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Das tiefe Blau des Meeres Bretagne-Roman von Lamballe, Marie (eBook)

  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)
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Das tiefe Blau des Meeres

Romantisch-verwunschene Bretagne! Als Katharina auf dem Dachboden ihres Elternhauses eine Mappe mit Aquarellen findet, ist sie sogleich fasziniert. Vor allem das verwunschene Landschlösschen, das immer wieder abgebildet ist, hat es ihr angetan. Wo befindet sich dieser magische Ort? Und wie kommen die Bilder in den Besitz ihrer Familie? Ihre Suche führt sie in die Bretagne, zu einem stark verwitterten Anwesen an der Côte d'Eméraude. Gemeinsam mit dem charismatischen Schlossherrn taucht sie ein in die Vergangenheit des Ortes, die ungeahnte Enthüllungen ans Licht bringt ...

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 636
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783732506538
    Verlag: Bastei Lübbe AG
    Größe: 1113 kBytes
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Das tiefe Blau des Meeres

November 1939

Das Meer tobte und warf das kleine Boot auf den nachtschwarzen Wogen hin und her. Ein lärmendes, zischendes Inferno, düster, eiskalt und tödlich. Margot saß in der winzigen Kajüte des Fischerbootes, klammerte sich mit beiden Händen an der hölzernen Bank fest und starrte durch das Fenster in die dunkelgrauen Fluten der Nordsee. Die Sicht war verschwommen, weil das Fenster unablässig von schaumiger Gischt benetzt wurde. Umso mehr hörte man das Brüllen und Zischen der See und das Pfeifen des boshaften Nordostwindes. Hin und wieder glitt eine dunkle Gestalt vor dem Fenster vorbei, torkelnd, sich gegen den Wind stemmend, eine Hand an der Reling, um nicht über Bord gerissen zu werden. Das war Jean, der Skipper. Hinten am Steuer stand Claude; wenn er seine Befehle brüllte, drang seine tiefe, raue Stimme sogar durch das Toben der Elemente.

»Jersey!«, brüllte Claude.

»Nie im Leben!«

Das war Jean, er musste jetzt direkt neben dem Steuermann stehen. Seine Stimme war heller und ein wenig heiser. Er war noch jung, ein drahtiger, rothaariger Normanne.

»Was sonst?«, schrie Claude.

»Herpin!«

»Unmöglich!«

»Herpin! Und dahinter Grouin.«

»Hol's der Teufel!«

»Backbord muss Cécembre liegen!«

Das junge Mädchen in der Kajüte begriff nur wenig von dem, was es hörte, auch hatten Wind und Wetter wohl etliche Worte davongerissen. Doch ihr wurde klar, dass man vom ursprünglichen Kurs abgekommen war. Lag die Insel Jersey nicht südlich von Cherbourg, wo sie in See gestochen waren? Portsmouth an der englischen Küste aber war im Norden. Auf der Karte hatte es so einfach ausgesehen, ein kleiner Sprung nur, mit einem Ruderboot leicht zu schaffen, man hätte sogar schwimmen können. In Wahrheit jedoch lag zwischen ihr und der rettenden englischen Küste ein graues Ungeheuer: ein wütendes, geiferndes Meer, das sich anschickte, sie allesamt zu verschlingen.

»Wegen einer Deutschen ...«, vernahm sie wieder Claudes tiefe Stimme. Es klang voller Verachtung und tat weh. Früher war sie immer stolz darauf gewesen, eine Deutsche zu sein. Früher, als sie noch nicht wusste, dass es zwei Sorten Deutsche gab.

»Hättest es ja auch lassen können.«

»Aus reiner Gutmütigkeit ...«

»Tatsächlich? Und das Geld?«

»Lohnt nicht, dafür zu ersaufen!«

Ein Brecher fuhr über das Deck des Fischkutters, klatschte gegen das Kajütfenster. Sie erstarrte, fürchtete, das Glas könne zerspringen, doch es hielt stand. Dann, als sich das Seewasser wieder verlaufen hatte, glaubte sie, oberhalb der Wellenkämme im diesigen Grau einen hellen Punkt zu sehen. Ein Stern? Oder ein Leuchtturm? Jean torkelte an der Kajüte vorbei zum Bug, verharrte dort einen Moment und machte kehrt. Als er die Tür der Kajüte aufriss, drangen Gischt und eisiger Wind zu Margot herein. Triefend stand der Fischer vor ihr, glich das Schwanken des Bootes mit wenigen Körperbewegungen aus, als wäre er mit dem Schiff verwachsen. Seine Gesichtszüge waren im Halbdunkel kaum zu erkennen, nur die Augen schimmerten hell.

»Wir müssen den Sturm abwarten, Mademoiselle. Keine Angst, wir sind nicht das erste Mal bei solchem Wetter draußen.«

Er sprach langsam, wie man zu einem Kind redet. Ohne Zweifel wollte er sie beruhigen, doch der durchdringende Blick seiner hellen Augen sprach eine andere Sprache. Schon als sie gestern Abend über das schmale Brett auf das Schiff balanciert war, hatte er sie so angestarrt. Sie fürchtete sich vor ihm.

»Wann ... wann werden wir in Portsmouth sein?«

»In Portsmouth?«

Ihre Angst stieg hoch. Wieso fragte er? Es war doch abgesprochen, dass dieses Boot sie hinüber nach England bringen sollte.

»Ja, in Portsmouth. Oder irgendwo anders an der englischen Küste ...«

Er wischte sich mit der Hand über das nasse Gesicht und zog die Nase hoch. Morgen würde man dort ankommen. Nach

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