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Das Schicksal der Henkerin Historischer Roman von Martin, Sabine (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 28.08.2020
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)
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Das Schicksal der Henkerin

Rottweil, 1340. Die ehemalige Henkerin Melisande lebt mit ihrer Familie ein ruhiges, glückliches Leben. Bis sie der Hilferuf eines Mannes erreicht, der behauptet, ihr Bruder zu sein. Der aber ist seit Jahren tot, sie selbst hat seinen Mörder gerichtet. Hat sie sich damals geirrt? Ihr angeblicher Bruder sitzt unschuldig im Kerker von Esslingen, nur sie kann ihn retten. Kurzentschlossen reist Melisande zu ihm - und tappt in eine Falle, die nicht nur ihr eigenes Leben in höchste Gefahr bringt ...

Hinter Sabine Martin verbirgt sich ein erfahrenes Autorenduo. Martin Conrath hat bereits einige Kriminalromane veröffentlicht, von denen einer als Tatort verfilmt wurde. Sabine Klewe schrieb mehrere Krimis und Thriller, die bis auf die höchsten Ränge der Spiegel-Beststeller-Liste kletterten. Die Autoren leben und schreiben in Düsseldorf.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 461
    Erscheinungsdatum: 28.08.2020
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783732588022
    Verlag: Bastei Lübbe AG
    Größe: 4244 kBytes
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Das Schicksal der Henkerin

DIE SUCHE

Gertrud ließ Flöckchen anhalten. Dazu musste sie nur die Zügel ganz leicht zu sich ziehen. Sie sah sich um. Links von ihr stand eine schneebedeckte Tanne, die so gebeugt war, dass sie aussah wie ein alter Mann, der einen Sack Mehl zum Markt schleppt. Es war dieselbe Tanne wie vorhin. Und wie davor. Sie waren erneut im Kreis geritten, wenn auch in eine andere Richtung, andernfalls hätte sie ja ihre eigenen Spuren im Schnee bemerkt. Sie ritt um den Baum herum und fand Flöckchens Hufabdrücke. Sie seufzte.

»Wann sind wir denn endlich da, Gertrud?«, nörgelte Antonius. »Mein Hintern ist warm, aber der Rest ist eiskalt. Ich glaube, meine Nase ist schon hart gefroren und fällt gleich ab.«

Gertrud drehte sich um und befühlte Antonius' Nase. Sie war kalt, aber nicht abgefroren.

»Deiner Nase geht es gut, vielleicht ist dein Verstand eingefroren.«

»Nein, ist er nicht. Du hast gesagt, du kennst den Weg, aber jetzt kommen wir schon zum dritten Mal hier vorbei. Warum reiten wir nicht am Neckar entlang?«

Antonius war nicht entgangen, dass sie im Kreis geritten waren. Er war aufmerksamer, als Gertrud gedacht hatte. Oft wirkte er abwesend, aber das täuschte. Trotzdem würden sie nicht zum Neckar hinabreiten, das wäre viel zu gefährlich.

»Du Dummerchen! Dann können wir auch gleich wieder nach Hause zurückkehren. Am Neckar suchen sie uns doch zuallererst. Sie werden nie auf die Idee kommen, dass wir einen anderen Weg nehmen.«

»Was nützt das, wenn wir nicht ankommen?«

»Wir kommen ja an, nur etwas später.«

»Ich habe Hunger.«

Gertrud verdrehte die Augen. Manchmal konnte ihr Bruder wirklich nerven. »Ich weiß, Antonius. Warte noch ein bisschen. Erst müssen wir einen guten Schlafplatz finden.«

»Wo willst du denn schlafen? Hier draußen erfrieren wir.«

»Wir finden schon was.« Sie trieb Flöckchen an.

Auch sie hatte Hunger, und Flöckchen würde früher oder später ebenfalls etwas zu essen und zu trinken brauchen. Ohne das Pferd würden sie Esslingen niemals erreichen. Noch war es zufrieden, weil es harte Arbeit gewohnt war. Gertrud hatte etwas Hafer eingepackt, aber der würde nicht lange vorhalten. Zudem hatten sie Stunden verloren, weil sie im Kreis geritten waren.

Sie erreichten die Stelle, an der sie falsch abgebogen waren. Jetzt erinnerte Gertrud sich. Es war aber auch wirklich nicht leicht, bei der dicken Schneedecke irgendetwas zu erkennen. Die Landschaft sah ganz anders aus, die Wegsteine, mit deren Hilfe sie die Richtung hätte erkennen können, waren unter dem Schnee verborgen. Aber Jammern half nicht. Sie mussten weiter. Und sie mussten sich beeilen.

»Mach dir keine Sorgen, Toni, ich habe den Weg wiedergefunden. Jetzt wird alles gut.«

Antonius antwortete nicht. Gertrud bekam einen gehörigen Schreck, aber dann hörte sie seine regelmäßigen Atemzüge. Er war eingeschlafen. Ohne Vorwarnung, wie so oft. Als hätte man ihm eine Pfanne über den Kopf geschlagen. Und ihr blühte das Gleiche, wenn sie nicht bald einen Unterschlupf fanden. Ständig fielen ihr die Augen zu, und sie konnte kaum noch etwas erkennen. Die ganze Welt schien aus weißem Glitzern zu bestehen, alles sah gleich aus.

Aber sie wollte wenigstens noch ein Stück Weg schaffen. Sie mussten so schnell wie möglich nach Esslingen gelangen, bevor ihrer Mutter etwas Schreckliches geschah. Sie hatten schon so viel Zeit verloren. Hoffentlich kamen sie nicht zu spät!

Gertrud hatte gleich so ein mulmiges Gefühl im Bauch gehabt, als sie den Brief entdeckt hatte. Mamas Bruder hatte ihn geschrieben. Bis zu dem Augenblick hatte Gertrud gar nicht gewusst, dass ihre Mutter überhaupt einen Bruder hatte. Mama sprach nie über ihre Familie, nur einmal hatte sie gesagt, dass alle tot wären, gestorben bei einem Überfall. Mehr hatte sie nicht erzählen wollen. Der Brief hatte auf dem Boden der Schreibstube gelegen, er war ihrer Mutter au

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