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Der Duft von Apfeltarte Roman von Leuze, Julie (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 15.07.2019
  • Verlag: Goldmann
eBook (ePUB)
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Der Duft von Apfeltarte

Als ihre Mutter erkrankt, muss die junge Pariserin Camille auf den elterlichen Apfelhof in der Normandie zurückkehren. Dort heißt es kräftig mitanpacken - es ist ja nur für sechs Wochen, wie Camille sich sagt. Doch die Arbeit bereitet ihr unerwartet Freude. Schließlich hat sie sogar die Idee, wieder eigenen Cidre herzustellen wie zu Lebzeiten ihres Vaters. Und dann ist da noch dieser attraktive Feriengast aus Paris: Antoine sieht nicht nur gut aus, er kann auch gut zuhören! Doch als der wahre Grund für Antoines einfühlsames Interesse herauskommt, fühlt sich Camille verraten und ist zutiefst enttäuscht. Ist ihre Liebe stark genug, um Antoine diesen Vertrauensbruch zu verzeihen? Julie Leuze, geboren 1974, studierte Politikwissenschaften und Neuere Geschichte in Konstanz und Tübingen, bevor sie sich dem Journalismus zuwandte. Mittlerweile widmet sie sich ganz dem Schreiben von Romanen für Erwachsene und Jugendliche. Julie Leuze lebt mit ihrem Mann und drei Kindern in Stuttgart.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 336
    Erscheinungsdatum: 15.07.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641236090
    Verlag: Goldmann
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Der Duft von Apfeltarte

Camille

Camille Rosière wischte sich über die Stirn. Die Tür des Reisebüros stand weit offen, doch trotz der abendlichen Stunde herrschten drinnen wie draußen noch immer vierunddreißig Grad Celsius.

Sie warf einen verstohlenen Blick auf die Uhr. Eigentlich hätte sie längst Feierabend, und sie sehnte sich nach einer kalten Dusche, einem Glas Cidre und einem Stück Obst. Aber noch standen zwischen Camille und diesen Genüssen ihre beiden letzten Kunden, und Monsieur und Madame machten nicht den Eindruck, als wollten sie in absehbarer Zeit das Feld räumen. Seit geschlagenen anderthalb Stunden saßen sie vor Camilles Schreibtisch und trieben sie langsam, aber sicher zur Verzweiflung.

Gerade sagte Madame, ein mageres Wesen im dunkelblauen Kostüm, mit missbilligendem Blick: "Ich verstehe wirklich nicht, wo das Problem liegt! Im Oktober will doch kein Mensch in den Urlaub fahren ... außer uns, natürlich. Weshalb also können Sie uns kein vernünftiges Hotel anbieten? Ein einfaches, aber gepflegtes Haus, etwas, das unseren Wünschen entspricht und für das man nicht im Lotto gewonnen haben muss. Ich verstehe das nicht, ich verstehe das wirklich nicht!"

"Nun, Madame, ich habe Ihnen bereits über zwanzig Vorschläge unterbreitet." Camille zwang sich zu einem Lächeln. "Und es war schon einiges dabei, das Ihren Wünschen sehr nahekam, wenn ich das bemerken darf."

"Nahekam, nahekam!", knurrte Monsieur. "Wir geben unser gutes Geld doch nicht aus, um Abstriche zu machen! Hören Sie, es ist ganz einfach: Wir möchten ein ruhiges Hotel, in dem dennoch ein bisschen was geboten wird, zum Beispiel, äh, Ausflüge. Oder Shows. Ja, genau, Show-Abende! Die würden mir gefallen." Monsieur lockerte verwegen seine Krawatte. Dann fuhr er fort: "Das Ganze sollte selbstverständlich am Meer liegen ..."

"Aber nein, Chéri, auf dem Land", unterbrach Madame ihn pikiert. "Darüber waren wir uns doch einig!"

"Nicht auf dem Land. In einer ländlichen Gegend !" Monsieur warf seiner Frau einen ärgerlichen Blick zu. "Und eine ländliche Gegend kann sehr wohl am Meer liegen. Oder willst du das etwa leugnen?"

Madame verdrehte die Augen. "Sie haben es gehört", wandte sie sich barsch an Camille, "wir möchten ans Meer, aber in eine ländliche Gegend. Am liebsten würden wir in eine Ecke reisen, in der wir noch Ursprünglichkeit finden, Wildnis, unberührte Natur ..."

"Aber auch Unterhaltung", beharrte Monsieur. "Ich möchte mich in meinem hart verdienten Urlaub nicht in irgendeinem Kaff zu Tode langweilen, damit das mal ganz klar ist!"

"Können Sie uns denn nun endlich etwas in dieser Richtung zeigen?", fragte Madame mit einem gereizten Blick auf Camille. "Wir haben nicht ewig Zeit, wissen Sie?"

Ich auch nicht, dachte Camille erschöpft. Und ihr zwei bleibt am besten zu Hause.

Bilder von Hotels zogen ihr durch den Kopf, unzählige schöne, preiswerte Häuser, die sie ihren anspruchsvollen K unden in den letzten anderthalb Stunden präsentiert hatt e und die allesamt für untauglich befunden worden waren. Hier war das Bad nicht groß genug, dort die Anreise zu lang. Einmal sagte die Farbe der Sonnenschirme nicht zu, ein andermal gefielen die Tapeten des Frühstücksraumes nicht. Camille war mit ihrem Latein am Ende.

Monsieur und Madame starrten sie erwartungsvoll an. Von draußen wehte ein Luftzug herein, heiß wie Wüstenwind, mit dem Geruch von Smog. Hinter Camilles Stirn begann es zu pochen. Abrupt erhob sie sich.

"Wissen Sie, was?" Sie schenkte dem unzufriedenen Ehepaar ein strahlendes Lächeln. "Ich gebe Ihnen diese schönen Kataloge einfach mit! Dann können Sie sich ganz in Ruhe überlegen, was für Sie infrage kommt, und sobald Sie sich entschieden haben, kommen Sie wieder hierher. Alles Weitere erledige dann ich für Sie. Einverstanden?"

Madame schnappte nach Luft. Monsieur zog finster die Augenbraue

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