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Das Versprechen der Islandschwestern von Baldvinsson, Karin (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 02.05.2019
  • Verlag: Ullstein
eBook (ePUB)
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Das Versprechen der Islandschwestern

Die raue und unwiderstehliche Natur Islands und zwei Frauen auf der Suche nach dem Glück 2017: Pia macht sich mit ihrer ständig unzufriedenen Großmutter Margarete auf die Reise nach Island zum 90sten Geburtstag von Omas Schwester Helga. Seit Jahrzehnten haben die Schwestern nicht miteinander gesprochen. Zwischen ihnen steht ein unausgesprochenes Geheimnis ... 1949: Die Schwestern Margarete und Helga machen sich aus dem kriegszerstörten Deutschland auf den Weg nach Island, um dort ein Jahr lang auf einem Bauernhof zu arbeiten. Sie wollen sich auf der rauen, ursprünglichen Insel ein neues Leben aufbauen. Während Margarete sich in den Isländer Théo verliebt, zehrt das Heimweh an Helga. Ist das Glück der einen Schwester das Unglück der anderen? Karin Baldvinsson wurde 1979 in Erlenbach am Main geboren. Nach dem Abitur arbeitete sie lange als Assistentin einer Geschäftsleitung und Fremdsprachenkorrespondentin. Während ihres mehrjährigen Aufenthalts auf Island, wo sie für ein dort ansässiges Unternehmen arbeitete, lernte sie ihre große Liebe und heutigen isländischen Ehemann kennen. Die Kultur und Sprache Islands sind ihr durch ihre Erfahrungen in Familie und Berufsleben sehr vertraut. Heute lebt sie mit ihrer Familie in der Nähe von Hamburg.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 352
    Erscheinungsdatum: 02.05.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783843720229
    Verlag: Ullstein
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Das Versprechen der Islandschwestern

Juni 1949, Hamburg

Sonnenstrahlen glitzerten auf dem Wasser des Hamburger Hafens. Eine kräftige Brise kitzelte Margarete in der Nase und spielte mit ihren Locken, es roch nach Salz und Schmutz und ein bisschen nach Frühling. Sie hatte ihre Arme auf die Reling der Esja gestützt und suchte in der Menge am Kai nach den vertrauten Gesichtern von Tante Erna und Onkel Willi, die sie von Lübeck zur Abreise begleitet hatten. Margaretes Blick schweifte über die abgetragenen Röcke, ausgeblichenen Blusen, Jacken mit Flicken und dunklen Hüte. Sie hielt einen Moment bei einem älteren Paar inne. Die weißhaarige Dame schluchzte so stark, dass der schlaksige Herr sie kaum an den bebenden Schultern halten konnte.

Dicht an Margaretes Seite gepresst stand ihre Schwester Helga, die sich mit einem Taschentuch das ebenfalls tränennasse Gesicht trocknete und schniefte. Margarete seufzte, sie hasste es, Leute weinen zu sehen. In den letzten Jahren hatte sie zu viele dieser Momente erlebt. Trotzdem zog Margarete ihre Schwester enger an sich. Sogar im letzten Augenblick hatte Tante Erna noch versucht, die Nichten umzustimmen. Sie hatte schlucken müssen, aber sich nichts anmerken lassen. Margarete wusste, wie schwer es Helga auch so schon fiel, ihrer Heimat den Rücken zu kehren. Für Helga musste sie stark sein. Zudem hatten sich Margaretes Absichten, trotz des Abschiedsschmerzes, nicht geändert. Im Gegenteil, unter den so gewohnt gewordenen Schichten von Schmerz und Traurigkeit keimte nun ein neues Gefühl in ihr: Hoffnung.

Sie konnte es kaum erwarten, bis es endlich losging. "Schau nicht zurück, Schwesterchen, hier gibt es nichts mehr für uns", flüsterte Margarete und lächelte ihre zwei Jahre ältere Schwester aufmunternd an. Helgas Gesicht war kantig und ihr Mund sinnlich, doch wie so oft hielt sie ihn geschlossen, die Lippen fest aufeinandergepresst.

Margarete umarmte Helga fester und schloss die Augen. Der Wind war aufgefrischt, strich über ihr Gesicht, brachte salzige Luft mit sich. Viel zu schönes Wetter, um Lebewohl zu sagen, dachte sie, sagte aber: "Wir schaffen das schon. Wir sind ja zu zweit und werden immer zusammenbleiben, das verspreche ich dir. Gemeinsam bauen wir uns ein neues Leben auf. Ich wünschte nur, wir wären schon da! Ich kann es kaum abwarten, endlich zu sehen, ob es auf Island wirklich so aussieht wie auf den Bildern."

Sie betrachtete ihre Schwester, die nachdenklich auf den Kai im Hamburger Hafen zurückblickte. Helgas große grüne Augen waren vom Weinen gerötet. Die Traurigkeit verschleierte ihren sonst wachen Blick. Sie war schlank, anmutig und trug wadenlange Röcke und Schuhe mit einem kleinen Absatz. Klassisch frisiert waren ihre glänzenden, gewellten Haare von einer Schönheit, der auch die Jahre der Entbehrung nichts hatten anhaben können. Helgas Zögern und ihre Bedenken kannte Margarete zur Genüge, hatte es doch die größten Überredungskünste gebraucht, Helga überhaupt davon zu überzeugen mitzukommen. Doch jetzt waren sie an Bord, und die Zukunft in einem fremden Land stand ihnen offen - wenn auch zunächst nur für ein Jahr, vielleicht länger, wer wusste das schon. Nicht umsonst hatten viele Umstehende etwas von "Heiratsmarkt" getuschelt, der unter dem Deckmantel "Arbeit auf dem Land" an die ausnahmslos hübschen deutschen Mädchen "verkauft" worden war. Margarete spürte eine innere Unruhe in sich aufkommen, die sie manchmal ihrer Schwester gegenüber empfand. Eigentlich sollte es Helga nur recht sein, dass sie die Vergangenheit endlich hinter sich lassen konnten. Nichts und niemand wartete zu Hause auf sie. Ein Zuhause gab es nach dem Krieg, den Bombenangriffen und den vielen Bränden ohnehin nicht mehr. Der Vater war in Russland gefallen und die Mutter an Kummer gestorben, so sah es zumindest Margarete. Dieser schreckliche Irrsinn, in den die Männer mit so großer Überzeugung gezogen waren, hatte ihnen und ihren Familien alles genommen. Und Margarete war es leid, die

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