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Der geheime Code der Frauen Roman von Rees, Celia (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 18.08.2020
  • Verlag: Aufbau Verlag
eBook (ePUB)
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Der geheime Code der Frauen

Miss Graham und die Kunst der Spionage. Deutschland im Jahr 1946. Für den britischen Geheimdienst ist Edith Graham die perfekte Spionin - sie ist jung, alleinstehend und spricht Deutsch. Ihre heikle Aufgabe: Sie soll den Arzt Kurt von Stavenow finden, ausgerechnet den Mann, mit dem sie vor dem Krieg eine Liebesaffäre hatte. Bald erkennt Edith, dass von Stavenow ein Kriegsverbrecher ist - und dass die Briten ihn nicht suchen, um ihn vor Gericht zu stellen, sondern dass sie sich vor allem für seine Forschungsergebnisse interessieren. An eine Freundin beim Geheimdienst schickt Edith daher codierte Berichte, um dafür zu sorgen, dass von Stabenow nicht davonkommt. Doch damit bringt sie sich in höchste Gefahr. Ein packender Roman über eine junge Frau in einem Netzwerk von Spionen. Eine Geschichte über Verrat, Liebe und Freundschaft.

Celia Rees ist einer der erfolgreichsten Jugendbuchautoroinnen Großbritanniens; ihre Bücher wurden bisher in 28 Sprachen übersetzt. 'Der geheime Code der Frauen' ist ihr erstes Buch für ein größeres, erwachsenes Publikum.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 528
    Erscheinungsdatum: 18.08.2020
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783841225481
    Verlag: Aufbau Verlag
    Originaltitel: Miss Graham's Cold War Cookbook
    Größe: 4309 kBytes
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Der geheime Code der Frauen

1

Regierungsbüros
Marylebone

31. Dezember 1945

Kennen Sie diesen Mann?«

Edith Graham erwiderte den Blick aus unerbittlichen Augen, der sie musterte, blickte dann nach unten auf das Foto. Ein griechischer Kouros im Cricketpullover, ein junger Mann in der Blüte seiner Jugend, hatte sie gedacht, als sie sich an diesem Nachmittag in ihn verliebte. Sie erinnerte sich, dass das Foto 1932 aufgenommen worden war. Die Parks in Oxford. Er stand an der Ecke des Spielfeldes, Hände in den Hosentaschen, Gesicht im Profil, blondes Haar, das von einer hohen Stirn geweht wurde. Schatten formten sich unter seinen Brauen und akzentuierten seine hohen Wangenknochen. Die Stirn leicht gerunzelt, war sein Mund ein gerader Strich.

»Doch, ja, ich kenne ihn. Das ist Kurt von Stavenow.«

»Sind Sie sicher?«

»O ja, ganz sicher.«

»Und ihre Beziehung

»Wir ... wir waren eine Weile lang ein Paar ...«

Die Frau machte sich mit ihrem grün marmorierten Sheaffer eine Notiz. Edith beließ es dabei. Sie würde sich dieser strengen Fremden mit ihren kalten, abschätzenden Augen nicht anvertrauen.

»Wie lange?«, fragte sie im Ton von jemandem, der die Antwort längst kannte.

»Nicht lange. Ein Jahr vielleicht«, antwortete Edith. Er war ihre erste Liebe gewesen, die einzige wahre Liebe, um genau zu sein. Merkwürdig, dass ihre Zeit so kurz bemessen war. In ihren gesammelten Erinnerungen nahm sie einen viel größeren Platz ein.

Die Frau machte sich noch eine Notiz, legte ihren Stift beiseite und musterte Edith wieder, Kopf zur Seite geneigt. Sie war außerordentlich gutaussehend, schwarzes Haar, aus einem bleichen Porzellangesicht nach hinten gekämmt, große, dunkle Augen, schräg und leicht verhangen. Sie trug roten Lippenstift, den Farbton, den Ediths Schwester Louisa bevorzugte, ansonsten nur sehr wenig Make-up. Ihr Mund ließ vermuten, dass sie selten lächelte. Ihr dunkelgraues Kostüm war mit der Strenge einer gutgeschneiderten Uniform geschnitten. Jeder Anflug von Maskulinität wurde von einer elfenbeinfarbenen Seidenbluse zerstreut, deren Peter-Pan-Kragen mit einer kleinen Perlenbrosche durchstochen war. Edith bewunderte die Raffinesse. Ich bin eine Frau von gewissem Rang in einer Männerwelt, sagte das Outfit.

Die Frau führt eine Hand zum Hals, als würde sie sich unbewusst gegen Ediths prüfenden Blick zur Wehr setzen.

»Ich frage mich«, durchbrach Edith die Stille, »was das alles zu bedeuten hat?«

»Sie sind hier, um Fragen zu beantworten, nicht, um welche zu stellen.«

Edith hatte keine Vorstellung, warum sie hier war oder wo auch nur »hier« war.

Sie war von der Kontrollkommission, Germany Headquarters in Kensington, hierhergebracht, ohne Erklärung aus ihrem abschließenden Briefing geholt und wortlos von einem jungen Mann in Doppelreiher und Wächterkrawatte abgeliefert worden. Er hatte lediglich auf den Eingang mit den Säulen gewiesen.

»Erster Stock, Gang links.«

Es handelte sich wohl um Regierungsbüros, obwohl die Proportionen für Büros unpassend waren: der Gang zu breit, die Decken zu hoch. Der Raum, in dem sie sich befanden, könnte einmal ein herrschaftliches Wohnzimmer gewesen sein. Ein Gasofen hockte winzig in einem ausladenden Kamin, der durch seinen höhlenartig gähnenden Abzug sämtliche Wärme schluckte, und man hörte durch eine dünne Trennwand aus Sperrholz das gedämpfte Geklapper einer Schreibmaschine. Keine Namensschilder an den Büros, keine Nummern an den Türen. Musste irgendetwas mit Cousin Leo zu tun haben. Edith würde darauf wetten. Sie waren Cousin und Cousine zweiten Grades, aber zusammen aufgewachsen, weil ihre Mütter sich sehr nahestanden. Leo blieb bei seiner Arbeit für die Regierung immer vage, aber jeder wusste, dass sie streng geheim war.

Edith blickte auf einen leeren Schreibtisch, darauf nichts als ein Schreibblock, ein Füller und zwei

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