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Der Bergdoktor - Folge 1885 Komm zurück, Engel von Kufsteiner, Andreas (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 12.09.2017
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)
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Der Bergdoktor - Folge 1885

Als Kind den Demütigungen eines herrschsüchtigen Vaters ausgesetzt und dann zu einer Ehe mit einer ungeliebten Frau gezwungen, hat Walter Sendlinger schließlich Trost im Alkohol gesucht. Nur einmal war der Bauer richtig glücklich in seinem Leben, aber das ist schon über zwanzig Jahre her. Damals kam die bildhübsche Rosie Eger mit dem goldblonden Haar als Magd zu ihnen und eroberte das Herz des jungen Burschen im Sturm. Doch der Vater hatte andere Pläne mit dem Sohn und jagte Rosie bei Nacht und Nebel vom Hof. Jetzt hat der Bauer nicht mehr lange zu leben. Dr. Burger kann das Leiden des Kranken nur durch Medikamente ein wenig lindern. Walter Sendlinger tut es nicht leid um sein verpfuschtes Leben, aber einen einzigen Wunsch hat er noch: Er möchte seine geliebte Rosie, sein Engerl, noch einmal wiedersehen, ehe der Herrgott ihn zu sich ruft ...

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 64
    Erscheinungsdatum: 12.09.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783732552238
    Verlag: Bastei Lübbe AG
    Größe: 674 kBytes
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Der Bergdoktor - Folge 1885

Dr. Martin Burger, der Bergdoktor von St. Christoph im Zillertal, betrachtete mit bedenklicher Miene die Ergebnisse der letzten Untersuchung seines Patienten Walter Sendlinger, der vor seinem Schreibtisch saß.

"So schlimm?", fragte der Bergbauer mit matter Stimme. "Seien Sie nur ehrlich, Herr Doktor. Ich weiß eh, dass es bald aus ist mit mir."

In der markanten Miene des Landarztes arbeitete es. Es war sonst nicht seine Art, vorschnell einen Patienten aufzugeben. Fast immer fand sich noch ein Funken Hoffnung, der dem Kranken helfen, ihn aufrichten konnte.

Dr. Burger war nicht nur ein brillanter Arzt, er war auch ein warmherziger Mensch, der für seine Patienten stets Trost und Hilfe bereithielt.

In diesem Fall aber war es anders. Walter Sendlinger hatte tatsächlich nicht mehr lange zu leben. Seine über Jahrzehnte andauernde Alkoholsucht hatte nach und nach alle Organe geschädigt. Nun blieb dem engagierten Landarzt nichts weiter, als die Symptome des körperlichen Verfalls medikamentös zu mildern.

Eine Heilung konnte es nicht mehr geben.

So etwas machte Dr. Burger stets zu schaffen. Und dieser Fall war besonders belastend für ihn, denn der Bergbauer wusste Bescheid und kämpfte nicht mehr. Für ihn war das Leben seit langer Zeit eine Last, der Tod erschien ihm als Freund, den er bereits ohne Zaudern erwartete.

Eine erschütternde Vorstellung für den Bergdoktor, zumal er die Hintergründe dieses schweren Schicksals kannte. Er litt mit seinem Patienten, ohne wirklich helfen zu können. Und diese Situation belastete ihn sehr.

Trotz allem mochte er sich dem Unausweichlichen aber nicht einfach geschlagen geben. Zumindest konnte er sachlich mit seinem Patienten reden, ihm so zeigen, dass er ihn ernst nahm und nicht mit barmherzigen Lügen abspeiste. Er war überzeugt, dass dies Walter Sendlinger wichtig war.

"Das EKG ist besorgniserregend. Wir müssen die Dosis des Herzmedikaments erhöhen", erklärte er deshalb mit ruhiger Stimme. "Die Leberwerte haben sich ebenfalls verschlechtert, die Zirrhose schreitet fort. Ich schreibe dir noch einen Säureblocker auf, um die Gastritis ein wenig abzumildern. Haben die Nervenschmerzen auf das neue Präparat angesprochen?"

Der Bergbauer nickte angedeutet.

"Die Schmerzen in den Beinen haben nachgelassen. Ich kann ein bisserl besser schlafen."

"Das ist gut. Wenn wir erreichen können, dass du öfter eine Nacht durchschläfst, wird sich das positiv auf die Polyneuritis auswirken. Auf lange Sicht wird dann eine geringere Dosis des Medikaments genügen."

"Sie machen sich viel zu viel Mühe, Herr Doktor", meinte der Kranke betreten. "Ich bin doch nix mehr wert, mit mir war nie viel los. Und jetzt bin ich mir selbst eine Last. Es wird Zeit, dass ich endlich abtrete und keinem mehr zur Last falle."

"Ich glaub, der Andreas sieht das ein bisserl anders."

"Er ist ein guter Bursche, wohlgeraten. Mag dran liegen, dass ich net sein leiblicher Vater bin", sinnierte Walter. "Aber er wird besser dran sein ohne mich, bin eh nur ein Klotz am Bein für den Buben. Er hat genug Arbeit mit dem Hof. Dass er mich dauernd zum Doktor kutschiert, ist mir gar net recht."

"Er tut es gern. Und er sorgt sich sehr um dich, Bauer", wusste Dr. Burger. "Er hat dich halt von Herzen lieb."

"Einen alten Säufer hat keiner lieb, das wäre ja krank", knurrte er abweisend.

"Du hast doch dem Andreas zuliebe das Trinken aufgegeben."

"Ja, schon, aber zu spät. Ich hab mich ruiniert, bin selbst schuld an meiner Misere. Und deshalb mag ich einfach nimmer." Er schaute Martin Burger offen an. "Sagen Sie mir, wie lang es noch dauern wird. Wann hab ich's endlich überstanden?"

"So was höre ich net gern", kam es ablehnend von dem Bergdoktor.

Er erhob sich und ging ein paar Schritte in seinem Sprechzimmer auf und ab. Hochgewachsen war der Landarzt, sehr sportlich und auch mit Anfang fünfzi

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