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Dem Glück so nah Roman von Walters, Louise (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 18.06.2015
  • Verlag: Bastei Lübbe
eBook (ePUB)
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Dem Glück so nah

Roberta liebt Bücher. Sie liebt es, in alten Ausgaben zu stöbern und dabei unerwartete Entdeckungen zu machen: Briefe, Notizen oder Postkarten, die die Vorbesitzer zwischen den Seiten vergessen haben.

Als sie in einem alten Koffer ihrer Großmutter einen wahren Bücherschatz findet, stößt sie in einem der Exemplare auf einen Brief, der all ihre bisherigen Fundstücke in den Schatten stellt. Es ist ein Liebesbrief ihres im Krieg gefallenen Großvaters - doch ist er datiert auf einen Zeitpunkt, als dieser schon längst hätte tot sein müssen ...

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 351
    Erscheinungsdatum: 18.06.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783732506668
    Verlag: Bastei Lübbe
    Größe: 1490 kBytes
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Dem Glück so nah

1. Kapitel

8. Februar 1941

Meine liebe Dorothea,

zu Zeiten des Krieges geraten die Menschen bisweilen in einen Zustand der Verzweiflung. Sie stehen förmlich neben sich. Ich liebe Dich wirklich - es tut mir leid, dass ich das jetzt erst eingestehe. Du liebst mich. Ich werde nie vergessen, wie Du meinen Kopf und meinen Nacken gestreichelt hast, als Du glaubtest, ich schliefe. Eine Berührung der Liebe, kaum noch vorstellbar. Niemand wird mich je wieder so berühren. Das weiß ich mit Sicherheit. Jetzt muss ich mit dem Schmerz fertigwerden.

Verzeih mir, Dorothea, dass ich Dir nicht verzeihen kann. Was Du vorhast, was Du diesem Kind und seiner Mutter antust, ist falsch. Es ist deplatziert, so wie ich es bin, der ich gezwungen war, mein Heimatland zu verlassen, in das ich vielleicht nie wieder zurückkehren kann. Auch Du kannst nie wieder zurück, wenn Du an Deinem Vorhaben festhältst. Du wirst daran festhalten. Allerdings könntest Du das Ganze jetzt noch rückgängig machen, aber ich weiß, dass Du das nicht tun wirst. Deine Seele kann nicht mehr heimkehren von dem, was Du tust. Bitte glaub mir. Indem Du den einen in den Arm nimmst, verlierst Du zwangsläufig einen anderen. Ich halte das nicht aus, und Du weißt, warum nicht.

Ich schreibe Dir diese Worte nicht gern. Um ehrlich zu sein, ich weine gerade. Wenn dieser Krieg irgendwann einmal zu Ende geht - irgendwann wird es so weit sein -, hätten wir uns ein gemeinsames Leben aufbauen können. Es ist zu meinem einzigen großen Traum geworden, mein Leben mit Dir zu verbringen. Als ich nach unserer ersten Begegnung auf dem Fahrrad davonfuhr, war mir bereits klar, dass Du mir so wichtig bist wie Wasser. Ich wusste, Du bist für alle Zeit, selbst wenn uns keine Zeit bleibt. Schon nach wenigen Minuten dachte ich daran, Dich zu heiraten. Aber es geht nicht. Du bist eine achtbare Frau, doch das, was Du tust, ist alles andere als ehrenhaft. Obwohl Du Dir so viel Mühe gibst, gut zu sein, betrügst Du Dich jetzt selbst und öffnest der Schande Tür und Tor. Es fällt mir schwer, es ausdrücken, aber Du verstehst mich bestimmt. Meine wunderschöne Dorothea, trotz allem muss unsere Freundschaft hier enden. Ich wünsche Dir alle Freude dieser Welt.

Dein Jan Pietrykowksi

(Ich fand diesen Brief in einer Ausgabe aus dem Jahr 1910 von The Infant's Progress: From the Valley of Destruction to Everlasting Glory. Ich legte das Buch auf Philips Schreibtisch, damit er einen Preis festsetzte. Schließlich wanderte es in das Regal für antiquarische Bücher, mit dem bescheidenen Preis von fünfzehn Pfund ausgezeichnet.)

Ich reinige Bücher. Ich staube die Buchrücken und die Seiten ab, manchmal jede einzeln - eine mühevolle Arbeit, die Hustenreiz verursacht. In den Büchern finde ich versteckte Dinge: getrocknete Blüten, Haarsträhnen, Eintrittskarten, Etiketten, Quittungen, Rechnungen, Fotos, Ansichtskarten, alle Arten von Karten. Ich finde Briefe, unveröffentlichte Werke von ganz normalen Menschen; Menschen, die Kummer haben; Menschen, die nicht gebildet sind und selten schreiben. Die Briefe sind mal holprig formuliert, mal wortgewandt verfasst, es handelt sich um Liebesbriefe, alltägliche Briefe, geheime Briefe oder banale Briefe, die von Obst oder Babys oder Tennisspielen erzählen, von Menschen geschrieben, die beispielsweise Marjorie oder Jean heißen. Meinem Chef, Philip, sind derartige Fundstücke gleichgültig, weil er schon so daran gewöhnt ist. Was immer er findet, er gibt es an mich weiter, damit ich einen Blick darauf werfe. Dabei erinnert er mich regelmäßig daran, dass ich nicht alles aufbewahren kann. Und natürlich hat er recht. Dennoch bringe ich es nicht über mich, diese Schnipsel und Momentaufnahmen eines Lebens, die einmal so viel bedeutet haben (oder es immer noch tun), zu vernichten.

Vor elf Jahren bin ich als Kundin in die Buchhandlung "The Old and New Bookshop" spaziert und am Folgetag al

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