text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Der gemeinsame Weg von Ernst, Hans (eBook)

  • Verlag: Rosenheimer Verlagshaus
eBook (ePUB)
11,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Der gemeinsame Weg

Monika soll Florian Taferner heiraten und einmal die Bäuerin des größten Hofes im Loraschtal werden. Dann lernt sie Xaver kennen, und bald träumen beide von einer gemeinsamen Zukunft. Als sie sich allerdings von Xaver getäuscht glaubt, heiratet sie Florian. Aber die Ehe wird nicht glücklich. Eine unerwartete Wende eröffnet schließlich doch die Chance auf einen gemeinsamen Weg mit Xaver. Hans Ernst wurde 1904 in München geboren. Während des Ersten Weltkrieges kam er zum ersten Mal aufs Land - auf einen Bauernhof in Niederbayern. Dort lernte er das kennen und lieben, was später der Inhalt seiner Romane wurde: die bäuerliche Welt. Nach vielen Jahren, die er als Bauernknecht verbrachte, führte ihn sein Weg zu einer Bauernbühne. In dieser Zeit begann er seine ersten Romane zu schreiben, denen noch zahlreiche folgten, insgesamt 112.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 256
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783475547324
    Verlag: Rosenheimer Verlagshaus
    Größe: 2036 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Der gemeinsame Weg

Als Xaver Nonnenbruch nach sechsjähriger Abwesenheit in das Loraschtal, an den Ort seiner Kindheit, zurückkehrte, war gerade Hochsommer. Die Jahre hatten ihn zunächst auf dem Handelsdampfer "Seelord" durch die halbe Welt geführt. Dann hatte er sich freiwillig bei der Bundesmarine gemeldet und bekleidete bereits den Rang eines Obermaats. Nun kam er zum ersten Mal nach vielen Jahren auf drei Wochen Urlaub heim.

Die Hände auf dem Rücken verschränkt, stand er am Fenster des Bummelzuges, der gegen sechs Uhr abends in Spieglberg eintreffen würde.

Wie angegossen saß die dunkelblaue Matrosenuniform an seinem schlanken Körper. Das dunkle Haar war leicht gewellt. Unter der hohen Stirn blickte ein Paar dunkelblauer Augen auf die vorüberziehende Landschaft, und als er dann endlich die am Bahndamm vorüberplätschernde Lorasch sah, zuckte ein spöttischer Ausdruck um seinen schmalen Mund.

Diese Hand voll Wasser da - was war das gegen die Weltmeere! Der Atlantische, der Indische Ozean, die Südsee, das Mittelmeer und die grimmige Nordsee! Dieses geschäftige Getändel der kleinen Wellen - er dachte an den Sturm in der Karibischen See, gegen den sein Schiff drei Tage lang angekämpft hatte und bei dem zwei Leichtmatrosen über Bord gespült worden waren, der Eduard und der Erwin.

Das spöttische Lächeln um den Mund des Heimkehrers verschwand jäh. Sein braun gebranntes Gesicht wurde ernst und eine scharfe Falte grub sich in seine Stirn.

Aber es dauerte nicht lange, dann entspannte die frohe Erwartung sein Gesicht wieder und mit leuchtenden Augen grüßte er alles, was er in Erinnerung behalten hatte. Alle Bilder der Heimat, die sanften, grünen Hügelwellen, den dunklen Bergwald und darüber die blau erstarrte Riesenwoge der Berge.

Und je näher der Zug Spieglberg kam, desto unruhiger wurde er. Wie würde er den Vater antreffen und die Mutter? Ob sie wohl recht gealtert waren? In seinem Abteil saßen ein paar Mädchen und einige Bauern. Wie wohl es tat, nach so viel Jahren wieder die heimatliche Sprache zu hören, die so vertraulich klang! Unwillkürlich horchte er genauer hin und hörte den einen Bauern sagen:

"Der Stangl Matthias ist und bleibt ein Schlawiner."

Der Stangl Matthias? Das war doch der Viehhändler, erinnerte Xaver Nonnenbruch sich flüchtig. Wahrscheinlich hatte er wieder einmal jemanden übers Ohr gehauen!

Er drehte sich um und zündete sich eine Zigarette an.

Eines der Mädchen, eine zierliche, schlanke Blondine, warf ihm einen Blick zu, stieß ihre Nachbarin an und beide kicherten.

Dumme Gänschen, dachte Xaver wohlwollend und erinnerte sich an so viele Mädchen in aller Welt, die er als Seemann kennen gelernt hatte. Wie weit das alles jetzt zurücklag!

Der Zug hielt an einer kleinen Station. Mailing war das, er erinnerte sich an den winzigen Ort.

Endlich setzte sich die Lokomotive wieder schnaufend in Bewegung und zog nun den Zug in den breiten Talkessel hinein, in dem Spieglberg lag. Die ersten Häuser kamen in Sicht, der Schornstein der Unterbrauerei, der schlanke, weiße Kirchturm, die schmucken Bauernhöfe, kleine, geduckte Häuser aus Holz und viele Neubauten. Xaver Nonnenbruch staunte: Der heimatliche Marktflecken hatte sich ziemlich vergrößert. Der Jungwald hinter dem Gemeindeanger war in die Höhe geschossen und das hohe Gebäude mit den großen Fenstern, das mochte wohl das neue Schulhaus sein, von dem die Mutter ihm geschrieben hatte.

Über allem lag das Gold der Abendsonne wie ein tröstlicher Gruß für den Heimkommenden. Der Zug fuhr jetzt am Sägewerk Molder vorbei, in dem sein Vater arbeitete. Etwas dahinter entdeckte er dann endlich zwischen schattigen Apfelbäumen die weißen Mauern des kleinen Hauses, in dem er aufgewachsen war.

spa

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen