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Der deutsche Herzog von Schreckenbach, Paul (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 25.01.2016
  • Verlag: Books on Demand
eBook (ePUB)
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Der deutsche Herzog

Paul Schreckenbach (6.11.1866 - 27.6.1922) war ein deutscher Pfarrer und Schriftsteller. Schreckenbach wurde vor allem wegen seiner gründlich recherchierten historischen Romane bekannt, in denen er sich mit Problemen der wilhelminischen Zeit auseinandersetzte. Paul Schreckenbach (6.11.1866 - 27.6.1922) war ein deutscher Pfarrer und Schriftsteller. Schreckenbach wurde vor allem wegen seiner gründlich recherchierten historischen Romane bekannt, in denen er sich mit Problemen der wilhelminischen Zeit auseinandersetzte.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 255
    Erscheinungsdatum: 25.01.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783739234229
    Verlag: Books on Demand
    Größe: 657 kBytes
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Der deutsche Herzog

I.

Auf einem Sturzacker nahe bei der kleinen Stadt Lützen hielt ein Reiter und blickte unverwandt hinüber nach der Richtung, wo sich, wie man ihm berichtet hatte, die Heerstraße hinzog, die nach Leipzig führte. Schwarz war sein Ross, und seine schlanke, geschmeidige Gestalt steckte vom Kopf bis zu den Knien in einem Harnisch von derselben Farbe. Alles an ihm war wohlgepanzert und verwahrt, wie es einem Krieger geziemt, der zum Kampfe auszieht. Nur das Antlitz war unverhüllt - ein feines, etwas bleiches Antlitz mit leicht gebogener Nase, dunkelblondem Schnurr- und Knebelbart und zwei so eigentümlich glänzenden, durchdringend blickenden Augen, wie sie nur selten einmal die Natur einem Menschen verleiht. Aber dem dichten, weißen Novembernebel gegenüber, der das weite Blachfeld bedeckte, waren auch diese falkenscharfen Augen machtlos, und der Reiter konnte, so sehr er sich anstrengte, auch nicht einen Stein von der Straße erspähen, die wohl nicht weiter als zweihundert Ellen vor ihm sich dehnte.

"Verwünscht!" murmelte er endlich. "Es ist wie verhext. Der Starrschedel kommt auch nicht wieder! Man hört nichts, man sieht nichts. Werde noch ein Stück vorwärts reiten!"

Der hagere Mann in halb bäuerlicher, halb geistlicher Tracht, der neben ihm stand, zuckte zusammen, "Um Gotteswillen, gnädiger Herr! Keinen Schritt mehr vorwärts! Hört Ihr die Turmuhr von Lützen? Es schlägt acht. Man sollt's nicht denken, weil es noch so dunkel ist. Aber horch! Der Schall ist deutlich. Wir sind ganz nahe an der Stadt, und die ist von oben bis unten voll von Friedländischem Volke. Brechen sie heraus, dann Gnade uns Gott! Wer weiß, ob Euch die dort heraushauen könnten!" Er wies auf einen Reitertrupp, der nur dreißig Schritte hinter den beiden hielt, aber im Nebel kaum zu erkennen war. Über das Gesicht des Kriegsmannes huschte ein Lächeln. "Nun, mich und die Meinen brächten wohl die Beine unserer Pferde rasch in Sicherheit," erwiderte er heiter. "Aber du, Schulmeister, wärest trotz deiner langen Stelzen in einer üblen Lage."

"Ach Herr," versetzte der Lange ernst und bedächtig, "um mich ist mir's nicht. Ich spreche mit Jakob: Wenig und böse war die Zeit meines Lebens, und mit Salomo: Alles ist eitel. Was ich von der Welt gesehen habe" - er spuckte heftig nach der andern Seite aus - "alles Jammer und Schande und Kreuz und Elend, Herr! Jeden Tag will ich fort, wenn mich der Herr ruft, jeden Tag! Und könnte wohl der alte Schulmeister von Meuchen besser und anständiger von der Weltkommen, als wenn ihn eine Kugel träfe bei einem Kundschafterdienste, den er dem Herzog Bernhard von Weimar leistet?"

Der Reiter warf verwundert den Kopf herum. "Woher weißt du, dass ich's bin?"

"Es hat mir einer von der grünen Brigade, der bei mir lag, gestern Abend alle die großen Herren gezeigt, die beim Könige waren. Ich hab' Euch nur von ferne gesehen, Herr, aber ich hab' Euch gleich wieder erkannt an Eurem schwarzen Panzer und dem roten Helmbusche."

"Es schadet auch nichts, wenn du's weißt," erwiderte der Herzog ruhig. "Aber sage mir, Alter, was ist das mit einem Male für ein Geruch? Das riecht wie ein Hausbrand."

Der Schulmeister witterte und schnoberte in den Nebel hinein. "Ihr habt recht, gnädiger Herr," sagte er, "das ist ein Brand und kein kleiner. Das musste ja so kommen. Wo die Wallensteiner sind, die Hunde, da gibt's Mord und Brand!"

Der Herzog wollte eben den Mund zu einer Erwiderung öffnen, als unweit vor ihm mehrere Schüsse aufblitzten. Wie schwache rote Punkte zeichnete sich der Feuerstrahl aus den Musketen im Nebel ab, und der Schall klang, als wenn einer mit der flachen Hand auf hartes Leder aufschlägt. Zugleich jagten vier Rösser heran. Eines war ledig und brach zur Seite aus, auf den andern saßen schwedische Reiter.

"Retirieren, fürstliche Gnaden!" schrie der Rittmeister Starrschedel. "Da vorn steht alles voll von Musketieren, und meinen Reitknecht haben sie durch den Kopf ges

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