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Denn wir waren Schwestern Roman von La Seur, Carrie (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 10.01.2015
  • Verlag: Insel Verlag
eBook (ePUB)
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Denn wir waren Schwestern

Ein Anruf und Almas Leben in Seattle gerät aus den Fugen: Ihre Schwester Vicky ist tot, erfroren in einer klirrend kalten Januarnacht. Alma muss zurück zu ihrer Familie nach Montana, an den Ort, dem sie vor langer Zeit den Rücken gekehrt hat, das ist sie Vicky schuldig. Früher waren die Berge, die urwüchsigen Wälder und weitläufigen Täler ihre Heimat, jetzt lösen der eiserne Griff des Winters und die abweisende Art der Menschen Beklommenheit in ihr aus. Und während die Erinnerungen an ihr früheres Leben, an ihre Schwester und an schmerzhafte Erlebnisse wieder ans Licht drängen, erscheinen auch die Umstände von Vickys Tod zunehmend rätselhaft und werfen immer mehr Fragen auf ... "Denn wir waren Schwestern" erzählt von einer jungen Frau, die sich auf die Suche macht, nach ihren Wurzeln, nach sich selbst - und nach dem Mörder ihrer Schwester: der Kälte trotzend, getragen vom Geist indianischer Mythen und der Kraft der mächtigen Landschaft Montanas. Und nicht zuletzt von der Liebe zu einem Ort, den man Heimat nennt. Die Kälte einer Januarnacht in Montana kennt deine Schwächen, sie spricht mit deinen Ängsten. Sie lauert dir auf und ringt dich nieder. Sie klingt wie das Geheul der Wölfe, wie der Schall von Trommeln, die an deinen innersten, heiligen Orten widerhallen ...

Carrie La Seur stammt aus Billings, Montana. Nach einem Jurastudium an der Yale University kehrte sie nach Montana zurück und gründete eine Umweltorganisation, die sie seitdem leitet. Sie publizierte Artikel, Diskussionsschriften und Gesetzesrezensionen u. a. in Grist , Harvard Law & Policy Review und Mother Jones . Denn wir waren Schwestern ist ihr erster Roman.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 330
    Erscheinungsdatum: 10.01.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783458739296
    Verlag: Insel Verlag
    Originaltitel: The Home Place
    Größe: 5020 kBytes
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Denn wir waren Schwestern

1. KAPITEL

Sonntag, 2.00 Uhr, Mountain Standard Time

Die Kälte einer Januarnacht in Billings, Montana, trifft dich persönlich, in Körper und Geist. Sie kennt deine Schwächen, sie spricht mit deinen Ängsten. Wenn du an einen Gott glaubst, dann schiebt sich diese Kälte wie ein Schleier zwischen dich und deine Gottheit. Sie lauert dir auf, wenn du allein bist, dort, wo sie dich niederringen kann. Wenn du weiß bist und aus einer der alten Familien stammst, flüstert sie dir ins Ohr, wie einsam und schutzlos du ihr in dem endlosen flachen Land ausgeliefert bist. Sie klingt wie das Geheul der Wölfe und dröhnt wie der Schall von Trommeln an all den leeren Orten, an denen du dich fragst, wer du bist und was du in höchster Not tun würdest. In dieser Kälte begreifst du endlich, dass du kein bisschen tapfer bist.

Wenn du indianisch bist, vielleicht ein durchgedrehter Crow oder Cheyenne, ein Shoshone, Hidatsa, Assiniboine, einer aus den gedemütigten Stämmen eines unversöhnlichen Landes, klingt die Kälte anders, aber sie kennt noch immer deinen Namen. Sie zeigt keine Gnade mit dir, ganz gleich, wie alt und eng ihre Beziehung zu deinen Müttern und Vätern auch sein mag. Du vor allem solltest wissen, dass sie eine Mörderin ist. Wie viele deiner Verwandten hat sie sich schon geholt? Mehr als Kriege und Autounfälle. Brennen deine Finger und Zehen in der Kälte, weil sie dir in der Kindheit erfroren sind, als du dich noch nicht zu schützen wusstest oder weil die Stromgesellschaft den Saft abdrehte, dein kleiner Rücken hart gegen den Kältefels des Winters gepresst?

Eine Frau Mitte zwanzig, zu dünn, mit langen, offenen braunen Haaren und verschmiertem rosa Lippenstift ist soeben in die früheste, dunkelste Stunde des Sonntagmorgens gestolpert. Ihre Haare sind ungepflegt, sie scheinen lange nicht mehr kräftig gebürstet worden zu sein, und ihre Augen sind schon seit frühester Jugend misstrauisch zusammengekniffen. Von Zeit zu Zeit verziehen sich ihre Lippen, als wollte sie sich über ihre Hammerzehen oder den verspäteten Sozialhilfescheck beklagen. Aus der Nähe sieht man ihre Augen, wie das Nordlicht, manchmal violett aufblitzen, aber für Fremde bleiben sie einfach nur stumm und trotzig grau. Die lange Nase und das flächige Gesicht erinnern an eine altmodische Schönheit, die mit eleganten Frisuren und Kleidern hervorgehoben werden will. Bei ihr wirkt diese Schönheit wie ein schäbiges Kleidungsstück, das, fadenscheinig von Alter und Erschöpfung, bald nur noch abgelegt werden kann.

Der Gang der Frau ist steif, selbst wenn man ihre Behinderung berücksichtigt. Die Prothese an ihrem linken Bein bewegt sich mechanisch, das Kniegelenk rotiert in einer Stahlkapsel. Sie trägt die Frau ziemlich gut, ohne jedoch die Illusion zu erwecken, dass da unter ihren engen stonewashed Jeans ein richtiges, komplettes Bein stecken könnte. Auch die spitz zulaufenden Cowboystiefel verbessern ihren Gang nicht. Sie schwankt leicht und rülpst. Sie durchwühlt ihre schwere, fleckige Leinenschultertasche auf der Suche nach einem Päckchen Zigaretten, aber die Schachtel ist leer. Sie hat ihren Mantel vergessen. Schon seit dem frühen Abend, so früh, dass die meisten Partygäste inzwischen besinnungslos sind, hat sie sich in dem spärlich möblierten Wohnzimmer eines Zweizimmer-Bungalows aus den 20er Jahren, nur wenige Blocks südlich der Bahngleise, zugekifft und betrunken. Sie wohnt dort mit einem fetten polnischen Alkoholiker, der Garfield Kozinsky heißt, so wie die Region in Montana, wo er geboren wurde. Er ist nicht ihr Freund, erzählt sie den Leuten, aber sie schläft mit ihm, und er will keine Miete von ihr.

Dieser Teil der Stadt lag schon auf der falschen Seite der Gleise, als sie in den 1880ern durch ganz Nordamerika gelegt wurden- damals, als Frederick Billings, der Eisenbahnmann, großspurig und mit jeder Menge Geld und wilden

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