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Das Salz in der Wunde Roman von Prévost, Jean (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 11.05.2015
  • Verlag: Manesse
eBook (ePUB)
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Das Salz in der Wunde

Ein Klassiker der französischen Moderne erstmals auf Deutsch
Aller Aufstieg ist schwer. Sein geliebtes Paris hat Dieudonné Crouzon verlassen müssen gleich einem geprügelten Hund, der Empfang im Provinznest Châteauroux ist für den jungen Großstädter frostig. Doch die Demütigung brennt wie Salz in der Wunde - Crouzon arbeitet sich hoch und kehrt im Triumph an die Seine zurück. Mit der Verve der großen modernen Erzähler schildert Jean Prévost die Entwicklung eines Getriebenen zum glücksverwöhnten Selfmademan.
Dieudonné Crouzon fällt aus allen Wolken. Eben noch saß er bei seinem Freund Dousset auf dem Canapé und knabberte Kekse. Dann bezichtigt ihn dieser zu Unrecht des Diebstahls, es kommt zum Eklat. Nun hat sich fast die gesamte Clique von ihm abgewandt und er, der fleißige Student aus einfachen Verhältnissen, steht vor einem gesellschaftlichen Scherbenhaufen. Gedemütigt kehrt er dem Paris der 1920er-Jahre den Rücken und fängt in einer Kleinstadt bei null an: als Schreiberling für eine Wahlkampfzeitung. Von Revanchegelüsten getrieben, wird er vom Journalisten zum Verleger, vom Flugblattdrucker zum Werbeunternehmer und schließlich zum Abgeordneten des ländlichen Départements. Berauschend schnell, überaus elegant und mit unverwechselbarer Stimme erzählt Jean Prévost den Werdegang eines Helden voller Tatendrang.

Jean Prévost (1901-1944) arbeitete als Politik- und Kulturjournalist, für seine Doktorarbeit erhielt er den Großen Literaturpreis der Académie française. Er entdeckte Saint-Exupéry und war mit Hemingway befreundet, dem er beim Boxen den Finger brach. Der glühende Verfechter der französischen Republik fiel als Résistancekämpfer in den westlichen Alpen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 288
    Erscheinungsdatum: 11.05.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641155261
    Verlag: Manesse
    Originaltitel: Le Sel sur la plaie
    Größe: 529 kBytes
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Das Salz in der Wunde

Die Brieftasche

"Kennst du dich eigentlich, Crouzon?"

Crouzon, der auf dem Diwan seines Studienfreundes döste, fand die Frage so komisch, dass er sich auf den Ellbogen stützte; als wäre er gerade wach geworden, betrachtete er die Bettumrandung aus graubraunem Leinen, die Regale voller Bücher, den Tisch mit dem Teetablett, das munter die Unterlagen verdeckte: das opulente Zimmer eines betuchten Studenten.

"Nun?"

Dousset ließ nicht locker. (Ich verderbe dem armen Kerl die Pointe), dachte Crouzon: Da ist eine Antwort fällig. "Lass mich überlegen: Das ist die ganz hohe Schule. Steht heute Abend Denken an?"

"Ich wollte auf etwas anderes hinaus; (Doussets Tonfall wechselte von verhalten zu unverschämt) könnte es sein, mein teurer Freund , dass du manchmal lange Finger machst?"

Crouzon lachte schallend, spürte, dass sein Lachen zwanghaft wurde, lief puterrot an, verschluckte sich. Und weil der andere ihn immer noch ansah, sagte er: "Hör mal, wie kannst du nur ..."

"Genug", schrie Dousset. Seine Lautstärke, seine Entschiedenheit nahmen rasant zu. Er stand auf, schloss die Zimmertür ab. Nun erbleichte Crouzon, bekam einen trockenen Mund. Barsch sagte er: "Jetzt reicht es aber, mein Dicker."

"Nein, mein Kleiner , das reicht ganz und gar nicht. Ich war bloß eine Viertelstunde weg, um Kekse zu kaufen; ich habe etwas Geld eingesteckt und meine Brieftasche wieder in diese Schublade gelegt. Jetzt ist sie verschwunden."

"Deine Brieftasche?"

"Willst du Dummkopf mich für dumm verkaufen? Fällt dir nichts Besseres ein ...?"

Crouzon saß mit hängendem Kopf da; strich nur eine Haarsträhne zurück. Mit einem leisen Schnalzen - drohend, verletzt - sorgte er für Stille. Dann sagte er mit rauer Stimme: "Willst du mich durchsuchen?"

"Ich denke, für diesen Fall hast du sicher vorgesorgt", erwiderte Dousset verächtlich.

"Du machst mich noch rasend. Pass auf, ich setze mich wieder. Und du such weiter, Freundchen. Sag Bescheid, wenn du einen Beweis hast, dann höre ich dich an. Bis dahin ..."

"Glaubst du vielleicht, ich brauche mehr Beweise als deine Visage und dein Fracksausen, du Hungerleider? Wozu länger warten?", fuhr Dousset halblaut fort, als wollte er seinen Zorn auskosten. "Wir erledigen die Sache gleich, ich setze dich vor die Tür. Ich sperre wieder auf und du bewegst deinen Hintern, sonst ..."

Crouzon blieb reglos sitzen.

"Na los, hopp, hopp! Wenn ich nachhelfen muss, wird es nicht so glimpflich ablaufen ..."

Er packte Crouzon am Kragen, zog ihn hoch. Anstatt sich dagegen zu sträuben, warf sich Crouzon nach vorn und stieß den Kopf in Doussets Gesicht. Der beleibte, schlaffe Hüne fiel um. Sein schmächtiger Gegner sah ihn an, setzte sich achselzuckend wieder hin und merkte, dass seine Augen sich mit Tränen füllten. Dieser große Rüpel da auf dem Teppich und er waren seit zehn Jahren Kameraden. In dieser Wohnung traf er alle seine Freunde. Vorbei, für immer ... Er goss ein bisschen Wasser auf sein Taschentuch, tupfte sich die Augen ab. Dann kniete er sich hin, stellte das Tablett neben sich, legte eine mit kaltem Wasser getränkte Serviette auf Doussets Stirn, benetzte seine Lippen mit Portwein. Der Besiegte machte den Mund auf, leckte sich die Lippen, streckte sich, öffnete die Augen.

Sie sahen sich an, es dauerte eine Weile, bis Dousset sich auf seinen Groll besann. Er drehte den Kopf weg und sagte, die Wange am Teppich, mit dumpfer Stimme: "Da ist ja die Brieftasche."

"Deine Brieftasche? Wo denn?", sagte Crouzon.

"Zwischen Sekretär und Bücherschrank; ja, genau dort, auf dem Boden."

"Ach! Na siehst du, mein Lieber." Crouzon empfand für Dousset jetzt freundschaftlichere Gefühle als je zuvor. Aber der betastete die Schwellungen an Lippen und Nase, den schmerzenden Kiefer. Er richtete sich auf, befingerte noc

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