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Das verbotene Zimmer Geschichten von Schubert, Helga (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.05.2013
  • Verlag: EDITION digital
eBook (ePUB)
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Das verbotene Zimmer

Das ist der zweite Erzählungsband von Helga Schubert, die sich hier in 19 Erzählungen mit ihrer im Krieg geborenen Generation im geteilten Deutschland befasst. Der Erfolg ihres ersten Buchs 'Lauter Leben' hatte sie ermutigt, freiberufliche Schriftstellerin zu werden, denn sie war inzwischen mit der Empfehlung von Sarah Kirsch und vom Aufbau-Verlag Mitglied des Schriftstellerverbandes geworden. Dieses Buch aber erhielt in der DDR keine Druckerlaubnis. Von verschiedenen Seiten hatte sie vorher Warnungen erhalten, ein Chefredakteur teilte ihr mit, ihre Texte seien mit einer dunklen Folie überzogen, eine Lektorin meinte, Helga Schubert hätte ihre Ansichten über die SED 'ausgekotzt', der Cheflektor des angesehenen Ostberliner Verlags riet ihr im gleichen Gespräch, mit dem Schreiben ganz aufzuhören, denn das sei alles Analphabetismus.Die Autorin nahm darum das Angebot des westdeutschen Luchterhand-Verlags an, das Manuskript zu veröffentlichen, wenn eine Genehmigung der DDR-Behörden dafür vorliege. Und tatsächlich: 'Das verbotene Zimmer' erschien ausschließlich im Westen, und die Devisen gingen nicht an die Autorin, sondern wurden ihr im Kurs 1:1 in DDR-Mark ausgezahlt. Kaum war das Buch im Westen erschienen, erhielt es auch schon den westdeutschen Fallada-Preis. Den wiederum durfte Helga Schubert nicht annehmen, weil das ZK dies als eine Provokation ansah. Aber auch hier gab es ein Happy End, denn 10 Jahre später, als die Bevormundung vorbei war, wurde ihr im vereinten Deutschland für das Buch der Fallada-Preis überreicht. INHALT: Himmel Frühere Standpunkte Innenhöfe Mein Vater Luft zum Leben Der Tod meiner Großmütter Knoten Der Baum Mondstein Ansichtskarten Das verbotene Zimmer Die russische Seele Blickwinkel Das Arbeitsessen Eine Schriftstellerlesung Vogelschreien Meine alleinstehenden Freundinnen Heute Abend Mildernder Umstand

Helga Schubert Geboren 1940 in Berlin-Kreuzberg. Aufgewachsen in Ost-Berlin. Studium der Psychologie an der Humboldt-Universität. Nach Diplom 1963 bis 1987 Arbeit in der Erwachsenen-Psychotherapie in Berlin-Weißensee und -Mitte. Seit 1977 freiberufliche Schriftstellerin. Helga Schubert lebt mit ihrem Mann, dem Psychologie-Professor, Schriftsteller und Maler Johannes Helm, nach Jahrzehnten in Berlin seit 2008 in Neu Meteln/ Landkreis Nordwestmecklenburg, wo sie eine Galerie mit seinen Bildern eröffneten. 1975: Beginn ihrer Veröffentlichungen (Erzählungen, Märchen für Kinder und Erwachsene, Hörspiele, Theaterstücke, Filmszenarien). 1987 Berufung als Jurymitglied für den Ingeborg-Bachmann-Preis Österreich und Wahl in den PEN. Dezember 1989 bis März 1990 parteilose Pressesprecherin des Zentralen Runden Tisches in Ost-Berlin. Seit 1992 Mitglied des Autorenkreises der Bundesrepublik. Buch-Veröffentlichungen: Lauter Leben, Aufbauverlag Berlin, ab 1975 fünf Auflagen Vier Bücher über das Mädchen Bimmi, Kinderbuchverlag Berlin, ab 1980. 1992 zu einem Buch zusammengefaßt und neu illustriert, auch bei Middelhauve. Die Beunruhigung (Szenarium zum gleichnamigen Film, der 1982 zur Biennale in Venedig lief), Henschel-Verlag Berlin, 1982 Das verbotene Zimmer, Luchterhand Darmstadt, 1982 (in der DDR keine Druckerlaubnis) Blickwinkel, Aufbau-Verlag Berlin, 1984 Anna kann Deutsch, Luchterhand, 1985 Schöne Reise, Aufbau-Verlag Berlin, 1987 Über Gefühle reden? Berliner Verlag, 1988 Judasfrauen (Denunziantinnen), Luchterhandverlag 1990, dann Aufbauverlag, Büchergilde Gutenberg, dtv, Übersetzungen erschienen in Italien, Frankreich und Japan Gespräch mit Helga Schubert und Rita Süssmuth: Bezahlen die Frauen die Wiedervereinigung, Piper München, 1992 Die Andersdenkende, dtv München, 1994 Das gesprungene Herz, dtv München, 1995 Die Welt da drinnen (Eine deutsche Nervenklinik und der Wahn vom unwerten Leben), S.Fischer Frankfurt/Main, 2003 Beteiligung an vielen Anthologien Auszeichnungen: Heinrich-Mann-Preis Heinrich-Greif-Preis Hans-Fallada-Preis Doctor of humane letters/USA der Purdu

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 186
    Erscheinungsdatum: 01.05.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783863949686
    Verlag: EDITION digital
    Größe: 401 kBytes
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Das verbotene Zimmer

Mildernder Umstand Ich bin zum Tode verurteilt. Und zwar durch den elektrischen Stuhl. Warum, weiß ich auch nicht. Es hat irgendetwas mit dem Schreiben zu tun. Aber Genaues sagt man mir nicht. Die Hinrichtung ist in einer halben Stunde. Ganz ernst kann ich das alles nicht nehmen. Es gibt sicher noch einen Ausweg. Ich denke angestrengt nach und sehe mich um. Außer mir ist noch mein Mann im Zimmer. Er muss nicht sterben, darf nur bei mir bleiben bis zum Schluss. Er schweigt und umarmt mich. Dann sitzen noch zwei Ärztinnen da, die sich ruhig unterhalten, und ein Ehepaar, das mit allem nichts zu tun hat. Wenn ich jetzt tobe und tue, als ob ich verrückt bin, denke ich, werden sie mich vielleicht zur Begutachtung in die Psychiatrie einweisen. Dann sind ein paar Lebenstage gerettet. Ich sage zu dem Ehepaar, zu meinem Mann und zu meiner Mutter, die ein paar Zimmer weiter in einem Bett liegt und liest, dass sie nicht erschrecken sollen, wenn ich jetzt brülle und um mich schlage. Dann trommle ich mit den Fäusten an die Wände und auf den Tisch, schreie mit unartikulierten Lauten, und als schließlich noch ein Arzt in das Zimmer tritt, rufe ich rhythmisch: Bringt mich in die Anstalt, bringt mich in die Anstalt. Der Arzt sieht mich lächelnd und spöttisch an und sagt leise: Sie sind doch vom Fach, Sie wissen doch ganz genau, dass Sie bei einer Geisteskrankheit keine Krankheitseinsicht hätten. Die beiden Ärztinnen bleiben ganz gleichgültig. Über ihnen an der Wand hängt ein Porträt. Die eine Ärztin steht auf und geht aus dem Zimmer. Ich weiß, dass sie sich mit ihrem Gesicht von der anderen Seite der Wand genau hinter das Porträt stellt. Und ich weiß auch, dass unter dem Porträt ein Loch in der Wand ist, ihr Gesicht also direkt hinter dem Porträt. Die andere Ärztin gibt mir ein langes scharfes Messer. Ich soll das Porträt zerstechen. Weil ich aber das Gesicht dahinter nicht verletzen will, versuche ich verzweifelt, mir genau die Größe des Mauerdurchbruchs vorzustellen. Ich steche am Rand so in das Porträt, dass jeder Messerstich auf den Widerstand der Mauer stößt. Schließlich fällt das Porträt, das ich kreisrund herausgestochen habe, vor mir auf die Erde. Dahinter sehe ich das triumphierende Gesicht. Das ist der Beweis, dass ich nicht verrückt bin. Denn sie wussten, dass ich wusste, dass da ein Loch in der Mauer ist. Warum habe ich nicht zugestochen? Weil ich normal bin. Also muss ich sterben. In wenigen Minuten. Und mir ist völlig klar, dass das unwiderruflich ist. Ich setze mich erschöpft neben meinen Mann, lege mein Gesicht an seine Brust, schließe die Augen und weine bitterlich. Da wache ich auf. Meine Augen brennen. Ich richte mich auf, mein linkes Auge tränt, schmerzt sehr, Tränen rinnen aus diesem Auge. Ich kühle es. Erst nach zwei Stunden hat es sich beruhigt. Wie schön, sagte C, der ich den Traum erzählte, bis in dein Innerstes, bis in den Traum bist du davon überzeugt, dass du nicht verrückt bist. Und das war nicht immer so.

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