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Das Savoy - Schicksal einer Familie Roman von Wahl, Maxim (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 10.03.2020
  • Verlag: Aufbau Verlag
eBook (ePUB)

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Das Savoy - Schicksal einer Familie

Dunkle Geheimnisse. London 1936. Violet tritt das Vermächtnis ihres Großvaters an und leitet das Hotel Savoy. Neben ihren nicht enden wollenden Pflichten belastet sie eine große persönliche Schuld. Violet wirft sich vor, ihren Partner John in den Selbstmord getrieben zu haben. Erst die Begegnung mit dem französischen Adeligen Omar de la Durbollière scheint ihr neues Glück zu bringen. Obwohl sie die politischen Veränderungen in Deutschland mit Abscheu beobachtet, folgt sie seiner Einladung zu den Olympischen Sommerspielen. Doch nicht nur auf der Bühne der Weltpolitik, sondern auch im Savoy überschlagen sich Ereignisse, denen Violet sich nicht entziehen kann. Der zweite Band der großen 30er-Jahre-Saga über das berühmteste Hotel der Welt.

Hinter Maxim Wahl verbirgt sich ein deutscher Bestsellerautor, der mit seinen zahlreichen Romanen auch international Aufmerksamkeit erregte. Für seine Stoffe sucht sich Maxim Wahl am liebsten große Schauplätze der europäischen Geschichte. Er lebt in Berlin und London, und am allerliebsten im Hotel Savoy.  

Im Aufbau Taschenbuch ist bisher Das Savoy. Aufbruch einer Familie , der erste Band seiner erfolgreichen Saga erschienen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 384
    Erscheinungsdatum: 10.03.2020
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783841217394
    Verlag: Aufbau Verlag
    Größe: 2109 kBytes
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Das Savoy - Schicksal einer Familie

1
Die Geliebte

Halblanges kastanienbraunes Haar, das souveräne Lächeln, ein flaschengrünes Kleid, so sah sich Violet auf der Titelseite der Gesellschaftszeitung, die viele Gäste in der Lobby in den Händen hielten. Sie fand ihr Gesicht häufig in Magazinen. Violet war eine Frau, über die man sprach. Anders als auf der Fotografie trug sie heute ein schlichtes Kostüm in Dunkelbraun und erwartete ihren Gast.

Umgeben von vielen Menschen in der großen Eingangshalle des Savoy, fühlte sich Violet doch vollkommen allein. Rund um sie schimmerte poliertes Messing, brach sich das Tageslicht im geschliffenen Glas der Schwingtüren, marmorverkleidete Säulen erhoben sich zu beiden Seiten. Sie war Besitzerin dieses Hotels, sie war Arbeitgeberin und anerkannt in ihrer Zunft, ein Vorbild für Frauen, bewundert von Männern, und war schrecklich allein. Wäre es nach ihren Wünschen gegangen, hätte sie im Kreis von Gleichgesinnten gewirkt und sich in diesem Wir mit anderen, in diesem Miteinander bestens aufgehoben gefühlt. Doch die First Lady des Savoy zu sein bedeutete ein anderes Schicksal. In dem traditionsreichen Hotel, unweit der Themse gelegen, war es ihr bestimmt, einen Alltag zu leben, wie sie ihn sonst von Männern kannte. Violet war eine junge Frau, gerade erst dreißig geworden, und so genoss sie es, sich mit einer gleichaltrigen Frau zu treffen, die nichts mit dem Hotel und seinen Zwängen zu tun hatte.

Sie begrüßte ihren japanischen Gast und führte Miss Ayumi in den Golden Pavillon, den größten Speisesaal des Hauses. Es wurde noch kein Lunch serviert, die Flügeltüren schlossen sich hinter ihnen wieder. In der Weite des Saales nahmen sie an einem Tisch nahe des Fensters Platz.

Miss Ayumi war eine außergewöhnlich schöne Frau, sie trug ihr schweres Haar zu einem schlichten Knoten gewunden. Tagsüber zeigte sie sich mit dezentem Make-up, abends hatte Violet sie schon grellweiß geschminkt gesehen. Heute strahlte Ayumi nicht so sehr die reizvolle Unnahbarkeit aus, für die Violet sie bewunderte, sie befand sich in einem beängstigenden Zustand der Starre.

»Soll ich die Polizei verständigen, Miss Ayumi?«, fragte Violet, nachdem die Japanerin ihr geschildert hatte, was vorgefallen war.

»Die Polizei ändert nichts«, antwortete die Japanerin in jenem leichten Ton, der kaum etwas über ihre Gefühle verriet.

»Dieser Mann tut Ihnen Dinge an, die in unserem Land streng bestraft werden.«

»Fujiwara-san ist mein Danna«, entgegnete Ayumi. »Mein Sponsor. An seiner Seite reise ich durch die Welt und biete meine Dienste an.«

»Selbst wenn Mr Fujiwara Ihr angetrauter Ehemann wäre, dürfte er nicht solche ... Praktiken von Ihnen verlangen. Ich bin ... Verzeihen Sie, ich weiß so wenig darüber. Im Grunde weiß ich nichts über Ihre Welt.«

Violet und die Japanerin waren keine Freundinnen. Die Position der Hoteldirektorin verlangte die höfliche Abgrenzung von ihren Gästen. Doch die beiden Frauen waren einander nähergekommen, da Miss Ayumis Begleiter, der japanische Geschäftsmann Mr Fujiwara, seit einem Monat im Savoy residierte.

Das Entscheidende hatte Violet bereits begriffen: Eine Geisha war keine Prostituierte. Diese Annahme wäre eine schlimme Beleidigung gewesen. Eine Geisha sah sich als Bewahrerin der traditionellen japanischen Künste, sie trat bei Festen und größeren Dinners auf und unterhielt die Anwesenden durch Gesang, Tanz und niveauvolle Konversation. Die Kosten für die Dienste einer Geisha richteten sich nach ihrer Arbeitszeit und wurden durch die Zahl der abgebrannten Räucherstäbchen bestimmt. Manche Geishas hielten sich einen Danna, der für einen Teil ihrer Lebenshaltungskosten aufkam. Eine Geisha zu sponsern, galt für den wohlhabenden Japaner als Statussymbol.

Ayumi nahm einen Schluck Tee, ihr Kimono rutschte hoch, rasch zog sie den Ärmel wieder über ihr Handgelenk. Violet hatte die Blutergüsse und Schwellungen jedoch

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