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Das purpurne Herz Historischer Roman - Die drei Königinnen Saga 1 von Courtney, Joanna (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 21.08.2017
  • Verlag: Goldmann
eBook (ePUB)
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Das purpurne Herz

England 1055: König Edward hat dem Land keinen Erben geschenkt, und die Zukunft des Reichs ist unsicherer als jemals zuvor. Edyth, Tochter des mächtigen Earl of Mercia, träumt trotzdem von der großen Liebe bei Hofe. Doch als sie mitsamt ihrer Familie nach Wales verbannt wird, scheinen all ihre Hoffnungen dahin. Bis der charismatische Griffin, König der Waliser, sein Herz an die hübsche junge Angelsächsin verliert. Doch ihre Liebe hat einen Preis: Mit Edyths Krönung, steht sie plötzlich auf der feindlichen Seite in der bitteren Fehde zwischen England und Wales. Und als ein altes Versprechen England ins Verderben zu stürzen droht, muss Edyth eine folgenschwere Entscheidung treffen ... Joanna Courtney studierte mittelalterliche Literatur und Geschichte an der Cambridge University. Heute lebt sie mit ihrem Mann und vier Kindern in Derbyshire. Ihre mitreißende historische Drei-Königinnen-Trilogie handelt von drei großen Frauen im Mittelalter, die um den englischen Thron kämpften.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 512
    Erscheinungsdatum: 21.08.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641197261
    Verlag: Goldmann
    Originaltitel: The Chosen Queen
    Größe: 1776 kBytes
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Das purpurne Herz

KAPITEL EINS

Westminster, März 1055

D ie Dämmerung schlich über die wirbelnden Strudel der Themse hinweg und rief die Männer und Frauen aus König Edwards England in ihre Betten. In der Großen Halle Westminsters jedoch hörte ihr niemand zu, am wenigsten aber Edyth Alfgarsdottir. Das Klappern von Tellern und Klapptischen kündete vom Abbau, denn der formelle Teil des Mittfasten-Mahls war vorüber, und zum ersten Mal durfte sie bleiben, bis die Gesellschaft sich müde getanzt hatte. In ihrem Magen rumorte die Vorfreude, und sie drückte sich an eine Säule, fuhr mit den Fingern nervös den Spuren der komplizierten Schnitzereien im Holz nach, während sie jede wunderbare Einzelheit des Hofes in sich aufnahm, der vollkommen außer Rand und Band war.

Die königliche Halle war alt und beinahe so baufällig wie die Abteikirche dahinter, aber heute Abend ergossen sich die letzten Strahlen der Frühlingssonne in den riesigen Raum und ließen ihn erstrahlen. Das Licht fiel zu beiden Seiten durch die geöffneten Türen, sammelte sich um die kleinen Fensteröffnungen und kroch durch die Ritzen des Strohdachs über ihr. Es fing sich in der Goldverzierung der kunstvoll bemalten Schilde an den Wänden und tanzte auf dem üppigen Schmuck, der Englands reichste Männer und Frauen zierte, so dass es Edyth schien, als funkele der ganze Saal vor nebulösen Versprechungen.

Lebhaftes Geplauder wirbelte so schnell in die Luft empor wie der Rauch aus der Feuerstelle inmitten des Raumes. Die förmlichen Verbeugungen und Begrüßungen waren vorüber. Man hakte einander freundschaftlich unter und lachte miteinander. Ladys zupften sittsam an dicken, maisgelben Zöpfen oder an ihrem Kopfputz, den sie diskret zurückschoben, um ihre hübschen Haarsträhnen zu zeigen. Die Männer verstauten ihre Essmesser in ihren reich verzierten Ledergürteln, strichen sich das Haar zurück und fuhren sich mit schwieligen Ritterhänden über ihre Schnurrbärte. Edyth hielt Ausschau nach einer Gruppe, der sie sich anschließen konnte, aber die Menschen brandeten ruhelos umher, so schnell wie Mäuse in einer Scheune, und sie wagte es nicht, jemanden anzusprechen.

Betreten schaute sie sich um und blickte zur Wand der Großen Halle hinüber, wo die Älteren und Gebrechlichen, deren Glieder zu geschwollen waren, zu verbogen oder von Schwertern versehrt, um sie länger auf den Beinen zu halten, auf harten, hölzernen Bänken kauerten und sehnsüchtig durch die geöffneten Tore der niedrig stehenden Sonne entgegensahen. Diese hing tief über der Themse, die gleich hinter der Halle dahinfloss, und schon bald würde sie im dunklen Wasser versinken. Dann konnten die Versehrten und die Kinder sich in ihre Betten zurückziehen. Doch hier in der Halle würde man die Binsenkerzen an den mit Teppichen verhangenen Wänden entzünden, damit das Fest weitergehen konnte, und sie, Edyth, würde diesmal daran teilnehmen dürfen.

Tief sog sie die Luft ein, die schwer war vom Duft geräucherten Fleischs und gewürzten Apfel-Honig-Weins, und zwang sich, einen Schritt auf die mittige Feuerstelle zuzumachen. Die Überbleibsel des Hirsches, den man über dem Feuer herabgesenkt hatte, damit er knusprig wurde, spuckten Fett, weshalb man darum herum ein gutes Stück freigelassen hatte. Durch den Wirbel aus Rauch und Licht entdeckte Edyth ihre Freunde, die sie eifrig zu sich herüberwinkten. Instinktiv ging sie auf sie zu, duckte sich aber dann und wischte sich eine winzige Ascheflocke aus dem Auge. Sie war heute Abend nicht in der Stimmung für Geplauder. Sie hatte sich so viele Jahre danach gesehnt, Teil des spätabendlichen, höfischen Lebens zu werden - aber nun, da sie hier war, war sie nervös und ruhelos und hatte für den üblichen Klatsch und Tratsch nicht viel übrig. Vielleicht hatte die Stimmung ihres Vaters auf sie abgefärbt - am darauffolgenden Tag sollte der Große Rat tagen, und er war den ganzen Tag über nervös wie ein Falke ohne Haube gewesen -, vielleicht

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