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Das Sonntagsmädchen Roman von Brown, Kate Lord (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 15.09.2014
  • Verlag: Piper
eBook (ePUB)
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Das Sonntagsmädchen

Immer sonntags öffnet die herrschaftliche Villa in Marseille ihre schmiedeeisernen Tore und wird zum Treffpunkt für Künstler und Intellektuelle, die aus allen Ecken des Landes herbeiströmen. Auch der junge Maler Gabriel Lambert macht sich auf den Weg nach Südfrankreich. Doch es ist das Nachbarhaus, das ihn schon bald in seinen Bann zieht. Denn dort wohnt ein Mädchen, dessen Schönheit ihn vom ersten Augenblick an fesselt. Ein Mädchen, für das er alles zu tun bereit ist - koste es, was es wolle ... Kate Lord Brown wuchs in der englischen Grafschaft Devon auf. Nach ihrem Studium am Courtauld Institute of Art war sie zunächst als internationale Kunstberaterin tätig. Später zog sie mit ihrer Familie nach Valencia und widmete sich dort dem Schreiben. "Das Haus der Tänzerin", ihr erster auf Deutsch erschienener Roman, stand mehrere Wochen auf der Spiegel-Bestsellerliste und wurde in sieben Sprachen übersetzt. Heute lebt sie in Großbritannien.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 464
    Erscheinungsdatum: 15.09.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783492964937
    Verlag: Piper
    Größe: 1371 kBytes
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Das Sonntagsmädchen

2

Williamsburg, Brooklyn – Mittwoch, 6. September 2000

Sie wird vom Flattern weißer Flügel geweckt, ein Wirbel, dessen Silhouette sich vor dem hellen Morgenlicht abzeichnet, das durch das vorhanglose Loftfenster dringt. Sophie schreckt aus ihrem tiefen Schlaf auf, schützt das Gesicht mit dem Arm vor dem Licht, vor dem Vogel. Sie kneift die Augen zusammen, der Vogel sucht verzweifelt den schmalen Spalt, durch den er geschlüpft ist, die Flügel schlagen hilflos gegen die hohen Glasscheiben.

"Wie bist du denn hier reingekommen?" Sophie öffnet das Fenster weit. Die Geräusche der aufwachenden Stadt dringen mit dem leichten, warmen Wind ins Studio: unten Verkehrshupen, das Brummen von Klimaanlagen auf dem Dach über ihr, irgendwo ein blechernes Radio, auf dem Said I Loved You spielt ...

Jess' Lieblingslied , denkt sie sofort. Pawlowartig rauscht ihr ein Cocktail von Erinnerungen durch den Kopf. Sie erinnert sich, wie sie ihn wegen seines Musikgeschmacks geneckt hat, als sie sich kennenlernten, wie seine seltsame Vorliebe für Powerballaden zu einem Dauerscherz wurde: Allen Ernstes? Unter diesem Brooks-Brothers-Anzug trägst du Mähne und ausgewaschene Jeans? Sophie denkt an den Abend, als sie bei irgendeiner Party auf einer Veranda in East Hampton langsam zu dem Lied tanzten – ein Wunsch von ihm. Alle hatten gelacht und gestöhnt, als der DJ das Stück spielte, aber das verlieh dem Augenblick, der Art, wie Jess mit ausgestreckter Hand auf sie zukam, eine vollkommene Leichtigkeit. Sie erinnert sich an seine Sicherheit, wie er sich allein auf sie konzentrierte, an das Rauschen der Brandung und den süßen Erdbeergeschmack, den sie noch auf den Lippen hatte, als er sie küsste. Sie dreht die Hand, da sie daran denkt, wie ihr der Ring über den Finger rutschte, wie der Stein im Mondlicht glitzerte. Sophie hebt die weiße Bettdecke hoch. Von allen Liedern. Unser Lied ... Sie korrigiert sich. Sein Lied. Die Melodie treibt von einem offenen Eingang in der Grand Street nach oben, hinauf in den Morgenhimmel, und trägt ihre Gedanken mit sich.

Sophie spricht langsam mit dem Vogel, beruhigt ihn in seiner hektischen Suche nach Freiheit. "Na komm schon", sagt sie und wirft das Betttuch in dem Moment über ihn, als er in der Ecke des Studios landet. Sanft umfasst sie den Vogel mit beiden Händen, spürt das Stakkato seines Herzschlags an den Fingern, den feinen, kuppelförmigen Bogen seines Brustkorbs.

Am Fenster lässt sie ihn frei, sieht zu, wie er in dem dunstigen Morgenhimmel über Brooklyn aufsteigt. Die Luft ist heiß, greifbar, durchsetzt von den Gerüchen der Straßen – Benzin, Kaffee, die Schalen reifer Melonen in den Müllcontainern hinter dem Laden. Die Taube gesellt sich zu ihren mit faden Federn geschmückten Freunden, die auf dem Giebel des gegenüberliegenden Gebäudes hocken, ein bleiches Satzzeichen in dem Morsecode aus gurrenden Vögeln, die sich die Nacht aus den Federn schütteln.

Sophie setzt sich in die Sonne aufs Fensterbrett, die Ziegel wärmen ihr durch ihr dünnes weißes Baumwollhemdchen den schmerzenden Rücken. Sie schließt die Augen, hält das Gesicht in die Morgensonne und dreht den Kopf von einer Seite zur anderen, um die Verspannungen im Nacken zu lösen. Ihr goldblondes Haar fällt ihr über die Schultern, ein glänzender Kranz, den sie nimmt und mit geübter Leichtigkeit zu einem lockeren Knoten dreht. Auf dem durchhängenden, mit rotem Samt bezogenen Sofa und dem einzelnen Kissen ist noch der Abdruck ihres ruhelose

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