text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Der Flug des Falken Die rebellische Jugend des Friedrich Engels von Baumert, Walter (eBook)

  • Verlag: VNW - Verlag Neuer Weg
eBook (ePUB)
7,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Der Flug des Falken

Friedrich hätte die Fabrik des Vaters übernehmen können, hätte mit seinen schriftstellerischen und philosophischen Talenten ein Star im bürgerlichen Kulturleben werden können. Doch er geht einen anderen Weg. Angetrieben von seinem großen Gerechtigkeitsempfinden, rebelliert er: gegen das Elternhaus, gegen die politische Unterdrückung, gegen die geistige Bevormundung des Glaubens. Dabei
schont er sich selbst nicht, prüft hartnäckig und kritisch das eigene Denken und Handeln. So macht er sich auf zu einer neuen Weltanschauung, die ein wissenschaftliches Fundament für die Befreiung der Menschheit bildet.
Das Bild des Falken tauchte in seiner Erinnerung auf. Seine Brust weitete sich. Hoch hinaus sollte der Flug gehen! Die Welt überblicken, Dunkelheit und Wirrnis bezwingen, das Geheimnis der Schöpfung ergründen - das wollte er.

Walter Baumert, Jahrgang 1929, hat mit dem 1981 erstmals veröffentlichen Roman 'Der Flug des Falken' seinen internationalen Durchbruch erzielt. Der Kampf mit den verschiedenen Richtungen des Glaubens und der idealistischen Philosophie ist verbunden mit dem Mut und Witz von Engels im solidarischen Handeln. Die Liebe zu den unterdrückten Arbeitern und der Haß gegen alles Duckmäusertum zeigen Engels als einen Rebellen, der bis heute tief beeindruckt. Walter Baumert ist am 22. September 2016 im Alter von 87 Jahren in Berlin verstorben.

Der mehrfache DDR-Preisträger musste sich wegen seiner realistischen und gesellschaftskritischen Darstellung eines wachsenden Drucks der Staatsführung erwehren. Weitere wichtige Werke: 'Und wen des Teufel nicht peinigt' (1975 - über die Jugend des Dichters Georg Weerth); 'Das Ermittlungsverfahren' (1985 - über Ernst Thälmann) sowie eine Vielzahl von Fernsehdrehbüchern und Szenarien.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 660
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783880214583
    Verlag: VNW - Verlag Neuer Weg
Weiterlesen weniger lesen

Der Flug des Falken

Erstes Kapitel
Engelsmühle

Die LOKALE GRUPPE zählt zu den kleineren Ansammlungen galaktischer Inseln in der Unendlichkeit des Kosmos. Ihr gehört ein regulärer Spiralnebel mittlerer Größe an mit etwa hundert Milliarden Sonnenmassen, die um das Zentrum rotieren, MILCHSTRASSE genannt. In einem Seitenzweig ihres Systems von Feldsternen, zwischen zwei der weit hinausragenden Spiralarme zieht die SONNE, umkreist von einem Trabantenschwarm, ihre Bahn. Einer der wenigen größeren Planeten dieses Gestirns schimmert bläulichweiß. Seine Parameter verlaufen ziemlich exakt in der Mitte der Sonnenbiosphäre. Es ist dies ein Planet des Lebens, unsere gute Mutter ERDE.

Ende September 1825 lebten hier ungefähr eine Milliarde Menschen. Einer davon war Johann Wolfgang von Goethe, deutschsprachiger Schriftsteller und großherzoglicher Minister, wohnhaft in der thüringischen Residenzstadt Weimar, Am Frauenplan, sechsundsiebzig Jahre alt. Ein anderer hieß Friedrich Engels, manchmal kurz Fritz oder Fritzchen genannt, ältester Sohn eines wohlhabenden deutschen Textilfabrikanten, wohnhaft in Barmen im Wuppertal, Brucher Platz, vier Jahre und zehn Monate alt.

Beide erwachten wie gewöhnlich so auch an diesem Morgen frühzeitig. Der ältere Herr machte sich allerhand Gedanken über den Brief, den er gestern von Cotta erhalten hatte.

Eine vierzigbändige Gesamtausgabe seines literarischen Lebenswerkes will der Verleger herausbringen. Auch wenn man es nicht wahrhaben möchte, es geht, geht auf das Ende zu! Und noch immer liegt der zweite Teil des »Faust« unfertig da. Noch immer ist keine Antwort gefunden auf die letzte Frage, vielleicht die einzige, die des Nachdenkens wirklich wert war, die Frage nach dem Sinn des menschlichen Lebens. »Das Göttliche, das im Menschen zum Bewußtsein seiner selbst gelangt«, behauptet Hegel. Wie leicht es doch ein Philosoph hat, mit dem Grundproblem fertig zu werden. Er nimmt sein eigenes Denken als Urgrund und baut den Kosmos darauf. Ein Dichter aber kann sich nur an das Lebendige halten ... Du sollst die Option haben, Cotta, für die siebzigtausend Taler, die du bietest. Aber den zweiten Teil des »Faust« bekommst du erst am Tag nach meinem Tod, so das Schicksal mir die Kraft und die Frist läßt, ihn zu vollenden.

Soweit einige Überlegungen Goethes an diesem Spätsommermorgen. Wir lassen ihn nun mit seinen Gedanken allein und wenden uns dem Jüngeren zu, der noch weit davon entfernt war, moralische Betrachtungen über Sinn und Wert eines menschlichen Lebens anzustellen.

Seine Welt war ein einheitliches Ganzes, innig verschmolzen mit der eigenen Person. Sie bestand aus seiner Mutter, dem Vater, seinen beiden jüngeren Geschwistern Hermann und Marie, aus Ulrike, seiner Amme, und Fräulein Henriette sowie einer Vielzahl weiterer Personen, die kamen und gingen und von denen die bei weitem wichtigste Opa aus Hamm war. Sie bestand aus dem weitläufigen Elternhaus, in dem es eine Unmenge von Zimmern, Fluren, Treppen, Nischen und noch nicht vollständig ergründeten dunklen Boden- und Kellerräumen gab. Sie bestand aus einem unendlich großen Garten, das Engelsbruch genannt. Nach drei Seiten hin war der Garten eingeschlossen von einer Vielzahl von Bauwerken aller Art. Neben dem eigenen Haus standen die stattlichen Wohnhäuser Onkel Caspars, Onkel Augusts, Onkel Snethlages, eine unübersehbare Menge kleinerer Gebäude, Pferdeställe und Schuppen, in denen Kutschen standen, neue, glänzende und alte, mit rostigen Radnaben und verstaubten Polstern, dazwischen lustige, bunte Fachwerkhäuschen, in denen lauter äußerst freundliche Leute wohnten. Nach der vierten Seite hin, zur Wupper zu aber war der Garten abgeschlossen von einer hohen Mauer. Dahinter spielten sich die erstaunlichsten Dinge ab, von denen noch zu sprechen sein wird, weil sie Friedrich lange und oft beschäftigten.

Über dem ganzen schien die Sonne, nur manchmal von Wolken bedeckt, von Gewittergüssen un

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen