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Das saphirblaue Zimmer Roman von White, Karen (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 18.09.2017
  • Verlag: Blanvalet
eBook (ePUB)
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Das saphirblaue Zimmer

Drei Frauen in bewegten Zeiten und ein Schicksal, das sie alle verbindet ... Manhattan 1945: Die junge Ärztin Kate Schuyler und ihr Patient, der verletzte Soldat Cooper Ravenal, fühlen sich sofort zueinander hingezogen. Doch wer ist die Frau auf dem Bild in Coopers Amulett, die wie Kate aussieht? Als sich die beiden langsam näher kommen, finden sie heraus, dass ihre Familien seit Generationen durch ein tragisches Schicksal verbunden sind, das vor allem das Leben der Schuyler-Frauen bestimmt und seinen Anfang im "saphirblauen Zimmer" nahm. Dieses besondere Zimmer soll sich in einem großbürgerlichen Haus an der Upper East Side befinden und könnte auch Kate und Cooper vor ungeahnte Entscheidungen stellen ... Karen White, geboren in Amerika, wuchs gemeinsam mit ihren drei Brüdern in London auf. Die Autorin, die für ihre Romane vielfach ausgezeichnet wurde, lebt inzwischen mit ihrem Mann und ihren Kindern in der Nähe von Atlanta, Georgia.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 480
    Erscheinungsdatum: 18.09.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641202842
    Verlag: Blanvalet
    Originaltitel: The Forgotten Room
    Größe: 1314 kBytes
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Das saphirblaue Zimmer

Eins

NEW YORK CITY

JUNI 1944

Kate

D er Regen, der auf die verdunkelte Glaskuppel über meinem Kopf trommelte, wirkte so hypnotisierend wie das Ticken einer Uhr, und weder die harte Marmortreppe, auf der ich saß, noch die fein gearbeitete Spindel des Treppengeländers, die sich gegen meine Stirn presste, konnten etwas gegen das einlullende Schlaflied der Regentropfen ausrichten. Ich versuchte, mich auf das kunstvolle Treppengeländer der alten Stadtvilla zu konzentrieren und die herausragenden architektonischen Details auf mich wirken zu lassen, die nicht einmal die Umwandlung in ein Krankenhaus übertünchen konnte.

Ich dachte zurück an die Spaziergänge, die ich als Kind mit meiner Mutter entlang der Neunundsechzigsten Straße unternommen hatte. Wir waren dabei nicht unserem üblichen Weg gefolgt, doch am Ende schien es trotzdem jedes Mal so, als wären wir nicht bloß aus reinem Zufall an unser Ziel gelangt. Wir überquerten die Straße und verharrten auf dem Bürgersteig, während wir zu der siebenstöckigen Villa mit den hohen Fenstern hochsahen, die blicklos auf uns herunterstarrten und scheinbar genauso begierig darauf waren wie ich, den Grund meiner Anwesenheit zu erfahren. Meine Mutter hatte mir erzählt, dass sie früher eine kurze Zeit in diesem Haus gewohnt hatte, als es noch als Pensionat für ehrenwerte Damen gedient hatte. Sie hatte jedoch nie erwähnt, warum es sie immer wieder an diesen Platz auf der gegenüberliegenden Straßenseite zurückzog, und vor drei Jahren war sie schließlich gestorben. Es war mir beinahe wie eine glückliche Fügung erschienen, als ich nach meiner ärztlichen Ausbildung eine Stelle im Stornaway Hospital bekommen hatte. Beinahe so, als hätte es meine Mutter die ganze Zeit über geplant.

Mein Blick blieb an dem Flachrelief an der gegenüberliegenden Wand hängen, das den heiligen Georg zeigte, der gerade auf einen Drachen einstach. Es war ein Motiv, das ich immer wieder im ganzen Haus gesehen hatte, seit ich vor beinahe einem Jahr hier angefangen hatte zu arbeiten. Als mir einen Moment lang die Augen zufielen, sah ich vor mir, wie der Heilige und der Drache von der Wand stiegen und sich in ihrem immerwährenden Kampf auf dem gefliesten Boden krümmten.

Mühsam öffnete ich die Augen, wenn auch nur, um mich zu vergewissern, dass die steinernen Gegner sich nicht vom Fleck bewegt hatten. Dann zog ich mich am Treppengeländer hoch. Ich war so furchtbar müde. Es war meine zweite Doppelschicht in Folge, und ich bezweifelte, dass es die letzte sein würde. Das Krankenhaus wurde nach der kürzlich erfolgten Invasion Frankreichs von einer Welle verwundeter Soldaten überrollt. Da sich mittlerweile immer mehr Ärzte zum Dienst in der Armee verpflichtet hatten und nach Übersee unterwegs waren, gab es ohnehin nicht mehr viele von uns, und die, die übriggeblieben waren, arbeiteten so viel, wie es seit der Ausbildung kaum noch notwendig gewesen war.

Beim Heulen einer herannahenden Sirene riss ich mich rasch zusammen, bevor mich eine der Schwestern in diesem Zustand psychischer Verwirrung ertappte. Als einzige Ärztin im Krankenhaus war es schon schwierig genug, vor den männlichen Kollegen das Bild einer Frau ohne Gefühle und persönliche Bedürfnisse aufrechtzuerhalten. Vor den Schwestern war es hingegen beinahe unmöglich. Hätten sie mich gefragt, warum ich Ärztin geworden war, hätte ich es ihnen gesagt. Doch sie fragten nicht. Ihrer Meinung nach war ich Ärztin geworden, weil ich mir zu schade war, um Krankenschwester zu sein.

Einige wenige brachten mir Respekt entgegen, obwohl ich eine Frau war, doch die meisten waren zu traditionsbewusst und hatten zu hart geschuftet, um sich als Krankenschwester eine höhere Stellung zu erarbeiten. Für sie war ich nichts weiter als ein Emporkömmling.

Bei dem Gedanken daran musste ich beinahe lachen, denn mir fielen sofort wieder die zahllosen Bettpfannen ein, die ich leeren musste, und die Nähte, die ich zu s

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