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Das schwarze Feuer von Byzanz Historischer Roman von Husemann, Dirk (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 28.06.2019
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)
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Das schwarze Feuer von Byzanz

Istanbul, 1599: Eine Orgel, die von selbst spielt. Dieses Wunderwerk soll der Orgelbauer Thomas Dallam dem osmanischen Sultan als Geschenk überreichen. Doch die Reise an den Bosporus dient noch einem ganz anderen Zweck: Im Auftrag von Königin Elizabeth I. begibt sich Dallam auf die Suche nach dem Griechischen Feuer - jener legendären Waffe der Byzantiner, die selbst Wasser zum Brennen bringt. Als der Sultan davon Wind bekommt, beginnt in den uralten Gassen, Kanälen und Zisternen Konstantinopels die Jagd auf ein Feuer von unvorstellbarer Macht ... Dirk Husemann studierte Ur- und Frühgeschichte, Klassische Archäologie und Ethnologie. In seinen Reportagen, Sachbüchern und Romanen begibt er sich immer wieder auf Zeitreise. Im 6. Jahrhundert begegneten ihm Die Seidendiebe, im 9. Ein Elefant für Karl den Großen und Die Eispiraten. Im 15. Jahrhundert stieß er auf Die Bücherjäger und im 16. auf Das schwarze Feuer von Byzanz.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 463
    Erscheinungsdatum: 28.06.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783732572342
    Verlag: Bastei Lübbe AG
    Originaltitel: Das schwarze Feuer von Byzanz
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Das schwarze Feuer von Byzanz

1588

Auftakt

E in kalter Wind fegte durch die Kathedrale von Westminster. Der alte Kantor rieb sich die von der Gicht verkrümmten Hände. Warum Kirchen mit den Portalen nach Osten gebaut werden mussten, hatte er noch nie verstanden. Von dort fiel zwar die Morgensonne in den Kirchenraum, aber mit ihr kam der Ostwind, und der brachte den Frost. Bisweilen kam aus dieser Himmelsrichtung auch das Unglück.

Kantor Hanscombe beugte sich über die Brüstung der Empore. Tief unter ihm summte die Kathedrale. Die Bänke waren mit Menschen gefüllt. Noch hatte die Messe nicht begonnen, noch redeten die Besucher miteinander, tauschten Neuigkeiten aus. Manche kamen nur aus diesem einen Grund, andere, um die Königin zu sehen. Denn an diesem kalten Morgen im März 1588 wollte Elizabeth persönlich an der Eucharistie teilnehmen. Der Krieg mit Spanien stand unmittelbar bevor, und die Königin konnte jede denkbare Unterstützung gebrauchen. Vor allem die Hilfe Gottes.

Schwere Schritte donnerten auf der Stiege zur Orgel. Farnham, der Küster, kam herauf, aber nur so weit, dass sein von Wein und Gottesfurcht gerötetes Gesicht über dem Treppenschacht erschien.

"Du wirst heute ohne Kalkanten arbeiten müssen. Ich brauche die Männer unten im Kirchenschiff. Verstanden?"

Hanscombe seufzte. Die Kalkanten waren junge Kirchendiener. Sie traten die Blasebälge hinter der Orgel mit Kraft und Ausdauer, damit das Instrument Luft bekam. Er, Hanscombe, hingegen würde dem Instrument mit seinen alten Beinen gerade genug Atem verschaffen, damit es überhaupt Töne von sich gab - ein flaues Flüstern, wo doch ein robustes Röhren zu hören sein sollte. Aber Hanscombe hatte keine Wahl. In dieser Kirche traf der Küster die Entscheidungen.

Farnham warf einen missmutigen Blick auf die leere Orgelbank. "Wo bleibt der Knabe?" In seiner Stimme lag mehr Eis als im Ostwind.

"Gib ihm noch etwas Zeit", erwiderte Hanscombe. "Die Königin ist doch auch noch nicht da."

"Zeit!" Der Küster spie das Wort von seinen feuchten Lippen. "Wenn Elizabeth' knochiger Hintern die Kirchenbank berührt, kracht hier eine Kadenz von der Orgel, gegen die ein Furz des seligen Königs Heinrich wie das Winseln eines Welpen klingt." Er schnappte nach Luft. "Oder ich sehe mich nach einem neuen Kantor um." Farnhams Kopf verschwand.

Hanscombe nickte, stumm wie die Orgel. Allmählich bereute er seinen Wagemut. Er hatte einem Knaben ermöglicht, die Orgel für die Königin von England zu spielen. Der junge Thomas Dallam hatte Talent. Die Königin, selbst kinderlos, war vernarrt in Kinder. Und jeder wusste: Wer ein Lächeln auf das traurige Gesicht Elizabeth' zaubern konnte, den liebte ganz London - und für Hanscombe war London die ganze Welt.

Aber dieses Lächeln würde Elizabeth' dünne Lippen niemals zieren, wenn Thomas Dallam nicht bald an der Orgel erschien.

Thomas, dachte der alte Kantor, wo steckst du?

Südlich der Stadt schaute ein Knabe zum unerreichbaren nördlichen Ufer der Themse hinüber, dorthin, wo Westminster lag. Längst sollte er dort sein. Aber das Glück war auf dieser Seite des Flusses so viel wert wie zwei schäbige Münzen. In Thomas Dallams Hand lag jedoch nur eine einzige.

"Zwei Farthings", wiederholte John Flint. Der Sohn des Fährmanns schaute Thomas herausfordernd an. Jedenfalls versuchte er es. Flint schielte. Auch sonst war sein Äußeres wenig dazu angetan, die Mädchen von Lambeth Marsh auf ihn aufmerksam zu machen. Sein Haar war kupferrot und struppig. Seine Ohren wuchsen in entgegengesetzte Himmelsrichtungen. Zwischen seinen Lippen ragten zwei Schneidezähne hervor, und wenn er grinste - so wie in diesem Augenblick -, bekamen diese Gesellschaft von einer Parade bleicher Gesellen, die an ausgemusterte Orgelpfeifen erinnerten. Wenn das Marschland südlich von London das Gesäß der Stadt war, so war John Flint die Warze darauf.

"So viel Geld habe ich nicht", sagte Thomas. "B

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