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Das Pergament des Himmels Roman von Garrido, Antonio (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 21.11.2016
  • Verlag: Aufbau-Verlag
eBook (ePUB)
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Das Pergament des Himmels

Das Schicksal des Abendlandes. Die junge Byzantinerin Theresa will Pergamentmacherin werden - ein Unding in der Würzburger Zunft des Jahres 799. Ihr Aufbegehren löst eine Katatrophe aus, und mit knapper Not entkommt sie nach Fulda. Dort verwickelt sie der strenge Kirchenmann Alkuin von York, Ratgeber Karls des Großen, immer tiefer in die mörderischen Intrigen um eine gefälschte Urkunde. Von diesem Dokument hängt nicht weniger als die Herrschaft über das Abendland ab. 'Ein farbenprächtiges Tableau.' NRZ.

Antonio Garrido, Jahrgang 1963, ist Professor an der Polytechnischen Universität in Valencia. Sein erster Roman Das Pergament des Himmels wurde in 16 Sprachen übersetzt und war ein internationaler Bestseller.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 571
    Erscheinungsdatum: 21.11.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783841213310
    Verlag: Aufbau-Verlag
    Originaltitel: La escriba
    Größe: 3600kBytes
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Das Pergament des Himmels

1

A n Allerheiligen wollte es in Würzburg nicht hell werden. Die Tagelöhner auf den Feldern deuteten besorgt zum Himmel, der sich dunkel blähte wie der Leib einer trächtigen Kuh. Die Hunde, die das Unheil witterten, heulten, und kurz darauf ging ein solcher Sturzregen auf die Erde nieder, dass selbst die bedächtigsten Bauern zitternd das Ende der Welt nahe wähnten.

Theresa lag fröstelnd in einem unruhigen Halbschlaf, geängstigt von dem grimmigen Trommeln bedrohlich lauten Hagels, der das Hüttendach aus Weidengeflecht in Stücke zu schlagen drohte, und versuchte den Moment des Aufstehens hinauszuzögern. Ihr war bewusst, dass sie sich beeilen musste, wollte sie nicht am wichtigsten Tag ihres Lebens zu spät in der Werkstatt sein. Warum nur lief ihr bei dem Gedanken an die Prüfung, die sie so sehr herbeigesehnt hatte, ein Schauer über den Rücken? Ein Schauer, der nichts mit dem Unwetter zu tun hatte.

Erst eine Woche zuvor hatte der Pergamentermeister Korne ihren Wunsch, die Gesellenprüfung abzulegen, aufs Schärfste zurückgewiesen. Er tobte und donnerte, so etwas habe es bei den pergamentarii noch niemals gegeben, eine Frau, die Geselle werden wolle, und als sie ihn daran erinnerte, dass die festgesetzten zwei Jahre, nach deren Ablauf jeder Lehrling die Aufnahme in das Handwerk fordern konnte, verstrichen waren, regte er sich umso mehr auf.

"Jeder Lehrling, der einen schweren Pergamentballen heben kann", hatte er verächtlich geschnaubt.

Gestern nun war Korne am Ende des Tages in der Werkstatt erschienen und hatte sie mürrisch davon in Kenntnis gesetzt, dass er ihrer Bitte entsprechen wolle und die Prüfung unverzüglich stattfinden werde.

Dieser plötzliche Sinneswandel machte Theresa misstrauisch, und trotz ihrer Freude über die Nachricht hörte sie nicht auf, darüber zu grübeln, was Korne wohl zu diesem Umschwung bewogen haben mochte. Der Prüfung selbst fühlte sie sich durchaus gewachsen: Sie konnte ein Pergament aus Lammhaut von einem Ziegenvelin unterscheiden, sie straffte und spannte die feuchten Häute besser als der Meister selbst, und sie verstand es, Spuren von Pfeilen und Bissen in einer Weise zu tilgen, dass die Tierhäute danach so weiß und rein leuchteten wie das Hinterteil eines Neugeborenen. Und das war es schließlich, worauf es ankam.

Als Theresa endlich den schäbigen Fellüberwurf zurückschlug, spürte sie, wie bitterkalt es über Nacht geworden war. Sie richtete sich auf und tastete im Dunkeln nach der verschlissenen Decke, die wie ein Vorhang ihre Pritsche von der ihrer Eltern trennte. Sie nahm sie ab, wickelte sich darin ein und schlang sich ein Stück Seil um die Taille. Dann schlich sie sich leise hinaus. Nachdem sie im Hof, zitternd vor Kälte und nur von einem schmalen Dachüberhang vor dem Hagel geschützt, ihre Notdurft verrichtet hatte, wusch sie sich mit einer Handvoll Wasser und lief über einen Teppich aus eichelgroßen, eisigen Körnern zurück ins Haus. Drinnen zündete sie ein rußiges Öllämpchen an und kauerte sich auf die große, eisenbeschlagene Truhe. Das Licht erhellte nur schwach den niedrigen rechteckigen Raum, in dessen Mitte in einer im Boden ausgehobenen Mulde sich kleine bläuliche Flammen mühten, ein wenig Wärme zu verströmen. Es war der einzige Raum des Hauses, in ihm musste die ganze Familie Platz finden.

Die Kälte und die Nässe schmerzten Theresa, und als das Feuer endgültig zu verglimmen drohte, warf sie vorsichtig ein wenig Torf hinein und stocherte mit einem Stock in der Glut. Mit klammen Fingern griff sie nach einem Topf und machte sich daran, die angebrannten Grützereste vom Vorabend herauszuschaben, als sie in ihrem Rücken eine Stimme hörte.

"Darf man fragen, was zum Teufel du hier treibst? Schnell wieder ins Bett mit dir."

Theresa wandte sich um und blickte ihren Vater entschuldigend an. Sie hatte ihn nicht wecken wollen.

"Es ist wegen der Prüfung. Ich kann nicht schlafen", erklärte sie mit

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