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Das Versprechen des Bienenhüters Roman von Lefteri, Christy (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 02.09.2019
  • Verlag: Limes
eBook (ePUB)
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Das Versprechen des Bienenhüters

"Nuri und seine Geschichte treffen mitten ins Herz. Wunderbar erzählt, erschütternd und aufrüttelnd." Belletristik-Couch.de Nuri ist Bienenhüter, mit seiner Familie führt er ein einfaches, aber erfülltes Leben im syrischen Aleppo. Bis das Undenkbare passiert und der Krieg ihr Zuhause erreicht. Nuris kleiner Sohn Sami wird bei einem Bombenanschlag getötet, seine Frau Afra erblindet. Sie müssen fliehen, um zumindest ihr eigenes Leben zu retten. Die Trauer um Sami und Erinnerungen an das einst glückliche Leben begleiten sie auf dem langen, gefährlichen Weg durch eine Welt, die nicht auf sie gewartet hat und selbst die Mutigsten in die Knie zwingt. Doch in England wartet Nuris Cousin Mustafa mit einem Bienenstock, der neuen Honig und neues Leben verspricht. Aber die größte Herausforderung liegt noch vor Nuri und Afra: wieder zueinander zu finden und gemeinsam die Hoffnung an ein neues Leben zu bewahren. Sie haben alles verloren und glauben dennoch an einen Neuanfang: Diese Geschichte wird Sie berühren, mitreißen und doch hoffnungsvoll zurücklassen. Christy Lefteri wuchs als Tochter zypriotischer Geflüchteter in London auf. Sie unterrichtet Kreatives Schreiben an der Brunel University. 2016 und 2017 verbrachte sie die Sommermonate als Freiwillige in einem von der Unicef unterstützten Geflüchtetenlager in Athen. Die Geschichten, die die Menschen ihr dort erzählten, inspirierten sie dazu, "Das Versprechen des Bienenhüters" zu schreiben.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 352
    Erscheinungsdatum: 02.09.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641244590
    Verlag: Limes
    Originaltitel: The Beekeeper of Aleppo
    Größe: 2738 kBytes
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Das Versprechen des Bienenhüters

BRONZE

glitzerte die Stadt tief unter uns, es war ihre Farbe. Wir wohnten auf einer Anhöhe in einem Bungalow mit zwei Schlafzimmern. Von dort oben konnten wir die ganze planlose Architektur, aber auch die schönen Kuppeln und Minarette sehen, und in der Ferne schimmerte etwas undeutlicher die Zitadelle.

Es war angenehm, im Frühling auf der Veranda zu sitzen. Wir konnten den Wüstenboden riechen und sehen, wie die rote Sonne über dem Land unterging. Aber im Sommer saßen wir drinnen unter dem Ventilator mit einem nassen Handtuch auf dem Kopf, die Füße in einer Schüssel mit kaltem Wasser, denn es war heiß wie in einem Backofen.

Im Juli war die Erde verdorrt, doch im Garten hatten wir Aprikosen- und Mandelbäume und Tulpen und Iris und Schachblumen. Wenn der Fluss austrocknete, ging ich hinunter zum Bewässerungsbecken und holte Wasser, damit der Garten überlebte. Als es August wurde, kam es mir so vor, als wollte ich einen Leichnam wiederbeleben, und so schaute ich machtlos zu, wie alles abstarb und eins wurde mit dem restlichen Land. Sobald es kühler wurde, machten wir einen Spaziergang und sahen den Falken zu, wie sie den Himmel in Richtung Wüste überquerten.

Ich hatte vier Bienenstöcke im Garten, sie waren übereinandergestapelt, denn ich war nicht gern ohne Bienen. Die anderen standen auf einem Stück Land am östlichen Rand von Aleppo. Morgens wachte ich sehr früh auf, noch vor Sonnenaufgang, bevor der Muezzin zum Gebet rief. Dann fuhr ich die dreißig Meilen bis zu den Bienenhäusern und traf rechtzeitig zum Sonnenaufgang dort ein, die Felder lichtdurchflutet und das Summen der Bienen ein einzelner glasklarer Ton.

Die Bienen waren das Idealbild einer Gemeinschaft, ein kleines Paradies inmitten des Chaos. Die Arbeiterinnen legten weite Strecken zurück auf der Suche nach Nahrung, am liebsten zu den entlegensten Feldern. Dort sammelten sie Nektar aus Zitronenblüten und Klee, Schwarzkümmel und Anis, Eukalyptus und Baumwolle, in Dornengestrüpp und Heide. Ich sorgte für die Bienen, fütterte sie, überprüfte die Stöcke regelmäßig auf Schädlingsbefall und Krankheiten. Manchmal baute ich neue Stöcke, teilte die Völker oder züchtete Königinnen; ich nahm dazu die Larven aus einer anderen Kolonie und sah zu, wie die Ammenbienen sie mit Gelée royale fütterten.

Später, in der Erntezeit, kontrollierte ich die Stöcke und überprüfte, wie viel Honig die Bienen produziert hatten, dann hängte ich die Waben in die Schleuder und füllte die Kübel, ich schabte die Rückstände ab und sah den goldenen Honig darunter. Es war meine Aufgabe, die Bienen zu beschützen und sie gesund und kräftig zu erhalten, und dafür machten sie Honig und befruchteten das Land, das uns am Leben erhielt.

Es war mein Cousin Mustafa, der mich in die Bienenzucht einführte. Sein Vater und sein Großvater waren Imker in den grünen Tälern westlich des Anti-Libanon-Gebirges gewesen. Mustafa war ein Genie mit dem Herzen eines Knaben. Er studierte und wurde Professor an der Universität von Damaskus, wo er die exakte Zusammensetzung von Honig erforschte. Während er zwischen Damaskus und Aleppo hin und her pendelte, sollte ich auf seine Bienenhäuser aufpassen. Er brachte mir eine Menge über das Verhalten der Bienen bei und lehrte mich, sie zu beherrschen. Die einheimischen Bienen reagierten bei Hitze aggressiv, aber er half mir, sie zu verstehen.

Wenn die Universität die Sommermonate über geschlossen war, blieb Mustafa die ganze Zeit bei mir in Aleppo. Wir arbeiteten hart und viele Stunden lang, und am Ende dachten wir wie die Bienen - ja, wir aßen sogar wie die Bienen! Wir aßen Pollen gemischt mit Honig, damit wir in der Hitze durchhielten.

In der ersten Zeit, als ich mit dieser Arbeit noch nicht so vertraut war - ich war gerade Anfang zwanzig -, bestanden unsere Stöcke aus Pflanzenmaterial, das mit Lehm verputzt wurde. Später ersetzten wir die Stämme von Korkeichen und die Terrakotta-Stöcke durch H

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