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Denise de Montmidi Historischer Roman von Ompteda, Georg von (eBook)

  • Verlag: e-artnow
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Denise de Montmidi

'Währenddessen eilte Denisens Wagen durch die Straßen von Paris, auf denen zu dieser Nachmittagsstunde ungeheures Leben flutete. Lachende, glückliche Menschen, denen der Frühlingstag Jubel ins Herz zauberte, junge Paare, die sich gefunden hatten, Eheleute, die miteinander gemeinsam die Last des Lebens trugen, Kinder, die diesem Dasein erst entgegengingen, von dem sie nicht wußten, was es ihnen bringen, von dem sie nicht voraussehen konnten, ob sie es zu einem glücklichen Ende führen oder ob sie in den Staub getreten würden. Alle waren sie dem blinden Zufall überlassen, der die Menschen emporzog oder nach seinem Belieben schuldig werden ließ, beglückte oder zertrat, wie es ihm gefiel.'
Georg von Ompteda (1863-1931) war ein deutscher Schriftsteller.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 248
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9788026882138
    Verlag: e-artnow
    Größe: 1052 kBytes
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Denise de Montmidi

KAPITEL 2

Inhaltsverzeichnis

Der Brautstand dauerte nicht lange. Schnell wurden die Besorgungen gemacht: Wäsche, Möbel, Spitzen gekauft. Der Bräutigam überreichte der kleinen Denise wundervollen Schmuck: Armbänder, Ringe, ein paar Diamanten in die Ohren, ein Diadem für Festlichkeiten.

Die Geschenke häuften sich. Die Verwandten, die Freunde, die Bekannten, jeder brachte irgendeine Kleinigkeit. In einem Zimmer, das dazu ausersehen war, entstand bald eine förmliche Ausstellung von silbernen Gegenständen, Bronzen, Spitzen, Porzellan, Schmuck, Uhren, Vasen, Nippessachen, auch ein paar künstlerisch ausgeführte Lampen fehlten nicht. Die Freunde Roberts meldeten sich fast alle mit kleinen Kunstgegenständen, wie einem Aquarell von einem Meister, in kostbarem handgeschnitzten Rahmen oder dem Vorzugsdruck einer Radierung. Es war, als hätten sie sich das Wort gegeben, die Wände des neuen Heims ausreichend zu schmücken.

Auch die Wohnungsfrage war entschieden worden. In der Nähe des Hotels der Eltern würden sie eine Etage beziehen, einen schönen ersten Stock, unmittelbar an den Champs Elysées und nicht weit vom Métropolitain, der Untergrundbahn, vor der Denise bisher immer eine solche Angst gehabt hatte, daß sie sich weigerte, damit zu fahren. Nun würde sie es wohl müssen, denn eine Equipage sollte fürs erste nicht gehalten werden. Robert besaß ein kleines Gut in der Provinz im Südwesten; dort auf dem Lande mußte man sowieso Pferde und Wagen haben, also war es hier ein Luxus.

Robert hatte seine Finanzverhältnisse bei der Heiratsbesprechung klarlegen müssen, und es stellte sich heraus, daß er gar nicht so reich war, wie die Verneuils geglaubt hatten. Wohl war es einmal gewesen, aber der Aufenthalt in Paris, Bakkarat und anderes hatten viel Geld verschlungen. Da war es besser, anstatt groß anzufangen und dann einen Pflock zurückstecken zu müssen, lieber von Anfang an haushälterisch zu sein. Seinen Freunden gegenüber meinte Robert, er mache eine Liebesheirat, seine Braut habe nicht genügend Geld, um auf großem Fuße leben zu können. Die Verneuils aber ließen ihrerseits durchblicken, die Vermögensverhältnisse des jungen Mannes reichten nicht hin, um in Paris ein Haus zu machen.

Herr de Verneuil aber sagte zu René, und das war die Schlußfolgerung, die er zog:

»Siehst du, mein Junge, sei vernünftig, sonst wird es dir gerade so gehen!«

Robert schaffte also sein Tandem ab und schloß seine Junggesellenwohnung. Mit Eifer richtete er die neuen Räume selbst ein. Die Braut besuchte ihn in Begleitung ihrer Mutter ein paarmal, wie er dort bei der Arbeit war, in Hemdsärmeln, als wäre er selbst Tapezierer, wie er den Hammer schwang und alles nach seinem guten, etwas kostbaren Geschmack anordnete, der ihm in seinem bisherigen Erdenwallen in jeder Beziehung ziemlich viel Geld gekostet hatte.

Endlich war das kleine Nest fertig. Es war die höchste Zeit, denn morgen schon sollte die Hochzeit sein. Die Einladungen waren längst verschickt, das feierliche Mahl mit der ganzen Verwandtschaft der Verneuil und der de la Caille fand am Abend statt.

Der Marquis de Bloudarnenez, der eine de la Caille zur Frau hatte, erschien mit seinen sieben Söhnen, ein Hugenotte alter Rasse, der sich mit den übrigen de la Cailles jahrelang nicht gesehen hatte, weil seine Frau, von ihm bekehrt, zum Protestantismus übergetreten war. Es waren große Gestalten mit eckigen, scharfgeschnittenen Gesichtern, derb, knochig und mit Bauernschädeln, die nur durch das Ausgearbeitete der Züge das alte Geschlecht verrieten. Es waren Leute von einfachen Sitten und ungebrochener gallischer Kraft. Diese ganze kinderreiche Familie, deren Erscheinen Aufsehen erregte, war wenig modisch gekleidet und bildete einen schreienden Gegensatz zur Übereleganz der übrigen Hochzeitsgäste.

Dann kam die Herzogin von Lamont, »die Wohltäterin der Armen«, wie sie die Boulevardblätter nannten, eine klei

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