtungen miteinander zu verweben, "meine Philosophie", meine pensées vor einem Hintergrund simpler Beschreibungen des Wetters und anderer Naturphänomene darzulegen. Und das scheint mir auch jetzt wieder eine gute Idee. Das Meer. Allein mit der bildhaften Vielfalt dessen, was ich darüber zu sagen habe, könnte ich schon einen ganzen Band füllen. Ia, ich würde mich sehr gern eine Zeitlang mit der Schilderung meiner Umgebung, ihrer Flora und Fauna, befassen. Ein solcher Bericht, vorausgesetzt, ich bringe die Ausdauer dafür auf, könnte ganz interessant werden, auch wenn ich kein Gilbert White 1 bin. Von meinem Fenster aus kann ich in diesem Moment drei verschiedene Arten Möwen sehen, Schwalben, einen Kormoran, unzählige, spielerisch hin un

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