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Das Schicksal der Eva Faschaunerin von Steurer, Maria (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 02.07.2015
  • Verlag: Rosenheimer Verlagshaus
eBook (ePUB)
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Das Schicksal der Eva Faschaunerin

Im Faschaun, mitten in der Kärntner Bergwelt, lebt ein uraltes Bauerngeschlecht, das den Namen des Berges trägt: die Faschauner. Eva, die schöne Hoferbin, verlässt den elterlichen Bergbauernhof, um im Tal den Hörl-Bauern zu heiraten. Doch über ihrer Ehe liegen von Anfang an unheilvolle Schatten. Ein in der Brautnacht ausgesprochener Fluch tut seine Wirkung und Eva gerät in die Mühlen der Justiz.
Grundlage für diesen Roman waren Gerichtsakten eines Prozesses, der im ausgehenden 18. Jahrhundert in Kärnten stattgefunden hat.

Maria Steurer wurde am 19. Juli 1892 in einem kleinen Ort bei Gmünd in Kärnten geboren. Als Autorin schuf sie sich vor allem mit Heimat- und Frauenromanen aus dem Kärntner Milieu einen Namen, verfasste aber auch Erzählungen, Gedichte und Hörspiele. Ihr bekanntestes Werk ist der Roman 'Eva Faschaunerin', der auf Gerichtsakten des letzten österreichischen Folter-Prozesses beruht. Maria Steurer verstarb am 11. Juli 1979 in Klagenfurt.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 304
    Erscheinungsdatum: 02.07.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783475545047
    Verlag: Rosenheimer Verlagshaus
    Größe: 4619 kBytes
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Das Schicksal der Eva Faschaunerin

1. Kapitel

Der sonntägliche Gottesdienst in der Pfarrkirche zu Malta ist beendet, der Geistliche hat sein "Ite missa est" gesprochen. Mit den verrauschenden Orgeltönen strömen auch die Gläubigen durch das hohe Portal ins Freie und betreten den Friedhof, der sich eng in den Schutz der Kirche schmiegt. Blumen in verwirrender Buntheit und immergrüne Sträucher und Ranken geben diesem Garten der Ruhe ein freundliches Gepräge.

Die Menschen stehen noch lange in kleinen Gruppen beisammen, sie haben sich allerlei zu erzählen; denn außer an Sonntagen treffen sie einander kaum. Ihre Höfe liegen zum Teil hoch oben auf dem Maltaberg, und das erklärt auch, warum sie Haus und Feld an Wochentagen nur selten verlassen können, es sei denn, dass einer nach der Tauernstadt Gmünd muss, um als Graf-Lodronscher Urbarsuntertan der Grundherrschaft zu zinsen. Und dabei trifft es sich manchmal, dass er auf den Schüttböden des Pflegeamtes mit einem Nachbarn zusammenkommt. Bei solcher Fahrt lenkt er dann sein Ochsengespann den dachsteilen Berg hinunter über Gestein und Felsentrümmer, die überall auf dem Wege liegen, als wären sie von der Faust eines Gottes dorthin geschleudert worden.

Eine schlanke, hochgewachsene Mädchengestalt, deren ausdrucksvolles Gesicht schon fraulich reif erscheint, wendet ihre Schritte dem Beinhaus zu, dessen meterdickes, graues Gemäuer kalte Schatten in die Sommerwärme des Friedhofes wirft. Der hohen Gestalt zur Seite geht ein Dirndlein mit pausbäckigen Wangen, halb noch Jungfrau, halb schon ahnendes Weib. Es streckt den Zeigefinger aus und deutet hinunter über die gequaderten Steinstufen, die in das Beinhaus führen; dorthin, wo die Überreste der schon lange Dahingeschiedenen bleichen.

"Auf die unterste Stufe habe ich den Korb mit den Blumenstöcklein hingestellt, Eva. Ich dachte mir, da unten ist's kühl, da welken sie nicht, ehe wir sie auf die Gräber pflanzen."

Eva Faschaunerin nickt nur. Sie geht die hohen Stufen hinab und holt den weidengeflochtenen Korb, worin die Rosmarin- und Nelkenstöcklein stehen. Die beiden Mädchen raffen ihre blauen Hausleinenkittel, die mit weißem, zartem Blätterwerk gemustert sind, zusammen und schreiten durch die Reihen der vielen Gräber auf eine Gruppe schmiedeeiserner Kreuze zu, die alle den Namen "Faschauner" tragen. Sie lockern die hart gewordene Erde der Grabhügel ein wenig auf und setzen die Blumen in die Krume. Nachdem diese Arbeit getan ist, nimmt Eva das Fichtenzweiglein, das zu Füßen der Kreuze im Weihwasserkessel liegt, besprengt zuerst das Grab der Mutter und dann der Reihe nach auch alle anderen Gräber. Bei dieser andächtigen Handlung wird sie auf einmal von ihrer Begleiterin am Ärmel gezupft.

"Schau, Eva, dort an der Friedhofsmauer steht der junge Hörlbauer. Schon eine Weile schaut er zu dir herüber."

Das Gesicht der Faschaunerin wird um einen Ton röter.

"Du redest ohne Sinn, Liesl", rügt sie das Mädchen. "Wird wohl noch ein jeder schauen dürfen, wohin er mag. Warum soll's der Hörlbauer anders halten?"

Die Zurechtgewiesene wird unsicher. "Ich mein' nur, er hat so lang' herübergeschaut, als möcht' er gradwegs zu dir kommen", stammelt sie.

"Du musst dich geirrt haben; schau, er redet doch mit dem Meisterbauern", antwortet die Faschaunerin trocken.

Das kann die Liesl nun nicht in Abrede stellen, und so schweigt sie. Sie ordnet noch schnell die Erde um die gepflanzten Blumenstöcke, nimmt den Korb und verlässt an der Seite der Faschaunerin den Friedhof.

Als die Mädchen an den beiden Männern vorübergehen, ruft ihnen der Hörl einen freundlichen Gruß zu und fragt sie, wie es ihnen denn allzeit gehe, droben auf dem Faschaun. Eva verhält ein wenig den Schritt und sieht dem Fragesteller in das heiter lächelnde Gesicht, zu dessen gebräunter Haut der dunkle Schwalbenfrack mit der farbigen Weste gut passt. Nach einigen scherzenden Worten aber verlassen die Mädchen den Kirchplatz wieder und wenden sich d

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