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Das Rosenpalais Roman von Jonas, Anna (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 04.06.2019
  • Verlag: Piper Verlag
eBook (ePUB)
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Das Rosenpalais

Zeiten des Umbruchs verlangen mutige Entscheidungen Koblenz in den Goldenen Zwanzigern: Die Firma des einstmals erfolgreichen Süßwarenfabrikanten Felix Dorn steht kurz vor dem Bankrott. Sein Sohn Eric, der traumatisiert aus dem Krieg zurückgekehrt ist, zeigt kein Interesse daran, sich um das Geschäft zu kümmern. Ganz anders seine Tochter Ella, die mit einer neuen Idee den einstigen Wohlstand der Familie zurückerobern möchte - gegen den Willen ihrer Verwandten, die andere Pläne mit ihr haben. Sie will sich auf Schokolade spezialisieren, ein Luxusgut, das großen Gewinn verspricht ... Der große Traum einer jungen Chocolatière - der Auftakt einer opulenten Familiensaga Anna Jonas wurde im Münsterland geboren, hat einen Teil ihrer Kindheit im hohen Norden verbracht und lebt seit ihren Studententagen in Bonn. Nach ihrem Germanistikstudium widmete sie sich dem Schreiben. Die DELIA-Preisträgerin reist gerne und liebt das Stöbern in Bibliotheken, wo sie für ihre Romane intensive Recherchen betreibt. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren Kindern in Rheinnähe.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 496
    Erscheinungsdatum: 04.06.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783492993005
    Verlag: Piper Verlag
    Serie: Piper Taschenbuch 22836
    Größe: 4078 kBytes
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Das Rosenpalais

2

Dezember 1924

Wie gefällt es dir?" Ella drehte sich im Kreis, sodass ihr Bruder die schimmernde Abendrobe von allen Seiten bewundern konnte. Elfenbeinfarbene Seide, die sich an ihren Körper schmiegte, indes lange, gebogene Federn in derselben Farbe, gehalten von einer perlenbesetzten Spange, einen aufregenden Kontrast zu ihrem dunklen, kinnlangen Haar bildeten.

"Und du willst dir dieses Spektakel wirklich antun?", fragte Eric.

"Ein wenig muss ich ihnen entgegenkommen, wenn ich will, dass sie uns endlich in Ruhe lassen."

"Und du tust das nicht womöglich, weil du gern tanzt?"

"Das ist lediglich die angenehme Dreingabe."

Eric, der mit einem Glas in der Hand auf dem Sofa saß, die Beine lässig ausgestreckt und übereinandergeschlagen, sah sie eine Weile schweigend an. "Du siehst bezaubernd aus. Aber das weißt du ohnehin schon."

"Ich höre es trotzdem immer wieder gerne." Ihre Tante Elisabeth hatte ihr das Kleid geschenkt, damit sie etwas Passendes und Modernes für die Ballnacht hatte. "Und du willst wirklich nicht mitkommen?"

"Oh, ganz gewiss nicht. Mir reichen die Momente, wenn ich diese Leute hier um mich herum ertragen muss."

Elisabeth Dorn hatte ihre Drohung wahr gemacht und besuchte sie in der Tat regelmäßig, um "nach dem Rechten" zu sehen. Als seien Ella und Eric Kinder, deren Eltern verreist waren. Allerdings kam sie seltener als befürchtet, denn sie war mit ihren eigenen Belangen ausreichend beschäftigt, wie sie stets betonte.

"Was wirst du heute Abend tun?", fragte Ella.

"Mal sehen. Vielleicht lese ich ein Buch, oder aber ich ziehe um die Häuser. Wie kommst du heim?"

"Onkel Heinrich schickt mir einen seiner Wagen."

"Hochherrschaftlich", spöttelte Eric, und in seinen grünbraunen Augen tanzte ein Lachen, was ein so seltener Anblick geworden war, dass Ella diesen Moment gerne eingefangen und festgehalten hätte, um ihn hervorzuholen, wenn es gar zu schlimm wurde mit seinem Versinken in der Dunkelheit. Wenn er mit ihr die Unterlagen für das Werk durchging, dann war es ebenfalls so, als sei die Finsternis für eine Weile gebannt, und es flackerte jener Eric hindurch, den sie von früher kannte.

Das Werk. Ella hatte eigentlich nicht daran denken wollen, denn schon war das in den Winkeln ihres Bewusstseins lauernde Unbehagen hervorgekrochen und hielt sich mit kleinen Widerhaken in ihr fest. Sie war nach ihrem Besuch vor sechs Wochen kein weiteres Mal mehr dort gewesen. Stattdessen hatte sie versucht, die Firmenberichte zu verstehen, aber da ihr die genauen Kenntnisse fehlten, war dies überaus mühsam und langwierig gewesen. Immerhin zeigte Eric sich geduldig und erklärte es ihr in allen Details.

Entschieden schob Ella jeden Gedanken daran beiseite. An diesem Abend wollte sie sich amüsieren. Das letzte Mal war schon viel zu lange her. Sie drehte sich erneut vor dem Spiegel, fing dabei flüchtig den Abglanz von Erics Lächeln auf, das im nächsten Moment schon wieder schwand, als fehle ihm der Halt in seinem Gesicht. Ella hatte sich die dunklen Augen mit schwarzem Kajal geschminkt, die Wimpern getuscht und dunkelroten Lippenstift aufgelegt, was eine nahezu dramatische Wirkung hatte.

"Tante Elisabeth fällt in Ohnmacht", prophezeite Eric.

Ella klimperte in gespielter Übertreibung mit den Wimpern. "Schockierend und umwerfend - genau so soll es sein."

Jetzt musste er doch lachen, und er zwinkerte ihr zu. "Übertreib es nicht, sonst steht sie hier täglich Gewehr bei Fuß."

"Gott bewahre!"

Es läutete, und kurz darauf trat das Stubenmädchen ein, um die Ankunft des Chauffeurs von Heinrich Dorn zu melden. Ella warf ihrem Bruder eine Kusshand zu und war zur Tür hinaus. Die Eingangshalle war so kalt, dass Ella eine Gänsehaut über die Arme kroch, sobald sie den Salon verlassen hatte. Das Stubenmädchen stand mit dem Mantel bereit und half ihr hinein, legte ihr den Schal um den Hals u

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