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Der Gesang der Bienen Historischer Roman von Dorweiler, Ralf H. (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 28.02.2019
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)
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Der Gesang der Bienen

A.D. 1152: Als Zeidler streift Seyfried durch den Schwarzwald und erntet Honig und Wachs von wilden Bienenvölkern. Als seine Frau zum Tode verurteilt wird, bricht er auf der Suche nach Beistand zum Kloster Bingen auf. Er findet es in heller Aufregung vor, denn die gelehrte Äbtissin Hildegard hat sich mit ihrer direkten Art Feinde innerhalb und außerhalb der Klostermauern geschaffen. Sie knüpft ihre Hilfe an schier unerfüllbare Bedingungen, die Seyfried bis vor den frisch gekrönten König Friedrich I. führen. Ralf H. Dorweiler lebt seit seiner Geburt im Jahr 1973 in der Nähe des Rheins. Aufgewachsen ist er an der geheimnisumwitterten Loreley, zum Studium der Theater-, Film- und Fernsehwissenschaft zog es ihn ins lebenslustige Köln. Mittlerweile lebt er im Südschwarzwald, wo er als Redakteur bei einer großen regionalen Tageszeitung arbeitet und Romane schreibt. Ralf H. Dorweiler ist mit einer Opernsängerin verheiratet und Vater eines Sohnes.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 479
    Erscheinungsdatum: 28.02.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783732561476
    Verlag: Bastei Lübbe AG
    Größe: 4178 kBytes
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Der Gesang der Bienen

PROLOG
Rupertsberg, 20. März 1152

"Freundliche Worte sind wie Wabenhonig,
süß für den Gaumen, heilsam für den Leib."

Bibel, Sprüche 16,24

M it pochendem Herzen folgte Adelheyd Schwester Seburga den langen, schmalen Gang entlang. Durch die mit Pergament bezogenen Bogenfenster drangen die Strahlen der Morgensonne herein und zeichneten weiche Lichtfelder auf die gegenüberliegende Wand. Jedes Mal, wenn sie eines der Fenster passierten, spürte Adelheyd die Wärme wie ein Streicheln durch ihren Novizinnenhabit.

Freudige Erwartung und beklemmende Angst wechselten sich in ihrem Inneren ab. Bis auf das Geräusch ihrer Schritte auf dem nackten Steinboden war alles still.

Nein, da war noch etwas zu hören. Es klang, als ob jemand mit den Fingernägeln pfeilschnell, aber sanft auf ein Tamburin schlüge. Je näher Schwester Seburga und sie der Treppe am Ende des Gangs kamen, umso intensiver wurde das seltsame Geräusch.

Fieberhaft flog eine Biene immer wieder gegen das Fenster. Berührte sie das gespannte Pergament, erhöhte sich die Lautstärke ihres Summens um ein Vielfaches. Flog das Tier entmutigt im Lichtkegel zurück, war das Summen kaum mehr zu hören. Schon startete die Biene einen erneuten Anlauf, einen Weg hinaus aus den Klostermauern zu finden. Dabei lief ihr Schwester Seburga in die Flugbahn. Das Tierchen stieß gegen den schwarzen Schleier der Nonne. Die alte Novizenmeisterin erschrak und wedelte mit beiden Armen hektisch durch die Luft.

"Ist sie weg? Ist sie weg?", rief sie.

Im selben Moment hörte Adelheyd, wie die Biene erneut gegen das Pergament stieß.

"Ja, sorgt Euch nicht, ehrwürdige Schwester! Es ist bloß eine Biene. Sie wird Euch nichts tun. Sie sucht nur einen Weg hinaus, zurück zu ihren Schwestern. Lasst uns ihr helfen!"

Adelheyd trug einen Stapel von acht Wachstafeln bei sich sowie einen Griffel, der einst ihrer Mutter gehört hatte. Flugs legte sie das Bündel auf einer schmucklosen Holzbank vor dem Fenster ab und löste den Rahmen, auf den das Pergament gespannt war. Die Biene schwirrte wieder in die Tiefe des Gangs hinein.

"Vergiss dieses Untier", mahnte Seburga. Mit einem Satz zur Seite wich sie der Biene aus und verfolgte sie mit besorgtem Blick. "Die Äbtissin erwartet uns."

Primus humilitatis gradus est oboedientia sine mora , ging es Adelheyd durch den Kopf. Der erste Schritt zur Demut ist Gehorsam ohne Zögern. In der Abtei wurde von den Novizinnen verlangt, dass sie die Regeln Benedikts von Nursia verinnerlichten und jederzeit aus dem Gedächtnis aufsagen konnten. Der Gehorsam spielte darin eine zentrale Rolle. Andererseits hatte Adelheyd den Rahmen ohnehin schon gelöst. Und ihr tat das kleine Tier leid, das sich wahrscheinlich auf der Suche nach den ersten Blüten des Jahres in diesen kargen Gang verirrt hatte. Sie hoffte, dass Gott ihr nicht grollen würde, wenn sie seinem Geschöpf hinaushalf und den Gehorsam, den sie ihrer Novizenmeisterin schuldete, einen Moment aufschob.

"Nur einen Augenblick", bat sie Seburga und zog das Pergament zur Seite.

Ein milder Windhauch wehte herein. Adelheyd war wie gebannt von dem Ausblick, der sich ihr bot. Der Rupertsberg, auf dem das Kloster stand, wurde auf zwei Seiten von Flüssen umspült. Direkt unter ihr strebte die Nahe gemächlich der Vereinigung mit dem viel kräftigeren Rhein entgegen, von dem sie aus diesem Fenster nur ein kleines Stück erkennen konnte. Auf der anderen Seite der Nahe lag, durch eine hohe Mauer geschützt, die Stadt Bingen. Weiter den Hang hinauf standen Obstbäume, von denen die ersten bereits in vorsichtiger Blüte erwachten. Dahinter erstreckten sich die Reihen der Weinreben, umgeben von ausgedehnten Wäldern.

Adelheyd gefielen vor allem die bunten Fischerboote auf der Nahe. Eines näherte sich der Brücke, die den Rupertsberg mit Bingen verband. Diese Brücke überquerten gerade drei Nonn

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