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Der Duft der Erinnerung von Bauermeister, Erica (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 18.02.2020
  • Verlag: HarperCollins
eBook (ePUB)
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Der Duft der Erinnerung

Was wäre, wenn man Erinnerungen einfach konservieren könnte? Seit sie denken kann, lebt Emmeline mit ihrem Vater allein auf einer rauen Insel im Atlantik. Er lehrt sie alles über die Natur. Doch vor allem schult er eines: Emmelines außerordentlichen Geruchssinn. Die Wände ihrer kleinen Hütte sind voller Schubladen mit geheimnisvollen Fläschchen. Darin befinden sich Düfte, die ihr Vater herstellt. Ihr Geruch ist so intensiv, dass sie Erinnerungen an ferne Orte hervorrufen: den Gipfel eines Berges, einen abgelegenen Dschungel ... Emmeline beginnt von diesen Orten zu träumen, obwohl sie weiß, dass ihr Vater die Insel nie verlassen würde. Doch dann beginnt die idyllische Welt zu bröckeln. Die Düfte in den Flaschen verschwinden, und mit ihnen verliert ihr Vater den Bezug zur Realität. Und plötzlich ist Emmeline, die nie Kontakt zu einer anderen Menschenseele hatte, ganz auf sich allein gestellt. Mithilfe eines Fischers gelangt sie ans Festland, wo sie nur einen Wunsch hat: mehr über ihre Herkunft herauszufinden - und über ihre Mutter. "Lyrisch ... bezaubernd ... spricht alle Sinne an. Ich war fasziniert." New-York-Times-Bestsellerautor Jamie Ford "Eine meisterhaft geschriebene Coming-of-Age-Geschichte, die den Leser auf ein olfaktorisches Abenteuer entführt." Kirkus Reviews Erica Bauermeister ist die Autorin von vier Romanen und zwei Leseratgebern. Gerade schreibt sie an einem Memoir. Sie lebt mit ihrem Ehemann und 238 Rehen in Port Townsend, Washington.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 384
    Erscheinungsdatum: 18.02.2020
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783959679299
    Verlag: HarperCollins
    Originaltitel: The Scent Keeper
    Größe: 2780 kBytes
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Der Duft der Erinnerung

Der Jäger der Gerüche

Danach fragte ich jeden Tag: "Können wir bitte eine andere öffnen?"

Manchmal gestattete er es, aber nicht so oft, wie ich wollte.

"Die Flaschen schützen das Papier", sagte er. "Wenn wir sie zu oft öffnen, verschwinden die Gerüche."

Das verstand ich nicht. Gerüche waren doch wie Regen oder Vögel. Manchmal verschwanden sie, aber dann kehrten sie zurück. Sie erzählten ihre eigenen Geschichten, ließen einen wissen, wann Ebbe war oder der Haferbrei auf dem Ofen kochte oder die Apfelbäume kurz vor der Blüte standen. Aber sie blieben nie lange.

Allerdings verstand ich schon als kleines Kind, dass das Duftpapier anders war, irgendwie magisch. Jedes enthielt eine ganze Welt. Teile davon erkannte ich - den Duft einer Frucht etwa, aber diese Frucht war reifer und süßer als alle, die ich je probiert hatte. Oder den Geruch eines Tiers, das träger war als alle Tiere, die ich kannte. Viele Gerüche waren mir jedoch vollkommen fremd - scharf und schneidend, sanft und beunruhigend.

Ich wollte in diese Welten eintauchen, wollte verstehen, woher diese Gerüche stammten. Noch mehr aber wollte ich Jack, der Jäger der Gerüche sein, der Held aus den Geschichten meines Vaters, der durch das Blätterdach tropfnasser Dschungelwälder fliegt und Berge erklimmt, um den Duft einer winzigen Blume einzufangen.

"Wie hat er das geschafft?", fragte ich meinen Vater. "Wie hat Jack die Düfte gefunden?"

"Indem er der hier folgt", sagte er und tippte mir auf die Nase.

Ich überlegte. "Aber wie?"

Mein Vater lächelte. "Du stehst ihr einfach nicht im Weg, nehme ich an."

Ich verstand nicht, was er meinte, aber von da an gab ich mir die größte Mühe, mich von meiner Nase leiten zu lassen. Ich hob sie an, wann immer ein Wetterumschwung in der Luft lag, dann roch ich an der Erde, um zu erfahren, wie sie auf ihn reagierte. Das Meersalz hing ständig in der Luft, aber beim Einatmen fiel mir auf, dass der Geruch intensiver wurde, wenn sich die Wellen brachen. Ich erschnupperte etwas Hellgrünes, das wie ein Wasserfall durch die Douglaskiefern rauschte, und verfolgte es zu der Brise zurück, die durch die Baumwipfel strich und die Nadeln erfasste, bis sie sich aneinanderrieben.

Jeden Tag stand ich im Morgengrauen in meinem Dachbodenzimmer auf, wild entschlossen, so viele Gerüche zu finden, wie ich konnte.

"Du bist mein Weckruf", sagte mein Vater, als ich die Leiter hinunterkletterte. "Meine Morgenlerche."

Den Tag verbrachten wir größtenteils im Freien. Wir hielten Hühner, der Eier wegen, pflegten die Obstbäume und den Gemüsegarten. Trotzdem bestand das meiste, was wir aßen, aus dem, was wir in den ungezähmten Regionen unserer Insel fanden. Ich kann mich nicht daran erinnern, einmal nicht dabei gewesen zu sein, wenn Essbares eingesammelt wurde, und als ich acht war, betrachtete ich mich als einen wichtigen - wenn nicht gleichberechtigten - Partner in unserem Überlebenskampf.

"Verpflegungstag", pflegte mein Vater zu sagen, und wir gingen in den Wald, Körbe aus Zedernrinde in den Händen. Im Sommer ernteten wir Heidelbeeren und Rebhuhnbeeren, deren dunkles Blau so aussah, als hielten wir ein Stück Nacht in den Händen. Im Herbst fanden wir Pilze, die sich unter Bäumen versteckten, und ich war von den gefurchten Morcheln fasziniert; jede für sich war ein einziges Labyrinth aus Vertiefungen und krummen Bahnen.

"Erzählst du mir ihre Geschichte?", fragte ich meinen Vater eines Tages. Ich strich mir die Locken aus dem Gesicht und sah ihn an. "Bitte."

Einen Moment lang schaute er auf mich herunter, überlegte und betrachtete die Morchel in meiner Hand.

"Es war einmal, Emmeline" , begann er, "dass Jack sich in einem Zauberwald befand, in dem die Bäume bis zum Himmel reichten. Eine wunderschöne Zauberin lebte dort in einem Haus, das nur aus Gerüchen bestand, und als Jack sie erblickte, verli

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