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Das Purpurmädchen Historischer Roman - Liebe, Kunst und Gefahr im faszinierenden London des neunzehnten Jahrhunderts von Fiorato, Marina (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 18.11.2019
  • Verlag: Blanvalet
eBook (ePUB)
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Das Purpurmädchen

Ihre Schönheit rettet ihr das Leben, doch nun könnte sie zu ihrem Untergang werden ... London, 1853. Annie Stride steht vor dem Nichts - sie ist pleite, obdachlos und dazu noch schwanger. Kurz bevor Annie sich in die eiskalte Themse stürzen kann, spricht Francis Maybrick Gill sie an. Der attraktive erfolgreiche Künstler überzeugt sie, ihn zu begleiten und bewahrt sie so vor dem Selbstmord. Als Francis Muse beginnt für die ungewöhnlich schöne Annie ein neues Leben im Luxus. Sie wird zum Star der Londoner Kunstszene, trägt die schönsten Kleider und begleitet Francis auf Partys und in sein idyllisches Haus in den Bergen vor Florenz. Doch hinter Francis schillernder Kulisse lauert ein dunkles Geheimnis - und es gibt jemanden, der nicht vergessen hat, wo Annie wirklich herkommt ... Marina Fiorato studierte Geschichte, Kunst und Literatur in Oxford und Venedig. Sie arbeitete als Illustratorin, Schauspielerin und Filmkritikerin. Mit ihren Bestsellern "Die Glasbläserin von Murano" und "Das Geheimnis des Frühlings" begeisterte sie die Leser auch in Deutschland. Sie heiratete ihren Mann, einen englischen Filmregisseur, auf dem Canal Grande und lebt mit ihrer Familie im Norden von London.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 448
    Erscheinungsdatum: 18.11.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641239503
    Verlag: Blanvalet
    Originaltitel: Crimson & Bone. A Dark Story of Love and Obsession
    Größe: 1141 kBytes
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Das Purpurmädchen

PROLOG

London, 1853

Man nannte sie die Seufzerbrücke, weil kaum eine Nacht ohne Selbstmord verging. In dieser Nacht verhielt es sich nicht anders.

Genau in der Mitte der Waterloo Bridge, jener neun grimmigen Bögen aus frisch gehauenem Granit, die sich über der eisigen Themse erhoben, kletterte eine Gestalt auf die Brüstung. Eine junge, sehr schlanke Frau. Der gierige Wind entriss ihr ihre Haube, und ihr rotgoldenes Haar wehte wie ein zerfetzter Wimpel hinter ihr her. Wie Christus am Kreuz breitete sie die Arme aus. Ein zufälliger Passant, der durch den wabernden Nebel einen Blick auf ihre erhobenen Arme und den Glorienschein goldenen Haares erhaschte, hätte sie für einen Engel halten können. Aber sie war kein Engel. Sie war eine Prostituierte, und ihr Name lautete Annie Stride.

Annie Stride warf ohne Bedauern einen letzten Blick auf London. Ihre Atemzüge bildeten Wölkchen vor ihrem Gesicht, doch die Ausdünstungen wurden vom Nebel verschluckt. Durch die sich verlagernden Schwaden konnte sie das Wasser unter sich sehen - grau wie Stahl und so kalt wie die Wohltätigkeit, das Spiegelbild des Mondes war bereits darin ertrunken. Diejenigen, die hier heruntersprangen, überlebten nicht lange, nicht im Januar. Es war die Kälte, die einen tötete, hieß es, nicht so sehr das Wasser. Nun, kalt war ihr bereits. Der einzige Mensch auf der Welt, aus dem sie sich etwas machte, die einzige Gefährtin, die ein freundliches Wort für sie übrig gehabt, eine Schale Haferbrei mit ihr geteilt oder ihr eine Haube geliehen hatte, hatte sich vor drei Monaten just von dieser Brücke gestürzt. Und das, mutmaßte Annie, musste um die Zeit herum gewesen sein, als sie schwanger geworden war.

Anfangs hatte sie gedacht, ihre Blutung wäre wegen dem, was Mary Jane widerfahren war, ausgeblieben - der Schock und die Polizisten und der Coroner und das Armenbegräbnis. Doch dann hatte sie begonnen, sich zu übergeben und dicker zu werden, und da wusste sie Bescheid.

Sie presste die eisigen Finger auf ihren Bauch. Noch war nichts zu sehen. Noch konnte sie ihr Korsett schließen. Und noch immer konnte sie Geld verdienen, wenn ihr nicht zu übel war. Aber das würde nicht mehr lange anhalten. Und dann? Sollte sie mit all den anderen Frauen, die sie dort gesehen hatte, unter den Bögen des Adelphi sitzen, mit diesen zerlumpten Vogelscheuchen mit Babys unter ihren Röcken, und um Münzen betteln, statt sie auf dem Rücken liegend zu erarbeiten?

Ohne Mary Jane war es eine schlimme Adventszeit und ein noch schlimmeres Weihnachtsfest gewesen. Annie hatte fröstelnd in ihrem kleinen kalten Loch über dem Haymarket gesessen und sich zu elend gefühlt, um Kapital aus der Freigiebigkeit der Feierlustigen zu schlagen - sie konnte weder einen Kanten weißen Brotes noch ein paar schwarze Kohlen erstehen. Am Ersten des Monats hatte sie ihre letzten Münzen in die behandschuhte Hand ihres Vermieters zählen müssen, und wegen der zu geringen Mietzahlung hatte er sie auf die Straße gesetzt. Sie hatte ihm gesagt, sie könnte sonst nirgendwo hin, aber das hatte nicht der Wahrheit entsprochen. Es gab einen Ort, an den sie gehen konnte. Sie konnte Mary Jane in die Themse folgen.

Es gab jetzt keine Seele mehr, der sie fehlen würde, und sie ihrerseits würde diese erbarmungslose Stadt nicht vermissen. Sie würde weder die spitzen Konturen des Neuen Parlaments vermissen, wo Big Ben letzte Nacht das neue Jahr eingeläutet hatte, noch die Inns of Court oder die Bank oder das Change. Diese noblen Etablissements waren für sie nichts als Gasthäuser für ihre vielen Kunden; Orte, wo sie sich tagsüber aufhielten, wenn sie ihre Betten verließen. Selbst der Laternenanzünder, der seine Arbeit entlang des Flusses verrichtete, konnte sie mit seiner funkelnden Perlenschnur aus Licht nicht zum Bleiben verlocken. Annie Stride schloss die Augen und ließ sich vornüber ins Leere fallen.

Einen nicht enden wollenden Moment lang kippte und stürzte sie -

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