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Das Winterkarussell Roman von Liebig, Anna (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 21.09.2020
  • Verlag: Blanvalet
eBook (ePUB)
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Das Winterkarussell

Ein nostalgisches Karussell im Schnee, verlorene Träume und ein neuer Anfang ...
Nachdem die fünfzehnjährige Antonia ihre Mutter bei einem Unfall verloren hat, findet sie sich bei ihrem bislang unbekannten Großvater Otto auf dessen Bauernhof im Taunus wieder. Die Annäherung zwischen dem mürrischen Greis und dem Teenager gestaltet sich schwierig - bis Antonia ein altes Karussell in der Scheune entdeckt. Sie ist ganz verzaubert von dem nostalgischen Fahrgeschäft, und eines Abends beginnt ihr Großvater schließlich zu erzählen: von damals, als er noch ein junger Schausteller war und sich auf dem Weihnachtsmarkt in Frankfurt zum ersten Mal im Leben unsterblich verliebte ...
Ein modernes Weihnachtsmärchen - perfekte Unterhaltung für kuschelige Winterabende!

Anna Liebig ist das Pseudonym von Nicole Steyer, einer erfolgreichen Autorin historischer Romane. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren zwei Töchtern im Taunus. Bereits mit acht Jahren begann sie, Geschichten zu erfinden und niederzuschreiben. "Das Winterkarussell" ist ihre Liebeserklärung an die schönste Zeit des Jahres: Weihnachten.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 336
    Erscheinungsdatum: 21.09.2020
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641255763
    Verlag: Blanvalet
    Größe: 1907 kBytes
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Das Winterkarussell

1. Kapitel

Oktober 1990 - Wiesbaden

Antonia bog in die von Laubbäumen gesäumte Werderstraße ein und blieb vor dem Haus mit der Nummer fünf stehen. Es war eines der typischen Gründerzeithäuser, wie es viele in Wiesbaden gab. Den ganzen Rückweg von der Schule hatte sie sich Gedanken darüber gemacht, wie sie ihrer Mutter die Fünf in Mathe erklären könnte. Schlechter Tag, Migräne, der Lehrer hatte das Thema im Unterricht nicht richtig besprochen. Sie wusste, dass ihre Mutter jede ihrer Ausreden durchschauen würde. Sie hatte schlichtweg zu wenig gelernt. Aber andere Dinge waren eben wichtiger gewesen. Elementare, unvorhersehbare Begebenheiten, die sie daran gehindert hatten, sich hinter ihre Bücher zu klemmen. Judith, ihre beste Freundin, die allerbester Freundin auf der ganzen Welt, um es genau zu sagen, war von ihrer großen Liebe Marco verlassen worden. Da konnte man sich doch nicht mit so etwas Profanem wie Wurzelrechnen beschäftigen. Nur leider war das jetzt schon ihre zweite Fünf in Mathe. Mama würde zetern, schimpfen, ihr Hausarrest verpassen, vielleicht sogar Telefonverbot. Das wäre die Höchststrafe. Zu Hause zu hocken war eine Sache, aber durch den Entzug moderner Kommunikationsmittel von der Außenwelt abgeschnitten zu sein, das war entsetzlich. Zuletzt hatte es diese Bestrafung allerdings nicht wegen einer verpatzten Note, sondern wegen einer exorbitant hohen Telefonrechnung gegeben. Antonia hatte die Hälfte der Rechnung von ihrem kläglichen Ersparten zahlen müssen, den Rest würde sie bis Weihnachten von ihrem Taschengeld abstottern. Zwei Mark jede Woche. Immerhin blieb genug für einen Kinobesuch, das Schwimmbad oder die Eisbahn übrig.

Trotz dieser strengen Erziehungsmaßnahmen liebte Antonia ihre Mama. Und sie wusste, dass nach dem Zetern und Schimpfen, nach dem großen Streit, der unausweichlich vor ihr lag, bald der Frieden wiederhergestellt wäre. Vielleicht holte Mama wieder das Schokoladeneis aus dem Gefrierschrank, sie setzten sich damit an den Küchentisch und löffelten es direkt aus der Packung. Sie könnte es ja gleich rausholen. Das wäre eine gute Idee, um dem Streit aus dem Weg zu gehen. Wortlos das Eis holen, zwei Löffel dazu und sich an den Tisch setzen. An der dummen Fünf ließ sich sowieso nichts mehr ändern, wozu also streiten und schimpfen.

Antonia beschloss, ihre Idee in die Tat umzusetzen und nahm die wenigen Stufen zur Eingangstür. Sie knarrte wie gewohnt, als sie sie öffnete. Im Treppenhaus empfing sie der übliche Geruch. Eine Mischung aus Bohnerwachs, Reinigungsmittel, Zigarettenrauch und gebratenen Zwiebeln. Ihre Wohnung lag im zweiten Stock rechts. Als sie dort ankam, öffnete sich die Nebentür und Frau Wagners Kopf tauchte auf. Frau Wagner war bereits siebenundachtzig und Witwe. Ihr Erwin war vor zehn Jahren verstorben. Das hatte sie ihnen gleich am Tag ihres Einzuges erzählt. An einem Herzinfarkt. Kinder gäbe es keine, dafür hatte sie einen Dackel, den Ludwig, der schon an Altersschwäche litt. Er war blind und inkontinent, weshalb ihm Frau Wagner immer eine Windel anzog.

Die Tür von Frau Wagner öffnete sich tagsüber jedes Mal, sobald sie den Treppenabsatz im zweiten Stock betraten. Antonia hatte sich daran gewöhnt. Ihre Mama meinte, dass die alte Dame einsam sei. Sie hatte sogar einmal überlegt, sie zum Kaffee einzuladen, es dann jedoch gelassen. Was hätte man mit der seltsamen Nachbarin schon reden sollen? Und so war es bis zum heutigen Tag - und sie wohnten nun bereits seit drei Jahren in diesem Haus - bei dem üblichen Schwätzchen im Treppenhaus geblieben.

»Das Fräulein Antonia, wie nett«, begrüßte Frau Wagner sie. Neben ihr tauchte Ludwig auf, der ein müdes Wuff von sich gab. »Die Frau Mutter ist noch gar nicht aufgetaucht«, sagte sie. »Normalerweise kommt sie doch mittwochs vor dir nach Hause. Gell, da hast du doch lang Schule.«

»Guten Tag, Frau Wagner«, grüßte Antonia und hielt ihren Turnbeutel in die Höhe. »Wie gewoh

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