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Das Mohnblütenjahr Roman von Bomann, Corina (eBook)

  • Verlag: Ullstein
eBook (ePUB)
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Das Mohnblütenjahr

Nicole Schwarz ist allein bei ihrer Mutter aufgewachsen. Schon immer hat sie sich eine große Familie gewünscht. Umso mehr freut sie sich über ihre Schwangerschaft. Doch dann erfährt sie, dass ihr Baby mit einem Herzfehler zur Welt kommen wird - die Folge einer Erbkrankheit. Voller Fragen fährt Nicole zu ihrer Mutter Marianne an die Mosel. Bei ihr findet sie Trost. Und endlich eine Antwort auf die Frage nach ihrem Vater. Marianne wollte nie über ihn sprechen. Jetzt beginnt sie zu erzählen: vom Aufwachsen in der Nachkriegszeit, von einer großen Liebe zwischen Deutschland und Frankreich und von den Ressentiments, die der Krieg auf beiden Seiten hinterlassen hat. Nicole will verstehen, woher sie kommt und macht sich auf die Suche nach ihrem Vater ... Corina Bomann ist in einem kleinen Dorf in Mecklenburg-Vorpommern aufgewachsen und lebt mittlerweile in Potsdam. Sie hat bereits erfolgreich Jugendbücher und historische Romane geschrieben, bevor ihr mit Die Schmetterlingsinsel der absolute Durchbruch gelang. Seither gehört sie zur ersten Garde der deutschen Unterhaltungsschriftstellerinnen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 528
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783843711913
    Verlag: Ullstein
    Größe: 2794 kBytes
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Das Mohnblütenjahr

1

Die Treppe erschien mir endlos. Sie hinunterzusteigen, war für mich eine der größten Anstrengungen der vergangenen Stunden. Der Weg hinauf hatte mich nicht so viel Kraft gekostet, doch da war ängstliche Erwartung meine Begleiterin gewesen. Jetzt drückte mich die schreckliche Gewissheit nieder wie ein viel zu schwerer Rucksack.

Sicher, ich hätte auch den Fahrstuhl nehmen können, aber ich brauchte noch etwas Zeit, bis ich bereit war, das Haus zu verlassen. Dumpf hallte mein Atmen von den Wänden des Treppenhauses wider. Draußen ratterte eine Straßenbahn vorbei. Schweißnass klammerten sich meine Finger an den Handlauf. In meiner Brust brannte es und mein Herz pochte. Ich blieb stehen und atmete tief durch.

Oben öffnete sich eine Tür und Lachen drang nach draußen, gefolgt von einer fröhlichen Verabschiedung. Das Glück der Frau, die hinter mir die Frauenarztpraxis verließ, war deutlich zu hören.

Ich selbst fühlte mich in diesem Augenblick wie betäubt. Ich hatte nicht mit dem Schlimmsten gerechnet, doch die Nachricht, die ich soeben erhalten hatte, hatte meine Welt vollkommen aus den Angeln gehoben.

Heute Morgen hatte mich die Sprechstundenhilfe angerufen. Die Frau Doktor würde mit mir gern über meine Schwangerschaft sprechen. Obwohl die Schwester nichts Konkretes gesagt hatte - das durfte sie am Telefon nicht -, war ich sofort beunruhigt.

Mein nächster Termin war eigentlich erst in einer Woche. Dann sollte der Ultraschall ausgewertet werden, den wir vor ein paar Tagen gemacht hatten. Da hatte es noch so ausgesehen, als sei alles in Ordnung. Jedenfalls hatte Dr. Mandelbaum nicht geäußert, dass sie etwas Verdächtiges gesehen hätte.

Doch von einer Minute auf die andere war alles anders. Kein Arzt ließ um einen Termin bitten, wenn alles okay war.

Ich war im Anfang des vierten Monats und mit achtunddreißig nicht mehr die jüngste Erstgebärende. Es konnte alles Mögliche passieren. Während der Fahrt hierher hatte ich mich regelrecht verrückt gemacht. Vielleicht hatte ich einen Diabetes ausgebildet! Oder war doch etwas mit meinem Kind?

Ich erinnerte mich, dass ich mir heimlich gewünscht hatte, David würde beim Ultraschall dabei sein. Jetzt wünschte ich mir nur noch, dass ich das, was ich erfahren hatte, rückgängig machen könnte.

Im nächsten Augenblick war die Frau hinter mir auf der Treppe. Vor einigen Minuten hatte sie noch zusammen mit mir im Wartezimmer gesessen. Rosenduft umgab sie. Sie trug einen sonnengelben Mantel und eine pinkfarbene Strickmütze auf dem Haar. Unsere Blicke begegneten sich nur kurz, aber die Art, wie ich sie ansah, ließ sie sofort innehalten.

"Ist Ihnen nicht gut?" fragte sie.

"Doch, es ist alles okay, vielen Dank" wiegelte ich ab.

Die Frau, die vor lauter Glück nur so strahlte, betrachtete mich noch einen Moment verwundert, dann ging sie weiter.

Ich beobachtete, wie sie die Treppe hinunterstieg, vollkommen unbeschwert. Ich hatte keine Ahnung, wer sie war, ob sie schwanger war oder ob sie einfach nur eine Vorsorgeuntersuchung gehabt hatte, die gut ausgefallen war. Sie umgab jedenfalls nicht der kleinste Hauch von Sorge.

Wie wirkte ich auf dieser Treppe? Sah man mir an, was ich erfahren hatte?

Ich ertappte mich dabei, wie ich ängstlich in mich hineinlauschte. Ich spürte nichts, doch ich wusste nun, dass da etwas war. Etwas, das mich all meiner Träume berauben konnte.

Die Stimme von Dr. Mandelbaum hallte in mir nach: "Frau Schwarz, bei näherem Betrachten des Ultraschalls habe ich leider doch eine Unregelmäßigkeit bei Ihrem Kind entdeckt. Genau genommen eine kleine Verdickung der Nackenfalte. Ich bin mir allerdings nicht ganz sicher und würde gern noch einen Ultraschall und eine Nackenfaltenmessung durchführen."

Wenig später fand ich mich auf der Untersuchungsliege wieder und betrachtete das Bild meines Kindes auf dem Monitor des Ultraschallgerätes. Für jeden anderen mochte es ein

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