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Das Unbehagen der Elsa Brandt Roman von Steinbauer, Bettina (eBook)

  • Verlag: Solibro Verlag
eBook (ePUB)
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Das Unbehagen der Elsa Brandt

'Liebe. Ich scheue diese fünf Buchstaben. Wenn es Liebe war, wäre nichts Größeres mehr vorstellbar.' Elsa, Anfang vierzig, stellt Fragen, unbequeme Fragen. Denn: 'Ich warte noch immer auf Wesentliches. Auf einen Kern, etwas Radikales, das mich zutiefst irritiert.' Vergeblich hält sie Ausschau nach einem Mann, der ihren Fragen nicht ausweicht, sondern ihnen standhält. Stattdessen findet sie Männer mit Hobbys. Nach einem selbstprovozierten Unfall lässt sie sich in eine Nervenklinik einweisen. Aber die störrische Außenseiterin wird bald von der Klinikleitung auf die Straße gesetzt. Elsa bleibt kompromisslos, kündigt Job und Wohnung und bricht zusammen mit ihrer Nachbarin Ottilie zu einer Nordseeinsel auf. Dort begegnet ihr Justus, der ihr merkwürdig provokantes Verhalten zu durchschauen scheint ... Nach ihrem hochgelobten Debüt 'Zwei im Sinn' hat Bettina Steinbauer nun einen weiteren Roman geschrieben, der seine Leser nicht nur mit scharf formulierten Grundsatzfragen, sondern auch mit pointierten Dialogen und eigenwilligem Humor fesselt. 'Inmitten all der weichgespülten Charaktere der Gegenwartsliteratur ist Elsa eine große Ausnahmeerscheinung. Mit Ihrer Kompromisslosigkeit und Nonkonformität ist sie für mich eine der ehrlichsten Heldinnen, über die ich in letzter Zeit las. Bettina Steinbauer erinnert mich in ihrem Stil an Doris Knecht, Jackie Thomae oder Annika Reich, Autorinnen, deren Protagonistinnen jenseits der brachialen Emanzipationsideologie der Achtziger Jahre ihren selbstbestimmten Lebensweg suchen und dabei immer wieder über das eine unergründliche und lebenswerteste Thema stolpern: Die Liebe.' Claudia Hüllmann, Thalia Magdeburg

Bettina Steinbauer, Jahrgang 1964, ist verheiratet und hat zwei Söhne. Sie studierte Germanistik und Philosophie in Bonn und Köln. Abschluss 1990 mit dem Thema 'Identität und Sprache'. Nach zehn Jahren Verlagsarbeit arbeitet sie heute bei einer gemeinnützigen Organisation in Köln. Ihr Debütroman, 'Zwei im Sinn', wurde von Kritikern und Presse durchgängig sehr positiv aufgenommen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 224
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783932927942
    Verlag: Solibro Verlag
    Serie: Solibro Literatur Bd.2
    Größe: 5490 kBytes
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Das Unbehagen der Elsa Brandt

Ferienbeginn. Überall stehende Autoschlangen. Wie die meisten anderen habe auch ich mein Auto verlassen und schlendere mit einer Wasserflasche unter dem Arm zwischen den wartenden Karosserien umher. Etwas entfernt ein Mann, der an seinem Wagen lehnt und in einer Zeitung blättert. Ein wenig gelangweilt spaziere ich auf ihn zu, bleibe neben ihm stehen, schaue ihm erst über die Schulter und lehne mich dann neben ihn an den Kühler. Ich trinke einen Schluck aus meiner Wasserflasche. Irritiert schaut er zur Seite.

"Da vorne gab es einen Unfall. Haben sie gerade im Radio durchgesagt."

"Hmh."

"Übrigens ein interessanter Artikel über das Stockholm-Syndrom", sage ich und tippe auf den Innenteil der Zeitung, "den habe ich heute Morgen beim Frühstück gelesen."

Er schaut mich kurz an, dann rückt er etwas zur Seite und schottet sich hinter den Blättern gegen mich ab.

"Hätten Sie Lust, mit mir eine Tasse Kaffee zu trinken?"

Er atmet tief aus und faltet langsam sie Zeitung zusammen.

"Warum sollte ich das tun? Ich kenne Sie doch gar nicht."

"So wie Sie Ihren Metzger, Ihren Arbeitgeber, Ihre Frau auch zu einem bestimmten Zeitpunkt noch nicht gekannt haben."

Ich schraube die Wasserflasche zu und halte sie gegen die Sonne.

"Was ist das denn für ein Vergleich. Zu meinem Metzger gehe ich, wenn ich ein Schnitzel will, und zu meinem Arbeitgeber, weil ich dort mein Geld verdiene. Und meine Frau ..."

"Sie müssen sich nicht erklären. Alles gut. Es war lediglich ein Vorschlag."

Ich drehe mich um und schlendere langsam zurück zu meinem Auto.

"Nein, bitte warten Sie." Er schaut auf seine Uhr und streicht sich hektisch durch seine kurzen Haare, als könne er damit eine Entscheidung beschleunigen. "Ich wollte eigentlich direkt nach Hause und mich umziehen. Duschen, raus aus dem Anzug, wenn Sie verstehen ... In zwei Stunden habe ich einen Termin. Reicht das? Ich meine ... reichen zwei Stunden?"

"Wozu?"

"Na ja, um sich kennenzulernen."

"Das vielleicht nicht. Aber für eine Begegnung."

Ich lächle. Auf seinem Hemd sehe ich einen kleinen kreisrunden Fleck.

"Kennen Sie irgendein nettes Gartenlokal in der Nähe?", fragt er.

"Ja, ich wüsste da was. Warten Sie an der übernächsten Ausfahrt auf mich. Ab da folgen Sie mir einfach. Es sind nur wenige Kilometer."

Er lockert seinen Krawattenknoten. Dann zögert er einen Augenblick, als könne er sich nicht entschließen, ob er sich seines Schlipses ganz entledigen solle. Offenbar entscheidet er sich für die saloppe Variante. Mit einem schnellen Ruck zieht er sich den Stoffstreifen vom Hals, rollt ihn zusammen und lässt ihn in seiner Tasche verschwinden.

Ich sehe die Bedienung auf unseren Tisch zueilen. Jetzt bitte keinen Latte Macchiato bestellen, denke ich.

"Ich nehme ein Glas trockenen Weißwein", sage ich schnell, um ihn mit meiner Alkoholvariante eventuell von der befürchteten Bestellung abzubringen und ihn in eine andere Richtung zu lenken.

"Und für mich bitte einen schwarzen Tee mit Zitrone."

Mit der Steigerung einer Enttäuschung habe ich nicht gerechnet. Ein Teetrinker. Milde, milde, ermahne ich mich, vielleicht hat er ...

"Das einzige, was ich meinem Magen nachmittags zumuten kann", sagt er ein wenig entschuldigend. Er hat mein Gesicht gesehen. Die Teebestellung hat ihn nachträglich verunsichert. Mit einer Hand beginnt er die Utensilien auf dem Tisch zu ordnen. Handy, Notizbuch und Portemonnaie liegen jetzt so, dass sie an der Tischkante bündig abschließen.

"Macht doch nichts, jeder von uns hat ja

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