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Der Bergdoktor - Folge 1791 Das einsamste Madel vom Zillertal von Kufsteiner, Andreas (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 24.11.2015
  • Verlag: Bastei Lübbe
eBook (ePUB)
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Der Bergdoktor - Folge 1791

Es ist eine Art Schicksalsgemeinschaft, die die Rentnerin Greta Kofler und die junge Witwe Bettina Hofstetter verbindet. Beide stehen ganz allein auf der Welt, und so spenden sie sich gegenseitig Trost und Hilfe. Auch den Jahreswechsel wollen sie zusammen verbringen - in einer Ferienhütte in St. Christoph. Greta hat sich das gewünscht, denn sie verbindet mit dem Dorf wundervolle Erinnerungen. Allein würde die Reise in die verschneiten Berge zu beschwerlich für sie sein, doch in Begleitung Bettinas will sie es wagen. Greta ahnt nicht, dass auch Bettina mit St. Christoph Erinnerungen verbindet - allerdings sind es keine schönen, sondern die traurigsten ihres Lebens. Damals hat sie sich geschworen, nie mehr dorthin zurückzukehren. Doch nun will sie Greta nicht enttäuschen. Und damit nimmt das Schicksal seinen Lauf ...

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 64
    Erscheinungsdatum: 24.11.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783732522286
    Verlag: Bastei Lübbe
    Größe: 470 kBytes
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Der Bergdoktor - Folge 1791

Das Kaffeehaus Diglas war brechend voll. Es befand sich hinter dem Stephansdom in so zentraler Lage, dass kaum einer der bequemen roten Sessel lange frei blieb. Die Wände waren mit Holz verkleidet, und auf den Marmortischen standen Vasen mit liebevoll zusammengestellten Arrangements aus Tannengrün, Christrosen und Zimtstangen.

Die Gäste frühstückten ofenfrische Kipferl und Kaffee, lasen in der Zeitung oder genossen eines der Backwerke aus der Vitrine, die nach Großmutters Rezepten hergestellt wurden. Besonders beliebt waren die Bananenschnitten, der warme Apfelkuchen und die Soufflés.

Bettina Hofstetter sammelte benutzte Tassen ein und stapelte sie auf ihrem Tablett aufeinander. Die junge Kellnerin war seit sechs Uhr in der Früh auf den Beinen, denn das Café öffnete um acht Uhr, und vorher musste sie die Tische neu eindecken und die Tageskarte an die Tafel schreiben.

Der Jahreswechsel stand kurz bevor, und dementsprechend groß war der Andrang. Bettinas Füße brannten, dabei hatte sie erst die Hälfte ihrer Schicht geschafft.

Etwas Gutes hatte der Betrieb allerdings doch: Es sammelte sich viel Trinkgeld an. Bettina sparte eisern, um sich im nächsten Jahr ein Studium leisten zu können. Das Leben hatte sie einmal aus der Bahn geworfen, aber sie war entschlossen, sich nicht unterkriegen zu lassen ...

Bettina wollte sich gerade der Küche zuwenden, als sich eine Hand vertraulich auf ihren Arm legte.

"Wie ich höre, träumst du von einem Studium", sagte eine sonore Männerstimme.

Ein neuer Gast hatte an einem Fenstertisch Platz genommen und eine geschäftlich aussehende Ledermappe neben sich abgelegt. Es war ein hagerer Mann in einem dunklen Anzug. Der Fremde mochte Anfang vierzig sein und hatte einen lauernden Ausdruck in seinen grauen Augen, der Bettina auf der Hut sein ließ.

Woher wusste er von ihren Zukunftsplänen?

"Hat mein Chef wieder geplaudert?" Sie balancierte das Tablett auf einem Arm und räumte mit der freien Hand einen benutzten Teller ab. Ihr Chef war ein freundlicher Mann, der auch mit anpackte, wenn es viel zu tun gab. Allerdings war kein Geheimnis bei ihm sicher, denn er unterhielt sich gern.

"Was möchtest du denn studieren?"

"Veterinärmedizin."

"Im Ernst?" Der Fremde zog eine Augenbraue hoch. "Wozu musst du studieren, wenn du so aussiehst, Schätzchen? Such dir einen reichen Mann. Dann hast du keine Sorgen mehr und musst dich nicht mit kranken Viechern abplagen."

Bettina ging nicht auf diese Bemerkung ein, sondern fragte stattdessen: "Was kann ich für Sie tun?"

"Oh, da gäbe es eine Menge." Sein Blick verriet, dass er weder an frische Hörnchen noch an eine Tasse Kaffee dachte.

Bettina verbarg ihr Unwohlsein hinter einem unverbindlichen Lächeln.

"Falls Sie sich noch net entschieden haben, empfehle ich Ihnen unser deftiges Frühstück."

"Hört sich gut an. Ich nehme es."

"Kommt sofort. Haben Sie sonst noch einen Wunsch?"

"Wenn du schon fragst ..." Er tätschelte ihre Kehrseite.

Bettina rückte ein Stück von dem Gast ab.

"Ich stehe net auf der Speisekarte", sagte sie freundlich, aber bestimmt.

"Wie schade." Seine Stimme kletterte eine Oktave tiefer und war nur noch ein heiseres Flüstern, das ihr einen unbehaglichen Schauer über den Rücken sandte. "Wann hast du Feierabend, Schätzchen?"

"So lange wollen Sie bestimmt net warten." Bettina wartete nicht auf seine Erwiderung, sondern wandte sich um und eilte in die Küche, um das Tablett abzusetzen und das Frühstück für ihren Gast in Auftrag zu geben.

Verärgerung über seine plumpe Anmache brodelte in ihr, aber sie hatte keine Zeit, um länger darüber nachzudenken, denn eine Bestellung für Tisch acht stand bereit. Bettina nahm das Tablett. Dabei fiel ihr Blick aus dem Fenster, und sie fröstelte unwillkürlich.

Draußen herrschte nasskaltes Dezemberwetter. In den Regen mischten sich ve

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