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Der Alte muss weg Roman von Berling, Carla (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 08.07.2019
  • Verlag: Heyne
eBook (ePUB)
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Der Alte muss weg

Steffi, Mitte fünfzig und Reihenhausbewohnerin, ist unzufrieden. Mit ihrem Job. Mit ihrem Aussehen. Mit ihrem Mann Tom und seinem Faible für Kreuzworträtsel. Und mit ihrem Sexualleben. Das Highlight der Woche: Jeden Montag trifft Steffi sich mit ihrer Schwester und ihren Freundinnen im Brauhaus. Außer einer Single-Frau sind alle unglücklich und würden ihre Männer lieber heute als morgen loswerden - Haus, Auto, Sparbuch und Designerküche können aber gerne bleiben! An einem langen Kölsch-Abend entsteht ein perfider Plan, wie eine unauffällige Entledigung der Gatten gelingen könnte. Doch die Umsetzung ist komplizierter als gedacht... Carla Berling, unverbesserliche Ostwestfälin mit rheinländischem Temperament, lebt in Köln, ist verheiratet und hat zwei Söhne. Mit der Krimi-Reihe um Ira Wittekind landete sie auf Anhieb einen Erfolg als Selfpublisherin. Bevor sie Bücher schrieb, arbeitete Carla Berling jahrelang als Lokalreporterin und Pressefotografin. Sie tourt außerdem regelmäßig mit ihren Romanen große und kleine Städte. Zuletzt erschien ihr Roman 'Der Alte muss weg'.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 320
    Erscheinungsdatum: 08.07.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641239183
    Verlag: Heyne
    Serie: Heyne Bücher 42315
    Größe: 1391 kBytes
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Der Alte muss weg

3

Wir trafen uns also jeden Montag im Brauhaus. Diese Treffen waren manchmal lustig, manchmal öde, manchmal endeten sie schon früh, gelegentlich arteten sie in Besäufnisse aus. Sie begannen fast immer gleich, wir trafen sogar meistens in derselben Reihenfolge ein.

An diesem Montag aber veränderte sich alles. Dabei fing der Abend ganz normal an.

Als Marion im Brauhaus ankam, hatte ich schon drei Kölsch-Cola getrunken. Marion sah gut aus, das honigfarbene Haar war frisch gefärbt. Sie trug hautenge Hosen aus Leder und ein lässiges Shirt. Und wie immer knallroten Lippenstift. Alles viel zu rockig für meinen Geschmack, viel zu auffällig, zu jugendlich. Aber, zugegeben, ihre fünfundfünfzig Jahre sah man ihr nicht an. Dagegen wirkte ich in meiner Ton-in-Ton-Kombination wie eine beigefarbene Seniorin. (Marion nannte meinen Lieblingsfarbton leberwurstfarben.) Obwohl ich die Jüngere bin.

Meine Schwester beugte sich zu mir herunter, küsste mich rechts und links neben die Wangen, dabei konnte ich ihr Parfüm riechen, und legte sofort los. "Liebelein, wie isses? Gut siehst du aus! Das war wieder so ein Tag, du kannst dir das nicht vorstellen ... also heute kam ein Typ in den Laden, der wollte tatsächlich eine Zweitausend-Tacken-Tasche umtauschen, die er Weihnachten gekauft hat ..."

Ich hörte ihr nicht zu. Marion erlebte immer irgendwelche Sachen, von denen sie dachte, ich könne sie mir nicht vorstellen. Sie war Filialleiterin in einem noblen Laden, in dem auch viele Prominente einkauften. Ich kannte die meisten nicht. Für Leute, die zweitausend Euro für eine Handtasche oder tausend für ein Paar Schuhe ausgaben, hatte ich sowieso nichts übrig.

Während sie ihr Kölsch auf ex trank und "Das hab ich jetzt gebraucht!" stöhnte, kam Elfie herein.

Sie warf ihre überdimensionale Leinentasche mit dem Aufdruck "Hunde sind die besseren Menschen" auf die Bank, ließ ihre hundertfünfunddreißig Kilo Lebend gewicht mit einem Ächzen daneben sinken und klopfte zur Begrüßung auf den Tisch. "Allet joot?", fragte sie in breitem Dialekt und tätschelte dem Köbes, der unaufgefordert mit einem Kölschtablett und vollen Gläsern an den Tisch gekommen war, den Arm. "Mir jibbste mal so nen janz kleinen Jäjermeister mit Jeschmack, isch habbet am Majen."

Elfie hielt sich an die Grammatikregel "Im Kölschen jibbet kein jeh", zu Deutsch: "Der Kölner Dialekt kennt kein G."

Marion verdrehte die Augen und verzog angewidert das Gesicht. "Dass du dir dieses Zeug immer antust."

Elfies Medizin gegen alles bestand aus Jägermeister und Eierlikör zu gleichen Teilen und wurde mit einem Schuss Cola aufgegossen. Sie reagierte nicht auf Marions Bemerkung, zischte zuerst das Kölsch weg und anschließend das Mixgetränk. Seit sie so zugenommen hatte, trug Elfie keine Kleider mehr, sondern knöchellange Zelte, vorzugsweise in Aubergine- und Fliedertönen. In ihren mittelblonden Haaren prangte eine rotkohlfarbene Strähne.

Die Tür des Brauhauses flog auf, und Babette kam herein. Wie auf Kommando drehten sich alle Gäste zu ihr um, in ihrer rabenschwarzen Lockenmähne steckte eine riesige Sonnenbrille, eine Prada-Tasche schaukelte an ihrem angewinkelten Arm. Babette stöckelte graziös über die Dielen des alten Holzfußbodens, nickte hier und da einem der gaffenden Männer huldvoll zu und begrüßte uns reihum mit großer Geste und lautem Lachen. Hier im Brauhaus hielt sie gewiss jeder für eine Diva vom Film und nicht für die Hausfrau aus der Rodenkirchener Reihenhaussiedlung, die ihren Mann mit spendablen Typen betrog.

"Schöne Schuhe!", sagte ich mit einem neidischen Blick auf ihre Pumps.

"Du, die waren gar nicht teuer, Escada, habe ich bei eBay ersteigert, nur fünfzig Euro."

"Mein Mann würde mich in so bunten Schuhen nicht mitnehmen", sagte ich.

Babette winkelte ein Bein an, musterte den mörderischen Bleistiftabsatz und bemerkte trocken: "Meiner besteht auch drauf,

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