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Das Zaubertal von Raspel, Gabriele (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 08.05.2015
  • Verlag: Rosenheimer Verlagshaus
eBook (ePUB)
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Das Zaubertal

Toni Angerer hat mit einem Schlag alles verloren: Ehemann, Wohnung und Arbeitsstelle. Sie möchte völlig neu beginnen und bewirbt sich als Hauswirtschafterin auf einem Bauernhof im idyllischen 'Zaubertal'. Während Bauer Kurt begeistert von ihrer direkten und herzlichen Art ist, hat sein erwachsener Sohn Ferdinand Bedenken. Ob diese Städterin zum Landleben taugt? Es folgt eine Bewährungszeit für Toni, in der sich die beiden jungen Leute näher kommen. Doch schon bald steht die Liebe der beiden auf dem Prüfstand, denn in einem 'Zaubertal' geschehen nun einmal seltsame Dinge ... Zu Gabriele Raspels Repertoire gehören vor allem moderne Heimatromane, Kurzgeschichten und Krimis. Im Rosenheimer Verlagshaus sind von der Autorin bereits sechs Romane, darunter 'Der Ruf der Heimat', 'Wenn der Almrausch blüht', 'Das Zaubertal' und 'Sehnsucht nach den Highlands' erschienen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 256
    Erscheinungsdatum: 08.05.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783475543920
    Verlag: Rosenheimer Verlagshaus
    Größe: 2438 kBytes
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Das Zaubertal

Kurt

Kurt schaute bedrückt aus dem verwitterten Holzfenster des großen Bauernhauses, an dem die Tropfen wie Perlen hingen. Der Regen prasselte auf die moosigen Granitplatten im Hof, schnurgerade und in einer Gleichförmigkeit, als wäre am Himmel eine überdimensionierte Dusche installiert worden. Wenn er dem Alkohol nicht komplett abgeschworen hätte, dann wäre spätestens jetzt der Zeitpunkt gekommen, an dem er sich den ersten Roten eingegossen hätte.

Bereits der Frühling war eher die Verlängerung des Winters gewesen, dem ein verregneter Sommer gefolgt war, wie er ihn in seinen zweiundfünfzig Jahren selten erlebt hatte. Das triste Wetter erinnerte mehr an November, eine Zeit, in der es seiner Eva stets jämmerlich ergangen war. Jetzt konnte er nachvollziehen, wie trübsinnig es einen machen konnte, im Gegensatz zu früher. Mittlerweile gab es tatsächlich kaum einen Tag, an dem sich das dunkle Grau auflöste und die schwarzen Wolken den Blick auf die Berge freigaben.

Er stand auf und öffnete die Ofentür. Der Duft nach Holz und Rauch zog durch den Raum, als er ein neues Holzscheit einlegte. Stöhnend richtete er sich auf und schleppte sich zurück zum Sessel am Fenster. Kein Wunder, dass einem dabei die Knochen einrosteten. Wenn er seine Werkstatt nicht hätte, in der er sich beim Holzbearbeiten austoben könnte, würde er sich wie ein Greis fühlen.

Sein Blick wanderte zum Herrgottswinkel, neben dem das Hochzeitsfoto von ihm und seiner Frau hing. Dieses Jahr wäre es das neunte Weihnachtsfest ohne sie. Gegen ihre Melancholie, die sie in der lichtarmen Zeit überfallen hatte, hatten nur Spaziergänge oder Ausritte geholfen. Diese vermaledeiten Pferde, wie sehr sie sie geliebt hatte, mit denen er selbst hingegen nie warm geworden war. Und hatten sie nicht auch das Unglück über dieses Haus gebracht? Doch, das hatten sie! Und da mochte Hermann, sein Nachbar und ehemaliger Freund, noch so sehr widersprechen. Schließlich war er es gewesen, der seiner Eva diesen wilden Gaul zum Reiten angedreht hatte. Drei Monate nach der Geburt von Marie! Nein, das konnte und das wollte er ihm niemals verzeihen. Schlimm war nur, dass ihm seither nicht nur die Frau fehlte, sondern auch sein bester Freund. Und dass er den trotz allem vermisste.

"Papa, Peter mag ein Madl aus der Stadt, die wo weiße Wadln hat", schallte es jetzt mit heller Stimme durchs Haus.

Kurt musste schmunzeln. Da gab es ja doch etwas, was einen vor dem Wahnsinn bewahrte: seine Kinder.

"Stimmt ja net, du bist dumm", kam die Antwort. Dann folgte ein munteres Fußgetrappel und ein Mädchen und ein Bube stürmten in die Küche.

"Des hab' i nur g'sungen", protestierte Peter, der neunjährige Bruder von Marie. Beide waren mittelblond und stämmig. Auch die hellen, wachen Augen ließen erkennen, dass sie Geschwister waren.

"Aber Ferdl mag die Madln aus der Stadt, gell, Ferdl?"

"Jetzt nimmer", kicherte Marie, seine achtjährige Schwester.

"Nein, jetzt nimmer", antwortete Ferdinand grimmig, der stumm in der Ecke gesessen hatte und die Einkaufsliste für den folgenden Tag durchgegangen war.

Er riss die Liste aus dem Block und ergriff erneut den Kugelschreiber.

"Und jetzt setzt euch hin und passt auf, wir wollen endlich die Anzeige für die Zeitung aufgeben."

"Au ja, wir krieg'n a echte Köchin", krähte Peter.

"Die kann wenigstens g'scheit kochen und net so a G'lump z'sammhauen als wie der Ferdl."

"Das heißt nicht als wie, sondern wie. Und i geb' dir gleich G'lump", sagte Ferdinand.

Kurt schmunzelte. Kochen lag seinem Ältesten tatsächlich nicht, obwohl er es seit acht Jahren fast täglich für die Familie tat. Genau seit dem Tag, als die Mutter starb und der damals Zwanzigjährige allein mit seinem Vater vor der Aufgabe stand, einen Haushalt mit anfangs sieben Personen zu schmeißen. Einen Haushalt, in dem die Großeltern zu versorgen waren, die beide schon damals nicht gesund gewesen waren,

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