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Das Script-Girl Roman von Kincaid, Patrick (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 13.05.2019
  • Verlag: Heyne
eBook (ePUB)
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Das Script-Girl

Eigentlich wollte der kauzige Forscher Jim nur in Ruhe die Flora und Fauna von Loch Ness untersuchen, als plötzlich Billy Wilder samt Filmteam dort aufkreuzt, um den Film 'The Private Life Of Sherlock Holmes' zu drehen. Zunächst ist Jim alles andere als begeistert - das ändert sich jedoch nach und nach, als er die erfrischende Filmassistentin April näher kennenlernt. Glücklich vereint werden die beiden jedoch erst 45 Jahre später, als die ursprüngliche Fassung des Filmes zur Vorführung kommt... Patrick Kincaid wurde als Sohn einer Engländerin und eines Amerikaners in Texas geboren. Als Kind zog er mit seiner Familie nach Großbritannien, vor er nach seinem Schulabschluss Englische Literatur studierte, promovierte und als Lehrer tätig war. Das Script-Girl ist sein erster Roman.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 400
    Erscheinungsdatum: 13.05.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641242602
    Verlag: Heyne
    Originaltitel: The Continuity Girl
    Größe: 655 kBytes
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Das Script-Girl

London, 2013

Holmes ist nachdenklich. Er lehnt am Kamin und wendet sich direkt an Watson. Madame Valladon ist in der Einstellung nicht zu sehen.

"Wir haben diese Situation schon einmal erlebt", sagt er.

"Haben wir? Wo denn?" Watson hört auf, an seinem geborgten Kilt herumzuzupfen.

Holmes tritt ans weit geöffnete Fenster. Draußen schimmert Loch Ness im Mondlicht, und wir erkennen die undeutlichen Umrisse der Berge. "Beim Ballett."

"Ballett?"

Holmes deutet nach draußen. "Da ist ein See, da ist ein Schloss, da ist ein Schwan, der in Wirklichkeit kein Schwan ist ..."

Davids Hand liegt schon wieder auf Gemmas Oberschenkel. In seinen Brillengläsern spiegelt sich das Licht des Projektors, aber das ist alles, was sie von ihm erkennen kann. Es ist fast, als wäre er gleichzeitig Holmes und Watson in der Szene, über die gerade geredet wird: beim Ballett. Er ist gelangweilt und geil zugleich. Und er macht ihre willentliche Aussetzung der Ungläubigkeit zunichte, reißt sie heraus aus dem Schottland der viktorianischen Zeit, das auf der Leinwand zu sehen ist, und holt sie zurück nach Islington, in ein Kino des 21. Jahrhunderts. Das kann sie nicht zulassen. Sie gibt dem Fünffingertier eins auf die Knöchel, es zieht sich von dem schwarzen Nylonstoff zurück und verkriecht sich wieder in seiner dunklen Höhle.

Da ist ein Schwan, der in Wirklichkeit kein Schwan ist, denkt sie. Jetzt steht Holmes am Fußende des Himmelbetts, und Madame Valladon unter ihrer Decke schaut mit vor Furcht geweiteten Augen zu ihm auf. In diesem Falle eigentlich ein Monster, das aber kein Monster ist ...

"Also, zwei Sachen weiß eigentlich jeder über Das Privatleben des Sherlock Holmes von Billy Wilder."

Sie sitzen im King's Head, viel zu nah an der Tür, weil es an diesem Donnerstagsabend voll ist und alle anderen Tische bereits besetzt waren. Als Belohnung dafür, dass er den Film über sich hat ergehen lassen, hat Gemma David ein Craft-Bier bestellt. Ihr Glas Merlot hat sie schon halb geleert, um sich auf das Verkünden der großen Neuigkeit einzustimmen.

"Zwei Sachen, die jeder weiß?" Seine Augenbrauen schauen über den Brillenrand und stoßen oben fast an seine blonde Tolle. "Über den Film weiß doch niemand irgendwas. Bevor ich dich kennengelernt habe, wusste ich nicht mal, dass es ihn überhaupt gibt."

Sein Midwestern-Akzent durchschneidet das britische Geplapper wie ein U-Boot ein trübes Gewässer. Dabei ist er kein Angeber, er hat nur eine laute Stimme. Gemma hat eine Weile gebraucht, um das zu merken. "Okay, es gibt zwei Dinge, die vom Privatleben des Sherlock Holmes besessene Dozentinnen der Filmwissenschaft darüber wissen."

Er nickt zufrieden. "Und die wären?"

Sie nimmt noch einen Schluck Merlot. "Erstens waren die Dreharbeiten verdammt schwierig. Die Schauspieler, die Wilders Stil nicht kannten, kamen nicht damit klar, wie viele Takes er von ihnen verlangte und dass er Betonungen und Bewegungen so penibel vorgab. Für Christopher Lee, der 1969 bereits viel Erfahrung vor der Kamera hatte, war das schon schlimm genug - für andere, die vom Theater kamen, war es ein Albtraum. Am schlimmsten hat es den armen Robert Stephens erwischt. Er hatte ja gehofft, es wäre sein Ticket nach Hollywood, wenn er Sherlock Holmes in einem Billy-Wilder-Film spielt. Stattdessen haben die endlosen Takes und Regieanweisungen seinem Selbstbewusstsein einen Riesenknacks versetzt. Am Ende hat er sich eine Überdosis verpasst, was eine Megaverzögerung verursacht und die Produzenten richtig Geld gekostet hat. Und dann war da noch das Fiasko mit dem Ungeheuer von Loch Ness ..."

"Fiasko?", sagt David. "Das war doch die beste Stelle im ganzen Film."

Gemma verdreht die Augen. "Der Film hatte ein fettes Budget - zehn Millionen Dollar -, und davon haben sie sich

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