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Der böse Baron von Krosigk von Schreckenbach, Paul (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 25.01.2016
  • Verlag: Books on Demand
eBook (ePUB)
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Der böse Baron von Krosigk

Paul Schreckenbach (6.11.1866 - 27.6.1922) war ein deutscher Pfarrer und Schriftsteller. Schreckenbach wurde vor allem wegen seiner gründlich recherchierten historischen Romane bekannt, in denen er sich mit Problemen der wilhelminischen Zeit auseinandersetzte. Paul Schreckenbach (6.11.1866 - 27.6.1922) war ein deutscher Pfarrer und Schriftsteller. Schreckenbach wurde vor allem wegen seiner gründlich recherchierten historischen Romane bekannt, in denen er sich mit Problemen der wilhelminischen Zeit auseinandersetzte.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 332
    Erscheinungsdatum: 25.01.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783739234403
    Verlag: Books on Demand
    Größe: 743 kBytes
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Der böse Baron von Krosigk

I.

Die Frühsonne eines hellen Oktobertages lag auf dem alten Herrenhause in Groß-Salze, das im Volksmunde der blaue Hof genannt wurde. Ihre Strahlen ließen die weißgetünchten Mauern des schmucklosen Baues weit hinaus ins flache Magdeburger Land erglänzen, sie glitten wie liebkosend hin über das altersgraue, etwas verwitterte Wappen derer von Schurff über der breiten Tür, sie fluteten in mächtigen Wogen in das halbgeöffnete Fenster hinein, in dem eine schlanke Mädchengestalt lehnte und gespannt in die Ferne hinausblickte. Das freche Volk der Spatzen lärmte laut in dem dichten Efeu, der die Giebelseite des Hauses überzogen hatte, und einige der gefiederten Helden hüpften keck auf das Fensterbrett und schauten das Mädchen neugierig lauernd von der Seite an, ob ihnen nicht ihre Hand das gewohnte Frühmahl spende. Aber sie hatte heute keine Augen für ihre kleinen Kostgänger, sondern unablässig verfolgte ihr Blick einen hochbepackten Reisewagen, der von vier kräftigen Braunen gezogen sich schnell immer weiter und weiter entfernte und endlich nur noch wie ein dunkler Punkt am fernen Horizonte zu sehen war.

Mit einem tiefen Atemzuge trat das Mädchen vom Fenster zurück, und dabei fiel ihr Auge auf ein kleines Buch, das auf einem zierlichen Nachttischchen neben ihrem Bette lag. "Losungen der Brüdergemeine für das Jahr 1806" stand in feinen Goldbuchstaben auf dem schwarzen Ledereinbande. Jeder seiner drei Töchter schenkte der alte Major von Schurff dieses Büchlein in gleichem Einbande an einem jeden Neujahrsmorgen, denn er war ein frommer Mann und hielt auf Gottesfurcht in seinem Hause. Außerdem war ein kleiner Aberglaube dabei. Er sah in den Losungen der Stillen im Lande eine Art von Orakel, nach dem er die Geschäfte des Tages einrichtete, und etwas davon war auch auf seine Frau und seine Töchter übergegangen.

Heute nun hatte die Älteste es vergessen, beim Aufstehen die heutige Losung nachzulesen, was ihr seit langer Zeit nicht passiert war. Hastig griff daher jetzt ihre Hand nach dem kleinen Buche, um das Versäumte nachzuholen. Sie fand mit leichter Mühe den Spruch des Tages, des siebzehnten Oktobers. Es war das Wort des weisen Salomo: Des Menschen Herz schlägt seinen Weg an, aber der Herr allein dass er fortgehe.

Ein tiefer Ernst prägte sich, als sie das Buch wieder hinlegte, in ihren feinen Zügen aus. Es mochte wohl etwas in dem Schriftworte liegen, was sie besonders bewegte, denn ihre großen graublauen Augen wurden feucht und zwei Tränen rollten über ihre Wangen.

Aber feste Schritte, die draußen auf dem Korridore erklangen und ihrer Tür sich näherten, schreckten sie auf. Sie ergriff schnell ein Tuch und suchte die verräterischen Spuren ihrer Gemütsbewegung hastig zu tilgen, was ihr indessen in der Eile nur sehr unvollkommen gelang. Die eintretende Mutter erkannte mit ihrem scharfen Blicke sogleich, dass sie geweint hatte. Sie blieb sehr erstaunt in der Tür stehen und sah ihre Tochter fast verwirrt an. Dann drückte sie rasch die Tür hinter sich ins Schloss, trat lebhaft auf das Mädchen zu und rief mit gedämpfter Stimme: "Wie, Friederike? Du in Tränen? Das ist doch sonst deine Art ganz und gar nicht! Was ist dir denn? Was ist geschehen?"

Friederike antwortete nicht. Sie hatte sich abgewendet und war sehr rot geworden.

Frau von Schurff betrachtete ihre Tochter eine Weile mit mütterlich besorgtem Blick, dann schüttelte sie halb traurig, halb missbilligend den Kopf, auf dem die Haare trotz der frühen Morgenstunde zu einem tadellosen Toupet frisiert und schneeweiß gepudert waren.

"Kind, Kind!" sagte sie, "Du bist mir ein Rätsel. Dich in Tränen zu finden - vraiment - darauf war ich am wenigsten gefasst. Wem galten sie denn?"

"Keinem Menschen," erwiderte das Fräulein kurz und trotzig, aber ihre Stimme klang, als ob sie ein Schluchzen unterdrücken wolle.

Die Mutter runzelte unwillig die Stirn und setzte sich resolut auf einen der zierlichen Roh

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