text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Das zerbrochene Siegel von Eder, Susanne (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 29.01.2016
  • Verlag: Edel Elements
eBook (ePUB)
4,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Das zerbrochene Siegel

Worms im Frühjahr 1066: Burggraf Bandolf findet in seinem eigenen Hof die Leiche des Edelmanns Ulbert von Flonheim. Bandolf bittet die Heilerin Garsende, den Leichnam zu untersuchen. Garsende kommt jedoch nur ungern, denn seit einigen Tagen ist ihr heimlicher Geliebter, Lothar von Kalborn, wieder in der Stadt. Dennoch stellt sie gemeinsam mit Bandolf Nachforschungen an, und schon bald stoßen beide auf eine erste Spur: Kurz vor seinem Tod hatte Ulbert ein geheimnisvolles Dokument an sich genommen, das seitdem verschwunden ist ...

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 384
    Erscheinungsdatum: 29.01.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783955307981
    Verlag: Edel Elements
    Größe: 3319 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Das zerbrochene Siegel

Kapitel 2

U nd was gedenkt Euer Gatte nun wegen dieses unseligen Toten zu unternehmen?", fragte Eltrudis spitz. Sie nahm das feuchte Tuch von ihrer Stirn und reichte es Matthäa, die neben der Bettstatt kniete. "Wenn ich gewusst hätte, welche Aufregungen mich hier erwarten, wäre ich trotz Eurer Bitten nicht gekommen, dessen könnt Ihr gewiss sein."

Wer hat dich denn gebeten?, dachte Matthäa mit einem Anflug unchristlichen Zorns.

Eltrudis war die Schwester ihrer verstorbenen Mutter. Im Gegensatz zu Katharina von Eich, die mit einem Scholasticus des Erzbischofs von Köln vermählt worden war, hatte Eltrudis in die Sippschaft derer von Löfenau eingeheiratet, die reiche Ländereien am oberen Rhein besaßen. Vor kurzem war ihr wohlhabender Gatte gestorben, und Eltrudis, die kinderlos geblieben war, hatte beschlossen, ihr beträchtliches Wittum einem Kloster zu übereignen, in dem sie ihren Lebensabend verbringen konnte. Um ein geeignetes Ordenshaus zu finden, in dem man es ihr auch an nichts fehlen lassen würde, beehrte sie nun reihum ihre Verwandten mit ihrem Besuch, in deren Nähe sich ein Nonnenkloster befand. Bisher hatte noch keines Gnade vor ihren Augen gefunden, und Matthäa schloss in ihre täglichen Gebete die innige Bitte mit ein, die Wahl ihrer Tante möge nicht auf das bei Worms gelegene Mariamünster fallen.

Die Nachricht, dass ein junger Edelmann tot vor der Türschwelle lag, hatte Eltrudis umgehend auf ihr Lager geworfen. Matthäas Vorschlag, die Heilerin zu ihr zu schicken, sobald Garsende in der Scheune mit ihrer Arbeit fertig sei, hatte sie empört zurückgewiesen. "Eine dieser Kräuterdruden kommt mir nicht in die Kammer. Wie könnt Ihr mir dergleichen zumuten?" Und mit ersterbender Stimme hatte sie hinzugefügt: "Doch wenn ich Euch zur Last falle, dann sagt es nur."

Hastig hatte die Burggräfin versichert, die Tante sei keineswegs eine Last, und sie würde schon dafür sorgen, dass es ihr an nichts fehle. Seither thronte Eltrudis in ihrer Kammer wie eine Königin und scheuchte ihre Nichte mit immer neuen Wünschen treppauf und treppab.

Matthäa unterdrückte ein Seufzen und zwang sich zu einem Lächeln. "Wir hatten Glück im Unglück", sagte sie laut, während sie das Tuch in eine Schüssel mit Lavendelwasser tauchte. "Pater Egidius hat den Toten erkannt und wusste, dass er mit seiner Gattin und seinem Gefolge im St.-Andreas-Stift logierte."

"Und was wollte er hier mitten in der Nacht?"

Matthäa zuckte mit den Schultern. "Das wird sich sicher noch aufklären", meinte sie vage. Bandolf hatte ihr berichtet, dass Garsende zu dem Schluss gekommen war, der junge Edelmann sei ermordet worden. Doch das wollte sie der Tante jetzt nicht sagen. Eltrudis würde es noch früh genug erfahren und ihren Verdruss darob über der Burggräfin ausgießen.

Müde strich sich Matthäa eine rotblonde Strähne aus der Stirn. Schon seit Tagen fühlte sie sich ständig erschöpft und niedergeschlagen, als würde ein finsterer Dämon ihre Sinne vernebeln. Im Stillen hoffte sie, ihr Zustand rühre von der Anstrengung, der Tante den gebührenden Respekt zu erweisen, und wäre nicht Vorbote einer schlimmen Krankheit.

Sie wrang das Tuch aus und legte es zurück auf Eltrudis' Stirn. "Ihr solltet von dem Brei essen, den ich Euch gebracht habe", empfahl sie.

Eltrudis warf ihr einen entrüsteten Blick zu. "Wie könnt Ihr annehmen, ich würde auch nur einen Bissen bei mir behalten, solange ein ruheloser Geist in diesem Haus herumgeht?"

Matthäa seufzte. "Pater Egidius' Gehilfen haben den Leichnam zur St.-Magnus-Kirche gebracht, wo er mit allen Ehren aufgebahrt wird."

Eltrudis reckte ihr rundliches Kinn. "Doch das Haus ist noch nicht gereinigt", widersprach sie mit fester Stimme, die ihre leidende Miene Lügen strafte.

"Sobald der Pater die nötigen Vorbereitungen getroffen hat, wird er zurückkommen und tun, was nötig ist", versicherte Matthäa und erhob sich. "Ich werde nachschauen

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen