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Der Duft des Regens auf dem Balkan von Kuic, Gordana (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 19.12.2014
  • Verlag: Hollitzer Wissenschaftsverlag
eBook (ePUB)
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Der Duft des Regens auf dem Balkan

'Der Duft des Regens auf dem Balkan' erzählt die Geschichte der sephardisch-jüdischen Familie Salom aus Sarajevo, deren Leben mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs eine radikale Wendung nimmt. Fünf Frauenschicksale entfalten sich in einer Zeit großer gesellschaftlicher Umbrüche. Vor dem Hintergrund der politischen Ereignisse zwischen 1914 und 1945 machen sich die fünf Töchter - Nina, Buka, Klara, Blanki und Riki - auf die Suche nach Entfaltung und Liebe. Dabei gehen sie, teils ohne Rücksicht auf ethnische und konfessionelle Schranken, neue Wege. Gordana Kui? schildert in ihrem Jahrhundertroman eine für immer verlorengegangene Welt: die Kultur des friedlichen Zusammenlebens von bosnisch-jüdischen, muslimischen, serbisch-orthodoxen und katholischen Gesellschaftsschichten in der vibrierenden Hauptstadt Sarajevo von damals. Gordana Kui? lebt in ihrer Geburtsstadt Belgrad. In ihrem Erstlingswerk 'Der Duft des Regens auf dem Balkan' verarbeitete sie authentische Ereignisse aus dem Leben ihrer Vorfahren und Verwandten. Der Roman wurde in viele Sprachen übersetzt und fand internationalen Anklang. Seither veröffentlichte Gordana Kui? weitere sechs Romane sowie mehrere Kurzgeschichtensammlungen. Einige ihrer literarischen Werke wurden für Film- und Fernsehproduktionen sowie für Ballett- und Theateraufführungen adaptiert. In ihrer Heimat avancierte Gordana Kui? zur Bestsellerautorin.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 440
    Erscheinungsdatum: 19.12.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783990121719
    Verlag: Hollitzer Wissenschaftsverlag
    Originaltitel: Miris kise na Balkanu
    Größe: 3233 kBytes
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Der Duft des Regens auf dem Balkan

"Mama! Ich will ein neues Kleid!", quengelte Riki zum zwanzigsten Mal an diesem Tag. Ihr Gesichtchen strahlte Entschlossenheit aus. Alles hatte sie versucht: Sie hatte geweint, kokettiert, ungeduldig auf den Boden gestampft, an ihren schwarzen Locken gedreht. Nichts half. Sogar eine ihrer vielen Krankheiten hatte sie vorgetäuscht. Keine Reaktion! Unter normalen Umständen hätte Estera der Beharrlichkeit ihrer jüngsten Tochter nachgegeben, doch dieses Mal hatte sie tatsächlich kein Geld, um Stoff für ein neues Kleid zu kaufen.

Leon verdiente schlecht. Er arbeitete nicht gern und seine Anstrengungen, mit einem der vielen Geschäfte, auf die er sich eingelassen hatte, Erfolg zu haben, waren meist nur halbherzig. Dabei hatte er sieben Kinder zu ernähren, fünf Töchter und zwei Söhne, und seine Frau Estera.

"Ich brauche ein neues Kleid, wenn Franz Ferdinand kommt!", beharrte Riki ernst, als käme der österreichisch-ungarische Thronfolger nur nach Sarajevo, um sie zu sehen. "Ich werde zu ihm gehen und ihn um eine Semmel bitten! Für ihn werden bestimmt jeden Tag welche gebacken."

Blanki, vier Jahre älter, jedoch genauso zierlich wie ihre Schwester, schwieg wie gewöhnlich. Sie dachte darüber nach, wie Riki immer bekam, was sie wollte. Erstens, weil sie es laut forderte; denn wie konnte man etwas bekommen, wenn man es nicht einforderte und niemand wusste, dass man es brauchte? Und zweitens wegen ihrer Hartnäckigkeit, indem sie allen auf die Nerven ging, bis die anderen nachgaben, damit sie Ruhe hatten.

Riki und Blanki waren die besten Freundinnen, obwohl sie nicht unterschiedlicher hätten sein können. Ihre vergessliche Mutter Estera verließ nur selten das Haus und schickte lieber ihre Kinder zum Einkaufen von Lebensmitteln. Wenn sie Riki schickte, gab es meistens Ärger, denn Riki ging in das erstbeste Geschäft und kaufte sich Eis oder gar Urmasice oder einen Kadaif. Sie traf andere Kinder, mit denen sie spielte und dabei völlig vergaß, was sie kaufen sollte. Wenn dagegen Blanki geschickt wurde, konnte man sich darauf verlassen, dass sie sofort zum Laden ging und bald mit dem Gewünschten zurückkehrte. Sie wusste, dass sie auf ihre Mutter hören musste, doch in letzter Zeit fragte sie sich oft, ob Riki nicht vielleicht die Klügere war, weil sie immer viel besser davonkam.

Mit den Naschereien war es dasselbe. Blanki bat ihre älteren Schwestern nie darum, sie in ein Süßigkeitengeschäft mitzunehmen, doch mit der Zeit hatte sie es gelernt, listig vorzugehen. Sie musste Riki gegenüber nur eine Andeutung machen, schon zerrte diese so lange an Ninas oder Klaras Rock, bis sie ihr Geld gaben. So profitierte Blanki zumindest vom Talent ihrer jüngeren Schwester, wenn sie schon nichts an ihrer eigenen schüchternen Art ändern konnte.

Ihre Mutter fragten sie nicht um Geld, dafür um viele andere Dinge. Estera betrachtete es als ihre Pflicht, ihnen alles zu erklären, was sie nicht verstanden. Sie bekochte sie und vermittelte zwischen den Kindern und dem Vater. Außerdem kümmerte sie sich um sie, wenn sie krank waren. Die Mutter arbeitete immer viel, doch das hielt Blanki nicht davon ab, sie dabei nach Dingen auszufragen, die sie interessierten. Und Estera brachte grenzenlose Geduld auf. Sie wusste alles. Sie erzählte Blanki vom ägyptischen Pharao Ramses II., der als Erster die Juden verfolgt hatte, viele tausend Jahre bevor Blanki und Mama, ja sogar bevor der alte blondhaarige Großvater Solomon, von allen Liacho genannt, geboren waren. Der Anführer der Juden hieß Moses, er versammelte sein Volk, befahl den Frauen, schnell Brot aus Mehl und Wasser zu backen (so wie das, das Blanki zum Pessachfest aß und das sie Boju nannten), und führte sie aus der Gefangenschaft. Blanki wusste alle zehn Gebote Moses' auswendig, die dieser von Gott erhalten hatte, als die Juden am Sinai ankamen. Dann folgte der merkwürdigste Teil der Geschichte: Diese Vorfahren sprachen kein Ladino so

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