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Der Clan der Kinder Roman von Saviano, Roberto (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 29.01.2018
  • Verlag: Carl Hanser Verlag München
eBook (ePUB)

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Der Clan der Kinder

Zehn Jungen rasen auf ihren Motorrollern durch die Stadt. Sie heißen Maraja, Dentino, Lollipop, Drone, sie tragen Markenschuhe und den Namen der Freundin auf die Schulter tätowiert - und sie wollen alles haben. In Neapel ist das nur eine Frage der richtigen Camorra-Bande. Der Weg vom Pusher zum Killer ist kurz. Auf den Dächern der Stadt üben die 15-jährigen mit Sturmgewehren, zielen auf Mülltonnen und Fensterscheiben. Bald gilt ein Menschenleben weniger als ein gebrochenes Wort. Sie fühlen sich unsterblich, bis der Glanz ihres rasanten Lebens sie schließlich selbst blendet. Roberto Savianos erster großer Roman erzählt von einer Jugend ohne Gott: schnell, brutal und ohne Pardon. Roberto Saviano, 1979 in Neapel geboren, arbeitete nach dem Studium der Philosophie als Journalist. Gomorrha kam rasch nach Erscheinen auf die italienische Bestsellerliste und machte ihn schlagartig berühmt. Nach wiederholten Morddrohungen von Seiten der Camorra steht Saviano permanent unter Personenschutz und lebt seit vielen Jahren im Untergrund. Bei Hanser erschienen Gomorrha (Reise in das Reich der Camorra, 2007), Das Gegenteil von Tod (2009), Der Kampf geht weiter (Widerstand gegen Mafia und Korruption, 2012), ZeroZeroZero (Wie Kokain die Welt beherrscht, 2014), Super Santos (Hanser Box, 2014) und Der Clan der Kinder (Roman, 2018). 2009 erhielt Saviano den Geschwister-Scholl-Preis, 2012 den Olof-Palme-Preis für seinen publizistischen Einsatz gegen organisiertes Verbrechen und Korruption und 2016 den M100 Media Award.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 416
    Erscheinungsdatum: 29.01.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783446259454
    Verlag: Carl Hanser Verlag München
    Originaltitel: La Paranza dei Bambini
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Der Clan der Kinder

Das Nuovo Maharaja

Forcella ist Materie der Geschichte. Materie aus jahrhundertealtem Fleisch. Lebendige Materie.

Drinnen, in den Falten der Gassen, die es zeichnen wie ein vom Wind gegerbtes Gesicht, steckt die Bedeutung dieses Namens. Forcella, von forca , Gabel, Galgen, Engpass. Ein Weg hinein und eine Gabelung. Etwas Unbekanntes, das dir immer anzeigt, wo du losgehen musst, doch nie, wo du ankommst, ob du ankommst. Eine Straße als Symbol. Von Tod und Auferstehung. Sie empfängt dich mit dem riesigen, auf eine Hauswand gemalten Bildnis von San Gennaro, der dich beobachtet, wenn du hereinkommst, und dich mit seinen Augen, die alles sehen, daran erinnert, dass es nie zu spät ist, sich wieder zu erheben, dass man die Zerstörung aufhalten kann wie die Lava.

Forcella ist eine Geschichte von Neuanfängen. Von neuen Städten über alten Städten, von neuen Städten, die alt werden. Von lärmenden, menschenwimmelnden Städten aus Tuffstein und Basalt. Steine, die hier jede Mauer errichtet, jede Straße trassiert, alles verändert haben, auch die Menschen, die seit jeher mit diesem Material arbeiten. Nein, es anbauen. Man sagt nämlich, dass Basalt angebaut wird wie eine Reihe von Weinstöcken, die gewässert werden müssen. Steine, die zur Neige gehen, denn man verbraucht den Stein, den man anbaut. In Forcella sind auch die Steine lebendig, auch sie atmen.

Die Häuser kleben aneinander, die Balkone küssen sich in Forcella wirklich. Sogar leidenschaftlich. Auch wenn dazwischen eine Straße verläuft. Und wenn es nicht die Wäscheleinen sind, die sie verbinden, sind es die Stimmen, die sich die Hände schütteln, einander zurufen, dass dort unten kein Asphalt liegt, sondern ein von unsichtbaren Brücken überquerter Fluss.

Immer wenn Nicolas am Cippo vorbeikam, den alten Steinen aus griechischer Zeit, packte ihn diese Fröhlichkeit. Dann fiel ihm ein, wie sie vor zwei Jahren, aber es fühlte sich an wie Jahrhunderte, den Weihnachtsbaum aus der Galleria Umberto geklaut und geradewegs hierher gebracht hatten, mitsamt den leuchtenden Kugeln, die ohne Strom aber nicht mehr leuchteten. Damit hatte er Letizia auf sich aufmerksam gemacht, die am Morgen vor Weihnachten aus dem Haus gegangen war und, als sie um die Ecke bog, die Spitze gesehen hatte. Wie in den Märchen, wo man abends sät, und wenn die Sonne aufgeht, steht da hoppla ein Baum, der bis in den Himmel reicht. An dem Tag hatte sie ihn geküsst.

Den Baum war er nachts holen gegangen, mit der ganzen Gruppe. Sobald ihre Eltern schlafen gegangen waren, waren sie los und hatten sich zu zehnt den Baum auf ihre mageren Jungenschultern geladen, eine herkulische Schufterei, leise fluchend, um keinen Lärm zu machen. Dann hatten sie ihn auf die Mopeds gebunden: Nicolas und Briatò mit Stavodicendo, "Sag ich doch", und Dentino, dem "Zähnchen", vorne, dahinter die anderen, die den Stamm hochhalten mussten. Es hatte stark geregnet, und es war nicht leicht gewesen, mit den Mopeds durch die breiten Pfützen und die reißenden Bäche zu fahren, die die Gullys ausspuckten. Motorroller hatten sie, das erforderliche Alter nicht, aber sie waren "gelernt" geboren, wie sie es ausdrückten, und konnten sich besser durchhangeln als die Älteren. Doch mit diesem Wasserfilm hatten sie kämpfen müssen. Mehrmals hatten sie angehalten, um Luft zu holen und die Stricke festzuziehen, aber schließlich hatten sie es geschafft. Sie richteten den Baum im Viertel auf, sie hatten ihn zwischen die Häuser, mitten unter die Leute gebracht. Wo er stehen sollte. Am Nachmittag waren dann die Falken vom Überfallkommando gekommen, um sich den Baum zurückzuholen, doch das zählte dann schon nicht mehr. Sie hatten die Sache durchgezogen.

Lächelnd ließ Nicolas den Cippo hinter sich und parkte vor Letizias Haus, er wollte sie abholen und in die Bar einladen. Doch sie hatte schon die Posts auf Facebook gesehen: die Fotos von Renatino, mit Scheiße beschmiert, die Tweets, in denen die Freunde sein

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