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Der Galeerensträfling von Jancar, Drago (eBook)

  • Erschienen: 25.02.2015
  • Verlag: Folio Verlag
eBook (ePUB)
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Der Galeerensträfling

Sekten und Stifter, Ketzer und Hexen, Willkür und Terror - wir schreiben das 17. Jahrhundert. Johann Ott irrt ziellos umher, es ist eine Flucht ohne Zuflucht, eine innere Unruhe treibt ihn von Ort zu Ort. Nach seiner Befreiung aus den Mühlen der Inquisition schlägt er sich zur istrischen Küste durch, wo sich sein weiteres Schicksal vollzieht: die Verurteilung zu lebenslanger Galeerenstrafe. Auf dem Meer treiben ihn die Gewalten der Natur und die menschliche abgrundtiefe Grausamkeit an den Rand des Wahnsinns. Sein letzter Kampf gilt schließlich der Pest, der er am anderen Ende des Meeres in Portugal in Richtung Heimat wieder zu entrinnen versucht.

Drago Jancar, geboren 1948 in Maribor, gilt als der bedeutendste zeitgenössische Schriftsteller Sloweniens. 1974 wurde er wegen 'feindlicher Propaganda' inhaftiert. Zahlreiche Preise, u. a. Prix Européen de Littérature 2012. Seine Romane, Essays und Stücke wurden in viele Sprachen übersetzt. Zuletzt bei Folio: Der Baum ohne Namen (2010), Nordlicht (2012).

Produktinformationen

    Größe: 1688kBytes
    Herausgeber: Folio Verlag
    Übersetzer: Übersetzung: Olof, Klaus D.
    Sprache: Deutsch
    Seitenanzahl: 344
    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    ISBN: 9783990370445
    Erschienen: 25.02.2015
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Der Galeerensträfling

Das andauernde Flüstern lief bald von Stube zu Stube, und die Tatsachen zeigten ein immer klareres Bild des schweigenden Zugewanderten, immer mehr wusste man von seinem Leben und Treiben, Denken und Träumen, seinen Bindungen und Feindschaften. Gar nicht viel Zeit war vergangen, da brachten die bewährten Nachrichtenkanäle schon eine Reihe zuverlässiger Informationen in Umlauf.

In was für einem Verbrecherloch musste er aufgewachsen sein! Die Mutter eine Hure, der Vater Pferdehändler. Der Teufel hatte sozusagen schon an seiner Wiege gestanden. Oben im Norden hatte er schon früh den Kerker zu kosten gekriegt. Er hatte verschiedenen Herren gedient, einmal solchen vom wahren, einmal solchen vom falschen Glauben. Am Licht der wahrhaftigen Wahrheit hatte er sich nie so recht erwärmen können. Auf Wallfahrten war er gegangen. Warum? In frommer Bußfertigkeit bestimmt nicht. Eine Frau hatte er und Kinder, aber etwas hatte ihn fortgetrieben und in die Welt hinaus. Was, das wusste man noch nicht. Aber man konnte seine Schlüsse ziehen. Hinterm Haus hatte es gebrannt, und das Feuer war von selbst verloschen. Die Ratte war verschwunden, das beinlose Tier. Am Körper trug er Narben, in seinem Innern schwelte ein glühender Brand. Das hatten seine Augen vor der Kirche verraten. Seine Erinnerung hatte ihm die Fäden verwirrt, einmal redete er so, ein andermal so. Hinter den Frauen war er zwar nicht gerade her, aber er war vor die Kirche gelaufen gekommen, als die Strafe für die Ausschweifung verkündet und vollzogen wurde. Öfter war er in einem Judenhaus in der Stadt verschwunden. Mit Ärzten und anderen gelehrten Leuten hatte er ganze Nächte beim Wein diskutiert. Was, das hatte man bald heraus. Sogar das, sogar das wurde von der gesamten Familie des Stadtwächters Macl bestätigt: Eines Abends hatte über seinem Haus eine Wolke von Ungeziefer der verschiedensten ekelhaftesten Formen und Stimmen geschwebt.

Und wohin ging er nachts?

Diese Frage, die wichtigste Frage genau genommen, würde sich bald von ganz allein klären. Allzu viele Gerüchte dieser Art schlangen und wanden sich um Johann Ott. Vielleicht wirklich manchmal etwas wirr, vielleicht wirklich manchmal in widersprüchlichen und nicht ganz logischen Varianten, aber die Angaben häuften sich, es wurde geredet, und das war in keinem Fall gut. Denn da redete nicht nur irgendwer, es redeten auch schon die ehrbaren und anständigen Leute. Wem sonst sollte man glauben, wenn nicht ihnen?

Doch jetzt war er gewarnt. Deutlich genug hatte der Mann in Schwarz zu ihm gesprochen. Jetzt hieß es abwarten und Obacht geben. Etwas würde geschehen. In etwas würde er hineingezogen werden.

In solcher Zeit war es nicht gut, wenn sich über einen Menschen allzu viele Gerüchte, Nachrichten und Hinweise verbreiteten. Irgendwer siebte und sichtete sie. Verwarf Geschwätz und Spreu und behielt Tatsache und Frucht des Irrglaubens zurück. Die Dinge lagen überhaupt nicht einfach. Johann Ott war auf der Flucht, daran gab es keinerlei Zweifel. Genauso sicher war aber auch, dass er in diese Lande gekommen war, um seinen Frieden zu suchen. Er wollte trinken und essen und herumvagabundieren. Diesen Frieden gab es weder hier noch in seinem Innern. Es brannte ihm in der Brust, es stürmte im Luftraum um ihn herum. Denn man weiß, dass in der Luft nicht nur Krankheitskeime sind, in den Lüften und Luftwirbeln gibt es auch finstere Ideen, die von bösen Geistern durch den menschlichen Allraum gesandt werden, damit sie, keiner weiß, wann, in einen hineinkriechen. Schließlich hatte er sich seinen Winkel für die ruhigen Tage ganz schlecht und unglücklich gewählt. Er hatte wahrscheinlich gedacht, dass die Leute hier genug eigene Schwierigkeiten hätten - wurden sie doch von allen möglichen irdischen und kosmischen Wirren bedrängt und zugleich von den guten Mächten, die gegen diese Wirren kämpften -, so viele Schwierigkeiten, dass sie sich um den Neuankömmling überhaupt nicht kümmern

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