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Der Beginn Roman von Tiller, Carl Frode (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 24.06.2019
  • Verlag: btb
eBook (ePUB)
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Der Beginn

Das Leben kann nur rückwärts verstanden werden, gelebt werden muss es vorwärts, heißt es bei Søren Kierkegaard. Terje liegt nach einem Suizidversuch im Sterben. Er lässt sein verpfuschtes Leben Revue passieren. Auf der Suche nach Antworten gräbt er sich immer tiefer in die schmerzhafte Vergangenheit, soghaft getrieben von den blinden Flecken des eigenen Lebens: der depressiven, alkoholkranken Mutter, dem abwesenden Vater, dem Abrutschen in Ticks und Gewalt als junger Mann, und dem quälenden Gefühl des Verlassenseins, das ihn immer bestimmt hat. Momente des Friedens fand er nur in der Natur. Ruhelos stellt Terje sich im Krankenhaus seinem Leben vom Ende bis zum Anfang, vom Tod bis zur Kindheit. Ein bewegendes Buch, erzählt wie im Rausch - über endgültige Entscheidungen, Vorherbestimmung und die Freiheit des Einzelnen. Carl Frode Tiller, geboren 1970, ist ein norwegischer Autor, Historiker, Musiker und Komponist. Er gilt als Meister der psychologischen Zwischentöne. Seine Romane sind vielfach preisgekrönt und in 16 Sprachen übersetzt. "Wer du heute bist" ist nach "Kennen Sie diesen Mann?" der zweite Teil der Trilogie um den gedächtnislosen David.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 352
    Erscheinungsdatum: 24.06.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641231156
    Verlag: btb
    Originaltitel: Begynnelser
    Größe: 2475 kBytes
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Der Beginn

Zwei Tage vorher

"Wie heftig es schneit", sagte Mama.

Ich drehte mich um, sie saß da und starrte aus dem Küchenfenster. Sie hatte Spiegeleier gegessen, und auf dem Teller vor ihr waren noch Reste von Eigelb und Ketchup zu sehen, ich sagte nichts.

"Kann die Garage fast nicht sehen, so wie es runterkommt", sagte sie.

Ich stellte den Ton am Fernseher lauter. Genug, damit es glaubwürdig wirkte, wenn ich sagte, ich hätte sie nicht gehört, aber nicht so laut, dass sie mir vorwerfen konnte, ich wolle sie übertönen.

"Sieht auch nicht so aus, als würde es so schnell wieder aufhören", sagte sie.

Ich schloss langsam die Augen.

"Ich will mich erst mal ein bisschen ausruhen", sagte ich.

"Was?", sagte sie.

"Ich schippe noch Schnee ", sagte ich. "Aber ich habe heute Nacht nur wenig geschlafen. Außerdem bin ich gerade von der Arbeit gekommen, ich habe den ganzen Tag Forschungsberichte gelesen, ich bin müde."

"Hauptsache, es wird gemacht", sagte sie.

Ich stellte den Ton noch etwas lauter, gerade rechtzeitig, denn gleich darauf sagte sie noch etwas. Ich nahm den Blick nicht vom Bildschirm. Sie wiederholte nicht, was sie gesagt hatte, sie stand auf, nahm Teller und Glas und ging zur Spüle, ich hörte, wie sie das Wasser aufdrehte und den Teller abwusch. Ich wartete, bis sie wieder ins Wohnzimmer kam, dann stand ich auf und ging in die Küche. Ich hatte Hunger und nahm die Eierschachtel und die Butter aus dem Kühlschrank. Ich ging zum Herd, gab ein Stückchen Butter in die Pfanne, drehte die Platte auf und klappte den Deckel der Eierschachtel hoch.

"Könntest du bitte ein paar Eier übrig lassen?", fragte Mama. Sie kam wieder in die Küche. Sie griff nach der Thermoskanne und schenkte Kaffee in den grünen Becher. "Ich habe vor, später Waffeln zu backen, wenn Reidar kommt", fügte sie hinzu. Ihre Stimme war auffallend freundlich, vermutlich wusste sie, dass nur noch zwei Eier in der Schachtel waren. Ich sagte nichts, ich stellte die Platte aus, klappte die Eierschachtel zu, nahm das Butterpäckchen und räumte beides wieder in den Kühlschrank.

"Kannst du dir nicht einfach ein Käsebrot machen?", fragte sie.

"Ist nicht so wichtig", sagte ich. Die Marmeladengläser klirrten leise, als ich die Kühlschranktür schloss. Ich ging in den Flur.

"Na, dann nimm dir halt die Eier", sagte sie.

Ich drehte mich zu ihr um.

"Sicher?", fragte ich.

Sie hatte anscheinend nicht damit gerechnet, dass ich sie beim Wort nehmen würde, sie sah ziemlich verwirrt aus.

"Dann kann ich halt keine Waffeln backen", sagte sie. Sie führte den Kaffeebecher zum Mund.

"Also soll ich sie nicht nehmen?", sagte ich.

Sie seufzte, während sie den Kaffeebecher wieder sinken ließ, ohne daraus getrunken zu haben.

"Mein Gott, nimm die Eier", sagte sie. "Ich sage ja nur, dass ich dann nichts zum Kaffee servieren kann."

Ich lachte und schüttelte den Kopf.

"Was ist daran so lustig?", fragte sie.

"Back du nur deine Waffeln, Mama", sagte ich.

"Ich verstehe nicht, was du hast", sagte sie. "Wir sind einfach nur gute Freunde."

Ich verstand nicht sofort, was sie meinte, aber dann begriff ich. Ich fing an zu lachen, es klang aber nicht so echt, wie ich gewollt hatte.

"Sorry, aber ich bin nicht eifersüchtig, Mama", sagte ich.

Das war ihr wohl etwas zu direkt, jedenfalls starrte sie mich zornig an. Ihre Augen erinnerten mich an die eines kleinen Mädchens, das ich einmal auf dem Cover eines Horrorfilms gesehen hatte, ich war richtig beeindruckt, sie sagte nichts, drehte sich nur um und ging ins Wohnzimmer. Ich ging in die Küche und nahm eine Banane aus der Schale, die auf der Arbeitsplatte stand. Ich brach die Spitze ab, riss die Schale in drei breite Streifen und biss hinein. Nach einer Weile hörte ich Mama heulen. Erst ein Schluchzer, dann noch einer. Ich versuchte zu grinsen und den Kopf zu sch

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